bAV: Jedes fünfte Unternehmen will Kosten und Rendite optimieren

19.10.2023

Hanne Borst, Leiterin des Geschäftsbereich Retirement bei WTW. Foto: © WTW

Unternehmen planen, ihre Pensionspläne zu optimieren und die finanzielle Bildung ihrer Mitarbeitenden zu stärken. Dies zeigt eine Umfrage auf der jährlichen bAV-Konferenz des Beratungsunternehmens WTW, an der mehr als 200 Personen teilgenommen haben. Befragt wurden vor allem bAV-, HR- und Finanzverantwortliche aus mittleren und großen Unternehmen. Rund ein Fünftel der Teilnehmer hat vor, die betriebliche Altersversorgung im Hinblick auf Kosten und Rendite zu verbessern.

Pensionspläne auf dem Prüfstand

„Ein Fünftel will die Pensionspläne im Hinblick auf Kosten und Rendite optimieren – dies dürfte sowohl dem Wert der Altersversorgung für die Mitarbeitenden als auch der Planbarkeit der bAV für die Unternehmen selbst zugutekommen“, sagt Hanne Borst, Leiterin des Geschäftsbereich Retirement bei WTW. Etwa jedes achte Unternehmen will die vorhandenen Pensionspläne und bAV-Instrumente unverändert weiter nutzen. „In den letzten Jahren haben zahlreiche Unternehmen ihre bAV risikofester aufgestellt und ihre ‚Hausaufgaben‘ bereits erledigt, so dass hier aktuell kein weiterer Optimierungsbedarf besteht“, so Borst. WTW berät mehr als 3.500 Unternehmen in Deutschland, vom Familienunternehmen über den Mittelstand bis zu weltweit agierenden Konzernen, in Fragen der betrieblichen Altersversorgung.

Verlässliche Rahmenbedingen von der Politik gefordert

Von der Politik erwarten die Unternehmen weiterhin, dass sie verlässliche Rahmenbedingungen schafft und eine übermäßige Komplexität in den Vorschriften für die bAV abbaut. Ein Fünftel der Unternehmen will sich dafür einsetzen. Borst bemerkt: „Die betriebliche Altersversorgung ist ein wesentlicher Baustein in der sozialen Sicherung. Unternehmen nutzen ihre Marktmacht und Skaleneffekte, um für ihre Mitarbeitenden leistungsfähige betriebliche Altersvorsorgesysteme aufzubauen und zu unterhalten. Gerade mit Blick auf die demografische Situation in Deutschland sollte es ihnen daher erleichtert und nicht verkompliziert werden, diese fortzuführen oder weiter auszubauen“, betont die bAV-Expertin.

Unternehmen wollen Mitarbeiter stärker unterstützen

Rund die Hälfte der Unternehmen planen, ihren Mitarbeitenden künftig im Hinblick auf deren finanzielle Bildung stärker zu unterstützen und sie insbesondere intensiver über ihre betriebliche Altersversorgung (bAV) zu informieren.

„Während Kriege und Naturkatastrophen die Nachrichten beherrschen und ein Drittel der Mitarbeitenden keine finanziellen Rücklagen für das Alter aufbauen können, entsteht große Verunsicherung. Daher ist es sehr sinnvoll und hilfreich, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitenden nicht nur eine betriebliche Altersversorgung anbieten, sondern sie auch genau darüber informieren, welche Zusatzversorgung sie im Ruhestand erwartet“, sagt auch Hanne Borst. „Unternehmen kommen damit nicht nur ihrer Fürsorgepflicht nach. Sie investieren auch in die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden, denn Menschen, die von Finanzsorgen geplagt werden, haben den Kopf nicht frei für die Arbeit“, so Borst.

Kritik an Fokusgruppe private Altersvorsorge

Mit Blick auf die Ergebnisse der Fokusgruppe private Altersvorsorge sagt Borst: „In der politischen Debatte werden derzeit viele Vorsorge-Optionen diskutiert, die zwar anders, aber nicht unbedingt besser als die bereits etablierten Vorsorgeformen sind. So wird etwa die Notwendigkeit von lebenslangen Renten in Frage gestellt – die Bedeutung einer lebenslangen Leistung insbesondere für Geringverdiener sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Menschen brauchen eine verlässliche Finanzierung für ihren gesamten Lebensabend und nicht nur für die ersten Jahre nach Rentenbeginn.“ (mho)

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