Investments in Anleihen – Fluch oder Segen?

13.11.2023

Kolumne von Thomas Gundermann, Berater der Taunus Investments GmbH - Foto: © Taunus Investment GmbH

Sind Sie bereits in Anleihen investiert oder haben Ihre Geldanlage mittels Anleihen diversifiziert? Wundern Sie sich nicht auch, warum Sie bis dato noch nicht von den gestiegenen Zinsen profitiert haben? Wie passt es zusammen, dass deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit bereits zu Jahresbeginn 2023 eine Rendite von ca. 2,5 % pro Jahr aufgewiesen haben, davon jedoch bei Ihnen im Depot gefühlt nichts angekommen ist? Sollten Sie deshalb jetzt einfach alle Anleihen veräußern und ausschließlich auf Aktien setzen?

Lange Zeit war mit Anleihen sehr guter Bonitäten kein Geld zu verdienen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe mit Fälligkeit 15.08.2031 notierte Ende 2021 beispielweise bei -0,2 % p.a. Das bedeutet, dass man bis zur Endfälligkeit jährlich 0,2 % verloren hätte und folglich für die Geldanlage sogar was bezahlen musste. Wer zu diesem Zeitpunkt die Anleihe gekauft hat, musste im Jahr 2022 einen Kursverlust von -20,5 % in seinem Depot hinnehmen. Im Gegenzug ist die jährliche Rendite von -0,20% auf +2,5 % p.a. gestiegen, wovon jedoch nur neue Investments in diese Anleihe profitierten. Im Jahr 2023 kam es zwar bis Ende Oktober zu keinen weiteren Kursverlusten, jedoch hat sich auch die positive Renditeerwartung von Ende 2022 nicht materialisieren können, da die Anleihe nur leicht über dem Jahresschlusskurs von 2022 notierte.

Die kontinuierlich gestiegenen Zinsen und damit gleichzeitig einhergehenden fallenden Anleihekurse haben bis dato die Renditeerwartungen der Vergangenheit weitestgehend zu Nichte gemacht. Das ist auch der Grund dafür, dass Anlageportfolien mit größeren Anleihebeständen in der Wertentwicklung gelitten haben. So hat beispielweise der deutsche Aktienindex (DAX) im Jahr 2022 „nur“ -12,4 % an Wert verloren. Wäre man folglich 50 % im DAX und 50 % in der oben beschriebenen deutschen Staatsanleihe investiert gewesen, hätte man auf sein Depot einen Jahresverlust von insgesamt -16,4 % verzeichnen müssen, was auf die überdurchschnittlich schlechte Entwicklung der Anleihe zurückzuführen ist. Im Jahr 2023 hätte das gleiche Portfolio nur +2,8 % erzielt, obwohl der DAX +5,5 % zugelegt hat.

Sollte man folglich von Anleihen lieber die Finger lassen und seine Bestände jetzt abstoßen? Dazu würden wir nicht raten, da der Zinsanstieg zu einem Ende gekommen zu sein scheint und man heute für relativ sichere deutsche Staatsanleihen +2,7 % jährliche Rendite erzielen kann. Geht man etwas höhere Risiken ein und investiert beispielsweise in Unternehmensanleihen guter Bonität, sind auch jährliche Renditen um die +4 % erzielbar. Der Vorteil von Anleihen im Vergleich zu einer Tages- oder Festgeldanlage besteht darin, dass man sich mit Anleihen einen längeren Anlagezeitraum sichern kann und somit das Wiederanlagerisiko zu einem gegebenenfalls geringeren Zins beim Auslaufen des Festgeldes vermeidet. Darüber hinaus sind Anlagen in Anleihen liquide und müssen nicht bis zum Laufzeitende gehalten werden. Man kann folglich einen Kursgewinn aufgrund sinkender Zinsen vorzeitig mitnehmen, um dann das Geld in andere Anlageklassen, wie beispielsweise Aktien, zu investieren.

Unser Fazit: Anleihen waren zwar in der Vergangenheit eher Fluch als Segen, stellen aber aktuell aufgrund der attraktiven Renditen einen guten Portfoliobaustein dar. Darüber hinaus wirken Anleihen prinzipiell risikoreduzierend, da es historisch nur wenige Jahre gab in denen Aktien- als auch Anleihekurse gefallen sind. Folglich lässt sich mit ihrer Beimischung eine der Risikoneigung des Anlegers entsprechende Portfoliostruktur konstruieren. Investments in liquide Anleihen lassen sich jederzeit an sich ändernde persönliche Umstände oder externe Marktsituationen anpassen und sollten folglich in der Vermögensverwaltung abgestimmt auf die Anlageziele und den Anlagehorizont des Anlegers berücksichtigt werden.

Kolumne von Thomas Gundermann, Berater der Taunus Investments GmbH in Bad Homburg