Plattformen kämpfen um die Pole-Position
Zweitmarkt für geschlossene Fonds
Trotz öffentlichkeitswirksamer Jubelmeldungen ist der Zweitmarkt für geschlossene Fonds noch ein zartes, allerdings entwicklungsfähiges Pflänzchen.
Aber es ist Bewegung in den Zweitmarkt gekommen. „Der Zweitmarkt ist wirklich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht“, konstatiert der Gründer und Gesellschafter der Maritim Invest Frank Moysich, der wesentlich dazu beigetragen hat. Maritim Invest ist Marktführer bei Zweitmarktfonds. Mit der Lloyd-Fonds-Tochter Trade On und mit cash.life AG, die den Zweitmarkt für Lebens- versicherungspolicen in Deutschland ins Leben gerufen hat, haben im September zwei weitere Akteure die Bühne betreten. Gleichzeitig kündigt Nordcapital seinen dritten Zweitmarktfonds für Schiffe an. Und der Marktführer feiert sich selbst: „Maritim Invest XIV setzt Zeichen mit 100 Mio.-Euro-Fonds.“ Es ist in der Tat der bislang größte Zweitmarktfonds. Und wenn es um Rekorde geht, braucht die Hamburger Fondsbörse nicht hinten anzustehen: Mitte Juni konnten die Hanseaten für den bisherigen Jahresverlauf einen Umsatz von 100,73 Mio. Euro vermelden. „Bereits nach weniger als sechs Monaten wurde das Jahresziel für 2007 übertroffen“, meint Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG, und fügt stolz hinzu: „Es das beste Ergebnis unserer 7-jährigen Geschäftstätigkeit.“
Bei solcher Euphorie ist es notwendig, ein wenig auf die Bremse zu treten. 100 Millionen – das entspricht dem Eigenkapitalvolumen eines sehr veritablen Schiffsfonds und eines zugegebenermaßen nicht gerade kleinen geschlossenen Immobilienfonds. Rund 400 Mio. Euro (ohne Dunkelziffer von 200 Mio. Euro) betrug nach Recherchen von Stefan Loipfinger im letzten Jahr der Umsatz an allen Zweitmärkten. In diesem Jahr könnten es 500 oder 600 Mio Euro werden, aber im Vergleich zu den 12 Mrd. Euro Eigenkapital, die jährlich in neu aufgelegte Fonds gehen, sind das „Peanuts“. Und erst recht, wenn man davon ausgeht, dass mindestens 100 Mrd. Euro in geschlossenen Fonds investiert sind. Und dass es immer mehr Newcomer an den Zweitmarkt zieht, ist eben gerade ein Beleg dafür, dass er sich noch nicht etabliert hat. Es handelt sich immer noch um einen sehr ineffizienten Markt. Daher hoffen die neuen Marktteilnehmer, sich einen Teil des lukrativen Kuchens sichern zu können.
Gleichwohl: Es tut sich was am Zweitmarkt und das ist gut für Anleger, die sich vorzeitig von ihren Anteilen an geschlossenen Fonds trennen wollen. Denn trotz des Medienrummels, den die Zweitmarktakteure entfachen, ist die Existenz eines Zweitmarkts noch nicht allgemein bekannt: „41 % der Anleger wissen bisher nicht, dass sie ihren Anteil an einem geschlossenen Fonds mit Mehrwert am Zweitmarkt verkaufen können“, meint Dr. Stefan Kleine-Depenbrock, Vorstandsvorsitzender des neuen Marktteilnehmers cash.life AG.
Viele versuchen von dem Hype um den Zweitmarkt zu profitieren. Auch das ist gut, solange sich kein einheitlicher Markt etabliert hat, der die Liquidität bündeln und marktgerechte Preise garantieren kann. Die Konkurrenz belebt das Geschäft, das gilt insbesondere für die Aufkäufer, die für eigene (Zweitmarktfonds) oder fremde Rechnung tätig sind. Je mehr Aufkäufer nach Anteilen suchen, umso höhere Preise kann der Anleger erwarten. Anleger, die aussteigen wollen, haben viele Möglichkeiten, ihre Anteile anzubieten. In Frage kommen:
1. Firmenübergreifende Plattformen:
Fondsbörse Deutschland, Deutsche Zweitmarkt AG, Deutsche Sekundärmarkt GmbH, Zweitmarkt plus AG und die Internetplattform Onvista.
2. Aufkäufer:
Meridian 10 (efonds24), Tivoli Investments, cash.life AG, Madison Real Estate – die alle für Kapitalanleger einkaufen. Oder die Anbieter von Zweitmarktfonds wie HTB, Maritim Invest, Nordcapital, Ökorenta. Diese kaufen direkt an, bedienen sich aber auch der firmenübergreifenden wie firmeninternen Zweitmärkte.
3. Firmeninterne Zweitmärkte:
Z. B. Conti, Norddeutsche Vermögen, Dr. Ebertz & Partner.
Allerdings lässt sich zuweilen keine exakte Trennungslinie zwischen den Aktivitäten ziehen. Die Deutsche Zweitmarkt GmbH ist eine Tochter von Nordcapital, die auch Zweitmarktfonds auflegt. Zweitmarktfondsanbieter HTB ist zusammen mit der Berliner Börse Aktionär der Zweitmarkt plus AG. Einer der beiden Hauptaktionäre der Deutsche Zweitmarkt AG ist Salomon & Partner, zu deren Beteiligungen auch die Maritim Invest, Marktführer bei Zweitmarktfonds, gehört. Und Meridian 10 ist Teil der Gruppe efonds24. Das wird vielfach kritisiert, und es entspricht gewiss nicht den Vorstellungen eines idealen Markts.
Wie und ob es sich auf die Preisbildung auswirkt, ist nicht zu ermitteln. Grundsätzlich ist keine Aussage darüber zu treffen, wo die besten Preise zu erzielen sind. Daher sollte der verkaufswillige Anleger oder sein Vermittler möglichst alle möglichen Absatzkanäle nutzen. Auch wenn die meiste Liquidität sich derzeit auf die Hamburger Fondsbörse vereinigt, ist es durchaus möglich, in Einzelfällen auf anderen Plattformen einen höheren Preis zu erzielen. Auf den firmeninternen Zweitmärkten tummeln sich als Interessenten vor allem Anleger, die in Fonds des Initiators schon engagiert und mit der Performance zufrieden sind. Es kann daher passieren, dass es hier höhere Gebote gibt. In jedem Fall sollte aber vorher bei den Zweitmarktfonds ein Preisgebot eingeholt werden, um ein Gefühl für das Preisniveau zu bekommen. Und die historischen Preise auf den anderen Plattformen sollten verglichen werden. Einen kompletten Überblick gibt das „Kursbuch I/2007“, das die Deutsche Zweitmarkt AG vorgelegt hat. „Der Interessent findet hier die Daten von über 5.000 zwischen April 2002 und 2007 abgewickelten Transaktionen von mehr als 660 verschiedenen Schiffsfonds“, erläutert Nikolas Dierkes, Vorstand Deutsche Zweitmarkt AG.
(DR. LEO FISCHER)







