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Roundtable

Zur Zukunft der Baufinanzierung

Das Wissen der Deutschen im Bereich Baufinanzierung ist nicht besonders gut ausgeprägt – das zeigt eine aktuelle Studie der comdirect bank zur „Baufinanzierungs-Fitness 2009“.

Im Rahmen der Studie wurde das Know-how zu unterschiedlichen Darlehenstypen, Baufinanzierungsbegriffen, Fördermöglichkeiten sowie zur Anschlussfinanzierung und Beratung untersucht. Das Ergebnis: Die Befragten hatten große Wissenslücken in allen Bereichen, unabhängig davon, ob sie selbst eine Immobilie besitzen oder nicht. Dabei sind gerade die heutigen Zeiten ideal zur Erfüllung des Immobilienwunschs und der Zinssatz ausgezeichnet für eine Anschlussfinanzierung bzw. ein Forward-Darlehen. „Zur Zukunft der Baufinanzierung" hieß daher auch das Expertengespräch, zu dem finanzwelt im April Fachgrößen der Baufinanzierung einlud:

finanzwelt: Werden die Zinsen noch weiter sinken oder ist das Maximum erreicht?

van Kaick: Zinssenkungen bei über 60 % Fremdkapital sehe ich nicht. Alle Banken, alle Anbieter haben ihr Betreibermodell aufgrund der Erfahrungen der letzten drei Jahre anpassen müssen. Verbunden damit wird es für Vertriebe immer schwieriger, gewisse Kunden aufgrund der hohen Bonitätsanforderungen der Banken gewinnen zu können.

Lamby: Ich denke, dass Kunden mit guter Bonität und relativ viel Eigenkapital auch weiterhin Top-Konditionen erhalten, wohingegen Kunden mit schlechterer Bonität und wenig Eigenkapital sich auf höhere Zinsen für Baugeld einstellen müssen.

finanzwelt: Suchen die Deutschen derzeit ihr Heil in der Immobilie als Eigenheim?

Neumeier: Ich sehe schon, dass die Nachfrage nach Immobilien und somit nach Baufinanzierungen derzeit sehr stark ist. Das merken wir sowohl bei Prohyp als auch bei unserer Muttergesellschaft Interhyp. So haben wir in den letzten Monaten extrem viele Anfragen bekommen, auch im Vergleich zum Vorjahr. Ebenso ist aber auch zu beobachten, dass gewisse Kunden in Zeiten von Kurzarbeit und Wirtschaftskrise unsicher werden, ob sie sich eben in diesen Zeiten eine Immobilienfinanzierung leisten können.

finanzwelt: Wie sieht es bei der Immobilie als Kapitalanlage aus?

Fedele: Zunächst: Wir hatten ein Riesenendgeschäft. Im November und Dezember 2008 haben wir 30 % mehr Neugeschäft als im vorangegangenen Jahr gemacht. Die aktuelle Krise lässt die Anleger mehr denn je die Risikostruktur ihres Vermögensportfolios überprüfen. Die Immobilie bietet dabei einen wichtigen Beitrag zur Risikostreuung. Jedoch beinhaltet die Krise auch, dass die Menschen in Deutschland derzeit sehr entscheidungsschwach sind. Dies spüren natürlich auch die Vertriebe.

Neumeier: Ich denke, dass ein Investment in eine sichere Immobilie besonders für Privatanleger, die Risiken vermeiden wollen, eine Alternative zu schwankenden Wertpapierbeständen bieten kann. Die Finanzkrise hat dem Anleger deutlich gezeigt, dass die Aktienwelt von starker Unsicherheit geprägt ist. Dieses führt unweigerlich zu einer Rückkehr zu Sachwerten, wie z. B. der Immobilie.

finanzwelt: Steht die so genannte Vollfinanzierung vor dem Aus?

Rex: Nein, natürlich nicht. Kunden mit guter Bonität werden auch künftig Baugeld im Rahmen einer Vollfinanzierung erhalten. Die Vollfinanzierung ist also kein Auslaufmodell. Jedoch sind die Banken vorsichtiger geworden. Und somit werden sie teurer werden, um das nun einmal höhere Risiko einer Vollfinanzierung entsprechend abzufedern.

Fedele: Fakt ist: Die Masse der Banken hat die Kriterien erhöht. Aber unsere Banken im Bereich der Kapitalanlagefinanzierung haben keinen Wechsel in der Strategie vorgenommen. Wenn das Objekt bzw. der wirtschaftliche Wert und die Zahlungsfähigkeit des Kunden stimmen, warum sollte er dann nicht eine möglichst hohe Finanzierung wählen? Aus Renditegesichtspunkten ist diese nach wie vor durchaus sinnvoll. Gerade, wenn es sich zudem noch um steuerlich geförderte Objekte wie eine denkmalgeschützte Immobilie handelt.

van Kaick: Ich denke, dass Banken mit denkmalgeschützten Objekten weniger Probleme haben, da sie vermietbar sind. Es gibt im Risikobereich somit kaum Ausfälle. Viel schlimmer für die Bestände der Banken sind zum Beispiel die Kapitalobjekte, die in den alten Bundesländern wie Bremerhaven oder Pirmasens liegen und 30 oder 40 Jahre alt sind, da diese zum Teil leer stehen und es dort zum Renovierungsstau kommen kann.

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