Ist das endlich der Durchbruch?

17.08.2021

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Jahrzehntelang machten bKV-Policen den Anbietern wenig Freude, doch plötzlich verführt dieses Geschäft sie buchstäblich zu Luftsprüngen. Neuester Hit sind Pflegebausteine. Doch hier könnte der Staat deutlich mehr tun, wieder werden in Berlin Chancen verschlafen. Doch im Nachhinein hat auch der Vertrieb keine gute Figur abgegeben.

Eigentlich war die betriebliche Krankenversicherung von jeher ein Königsklassen-Produkt – doch das Publikum wollte es nie so richtig wahrhaben. Obwohl die bKV gegenüber vielen der üblichen Versicherungsarten klar im Vorteil ist, fristete sie über lange Zeit ein Schattendasein. Ob dies an der Furcht der Arbeitgeber vor administrativer Belastung lag, ob am Zögern und Zaudern der möglichen Kunden oder schlichtweg am Provisionssystem bei erforderlichem Beratungsaufwand – die Frage konnte bis jetzt niemand schlüssig beantworten. Und sie ist jetzt auch nicht mehr so interessant, denn quasi über Nacht ist das Modell zum absoluten Renner für Versicherer und Vertrieb geworden. Alexandra Markovic-Sobau, Leitern Vertrieb bei der Halleschen, hat dafür eine Erklärung: „Die Innovation der Budgettarife trägt maßgeblich zum großen Durchbruch der bKV bei. Ein Budgettarif ist eine Versicherung, die sich nicht als solche anfühlt. Im Gespräch mit Arbeitgebern haben wir realisiert, dass die klassischen bKV-Tarife häufig zu sperrig sind und es dem Arbeitgeber schwerfällt, die Auswahl für die Mitarbeiter zu treffen.“ Deshalb habe man ein Angebot entwickelt, bei dem der Arbeitgeber allein über die Höhe des Budgets entscheide und jeder Mitarbeiter selbst auswähle, wofür er es ausgeben möchte. Das Spektrum reiche vom Heilpraktiker bis zum Zahnarzt, von Arznei- und Verbandsmitteln bis zu Brille und Hörgerät. Mit den Budgettarifen habe man den Arbeitgeber von seinem Dilemma befreit. Markovic-Sobau: „Ein weiterer Faktor ist sicherlich, dass die bKV seit 2019 wieder als Sachlohn gilt. Eine betriebliche Krankenversicherung, Budgettarife eingeschlossen, ist demnach bis 44 Euro steuerfrei.“ 2022 erhöhe sich die monatliche Freigrenze auf 50 Euro. Zusätzlich nehme man einen Corona-Schub wahr. Mit der Pandemie sei das Bewusstsein der Arbeitgeber für Gesundheit und Belegschaft gestiegen.

Gegenseitige Beeinflussung

Nina Henschel, Vorstandsmitglied der R+V Krankenversicherung AG, stimmt dem zu. Die bKV komme an, „da Gesundheit nicht nur in Zeiten von Corona für 80 % der Deutschen das Wichtigste im Leben ist.“ Das habe eine Statista-Umfrage schon 2018 ergeben. Viele Arbeitgeber hätten diesen Trend aufgenommen und nutzten die Vorteile der bKV zur Bindung und Rekrutierung von Fachkräften. Die bKV habe auch deswegen immenses Wachstumspotenzial. Tatsächlich ist sie von 2019 auf 2020 um weitere 29 % gewachsen, Tendenz steigend. Oliver Schwab, Leiter des Firmenvertriebs der Süddeutschen Krankenversicherung a. G., nennt auch den Vertrieb als Umsatzförderer: „Das hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig beeinflussen. Einerseits ist festzustellen, dass der Vermittlermarkt sich inzwischen deutlich stärker des Themas annimmt, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war.“ Bedingt werde dies zum einen durch die guten Vertriebspotenziale. Insbesondere durch den neuen Trend der Budgettarife, die die bKV transparenter und somit auch einfacher vermittelbar machten. Die Ansprache werde somit leichter, da die Komplexität reduziert werde. Ein weiterer Aspekt, weshalb die bKV sich so positiv entwickele, sei es, dass die Unternehmen immer mehr erkennen würden, wie wichtig es sei, sich um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu kümmern. Corona habe diese Entwicklung beschleunigt. Doch die demografische Entwicklung sei auch in den Köpfen der Arbeitgeber angekommen. Denn auch die Belegschaften würden altern, die Menschen stünden länger im Berufsleben.

Warum die bKV immer mehr an Bedeutung gewinnt, lesen Sie auf Seite 2