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Besser verkaufen als stornieren

Zweitmarkt für deutsche Lebensversicherungen

Marktteilnehmer schätzen, dass der Handel mit gebrauchten deutschen Lebensversicherungen im laufenden Jahr erneut stark zunehmen wird. Das Potential des Zweitmarktes für Lebensversicherungen ist dabei schon jetzt gewaltig: Jede zweite Kapitallebenspolice wird vor ihrem regulären Ende storniert – über 12 Milliarden Euro Lebensversicherungsleistungen werden nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. jährlich vor dem regulären Vertragsablauf ausgezahlt. Logisch, dass immer mehr Anbieter bei den Gebrauchten das Geschäft wittern.

Weniger als zehn Prozent der stornierten Policen werden bislang den Aufkäufern von gebrauchten deutschen Lebensversicherungen angeboten. Dennoch werden 2006 voraussichtlich Policen im Wert von rund 700 Millionen Euro den Besitzer wechseln. Das entspricht einem Plus von 40 Prozent gegenüber 2005. Angesichts des erwarteten Wachstums wird auch der Wettbewerb unter den Aufkäufern härter. Mit den bevorstehenden Neuregelungen des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) könnte jedoch eine Verhaltensänderung stattfinden. Es fehlt zwar bisher eine Hinweispflicht auf die Möglichkeit des Policenverkaufs im Entwurf des neuen Gesetzes, aber der Beliebtheitsgrad des Zweitmarktes dürfte erheblich steigen. Justizministerin Brigitte Zypries verkündete denn auch bei der Präsentation des Entwurfs, dass Versicherungen künftig die Rückkaufswerte nach dem Deckungskapital berechnen sollen, auch im Falle einer vorzeitigen Beendigung des Vertrages. Die höheren Rückkaufswerte in den ersten Jahren sollen durch eine Umverteilung der Anlaufkosten wie Abschlussprovisionen und Bearbeitungsgebühren erreicht werden. Wenn die Rückkaufswerte steigen, könnten Verkäufer schneller am Zweitmarkt für Lebensversicherungen zum Zuge kommen.

Wenige Anbieter bestimmen das Geschehen. Marktführer in dem Geschäft ist die 1999 gegründete cash.life AG in München, die in 2004 Policen im Wert von 225 Millionen Euro von kündigungswilligen Versicherungsnehmern erworben hat. Schon zum 30. Oktober 2005 wurde mit 237,9 Millionen Euro mehr umgesetzt als im gesamten Vorjahr. cash.life plant eine deutliche Steigerung ihres Ankaufs-Volumens im Jahr 2006, um die große Nachfrage nach Zweitmarkt- Policen zu befriedigen. Dabei „beliefert“ cash.life marktführende Emissionshäuser mit Policenpaketen: „Mit dem neuen MPC Rendite Fonds Leben plus VI sind wir mit unseren Policen bis ins Jahr 2007 hinein ausverkauft“, meint cash.life Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Kleine-Depenbrock. Wie er weiter mitteilt, wurden die Verträge bereits unterzeichnet. Dieser geschlossene Fonds hat ein geplantes Gesamtinvestitions- Volumen von 276 Millionen Euro und eine Laufzeit von 16 Jahren. Darüber hinaus wird cash.life übrigens auch die Policen-Verwaltung für den MPC-Fonds „Britische Leben plus II“ über die gesamte Laufzeit von 15 Jahren übernehmen. Der Fonds investiert in britische Zweitmarkt- Policen bei einem Gesamtinvestitions- Volumen von 107 Millionen Euro. Damit erhöht sich das Volumen der Lebensversicherungsfonds, die von cash.life verwaltet werden, auf über 1,6 Milliarden Euro. Neben den Fonds der MPC Capital AG beliefert und verwaltet cash.life auch die Lebensversicherungsfonds von König & Cie. Hierzu gab sie vor wenigen Tagen bekannt, dass die Verträge für einen neuen Fonds – den König & Cie Deutsche Leben III – ebenfalls bereits unterzeichnet seien. Der Fonds wird ein Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 105 Millionen Euro haben und läuft bis ins Jahr 2020. „Interessenkonflikte gäbe es dabei nicht”, meint Kleine- Depenbrock. rum die Policen Direkt GmbH gehört. Die WestLB ist seit April vergangenen Jahres mit einer eigenen Tochtergesellschaft auf dem Gebrauchtpolicenmarkt aktiv. Vorrangige Zielgruppe der WestLB Life Markets GmbH sind dabei die Kunden der Sparkassen. Auch die HCI Capital AG bietet über ihre Tochtergesellschaft HSC mit „HSC Optivita VI Deutschland“ ihr erstes Vermögensanlagenprodukt im Bereich des deutschen Lebensversicherungs-Zweitmarktes an. Der Fonds ist allerdings bereits der sechste im Sekundärmarkt. Er umfasst ein geplantes Eigenkapitalvolumen in Höhe von 20 Mio. Euro und eine geplante Laufzeit bis Ende 2020. Interessierte Anleger können sich ab 5.000 Euro an der Vermögensanlage beteiligen. Das Portfolio ist über eine Vielzahl von Lebensversicherungen verschiedener Laufzeiten gestreut.

Als rungen in Deutschland und Österreich. Dabei kann der potentielle Verkäufer einer Police mit nur einer Anfrage bei LifeFinance nahezu alle Aufkäufer am Markt ansprechen. Die Prüfung und Erfassung sowie das Durchhandeln der Police erfolgt weitestgehend automatisiert. Hier akzeptiert LifeFinance ausschließlich institutionelle Investoren, für die LifeFinance auch die Verwaltung der Portfolien übernimmt. Entscheidend für das Unternehmen ist das Geschäftsmodell, die Kapitalausstattung und die Erfahrung, die die Investoren mitbringen. Auf der anderen Seite, nämlich der Kundenseite, ist der Verkauf sehr bequem und einfach. „Wir möchten den Verkauf für den Kunden einfacher und transparenter machen und ihm so die Scheu davor nehmen, anstelle der renditeverzehrenden Stornierung der Police den Verkauf im Zweitmarkt zu prüfen. Auch die Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH will an dem erwarteten Zuwachs kräftig partizipieren. Das 2004 gegründete Unternehmen strebt nach eigenen Angaben für 2006 einen Umsatz mit deutschen Lebensversicherungspolicen von 250 Millionen Euro an. Das entspräche einem Marktanteil von 35 Prozent. „Wir begrüßen die Verbraucherschutzverbesserungen hinsichtlich der Rückkaufswerte“, meint denn auch Policen Direkt Geschäftsführer Sebastian Siebert folgerichtig.

Im vergangenen Jahr hat Policen Direkt einen Bestand von über 100 Millionen Euro aufgebaut und bezeichnet sich selbst als das am stärksten wachsende Unternehmen auf dem Zweitmarkt für deutsche Lebensversicherungspolicen. Das Frankfurter Unternehmen kauft, verkauft und verwaltet Kapitalversicherungen für institutionelle Investoren wie die WestLB AG. Diese ist mit 39 Prozent an der Londoner EPEX (European Polica Exchange Ltd.) beteiligt, zu der wiede- Partner für die Policenbeschaffung und deren Verwaltung konnte die European Policy Exchange Limited sowie deren Tochtergesellschaft Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH gewonnen werden. Ähnlich wie bei cash.life und MPC bzw. König & Cie. schließt sich hier also wieder der Kreis.

Neue Zugangswege erschließen. Bereits seit Anfang 2004 bietet Life- Finance verkaufswilligen Versicherten eine Alternative über das Internet. „Wir entwickeln für den Kunden nach den Kriterien Preis, Zeit und Abwicklung eine optimale Gestaltung für den Verkauf der Police. Damit schaffen wir für alle Beteiligten erkennbaren Mehrwert“, meint Ulf Spielmann, Geschäftsführender Gesellschafter von Life- Finance. Bei LifeFinance handelt es sich um die größte unabhängige Plattform für die Akquisition, Bewertung und Platzierungsvermittlung bestehender Kapitallebens- und Rentenversiche- In der Regel hat dies große Vorteile“, meint Spielmann. Durch dieses Konzept bietet LifeFinance das breitestmögliche Spektrum an ankaufsfähigen Policen hinsichtlich akzeptiertem Rückkaufswert, Restlaufzeit und Versicherungsgesellschaft. Das Motto beschreibt Spielmann so: „Eine Police, die bei uns nicht platziert werden kann, ist nicht veräußerbar.“ Derzeit kooperiert LifeFinance mit der Münchner Beltana AG, die im Rahmen ihres GarantieInvestFonds I unter anderem in gebrauchte deutsche Lebensversicherungen investiert. „Das Fondskonzept sieht dabei vor, die Investitionen durch Fremdkapital zu „hebeln". Hierdurch liegt das Renditeziel aufgrund der historischen Renditen und des Leverageeffekts zwischen 8,5 und 14,5 Prozent pro Jahr", meint Dirk Maurer, Vorstandsvorsitzender der Beltana AG.

(Michael Oehme)


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