"Meine Kunden arbeiten direkt mit mir"
21.10.2026

Florian Bamberg - Foto: Copyright Florian Bamberg
Journalismus und PR. Kein ganz einfaches Verhältnis. Manchmal verschwimmen die Grenzen. Wie positioniert man Themen bei Journalisten? Gibt es ein "Erfolgsrezept"? Welche Rolle spielt KI? Florian Bamberg als selbstständiger PR-Berater stand der Redaktion für ein kurzes Interview zur Verfügung.
finanzwelt: Nach Stationen im Journalismus und PR, sind Sie 2026 den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen. Was war der auslösende Moment?
Florian Bamberg: Mir ist aufgefallen, dass es am Markt eine Lücke gibt: Viele Unternehmen wollen einfach nur mit ihren Kernthemen in die Presse. Wenn sie aber mit diesem Wunsch zu großen Agenturen und Beratungen gehen, wird versucht, ihnen ein viel größeres, komplexeres Mandat zu verkaufen. Oder sie werden als Kunden erst gar nicht akzeptiert, weil das Volumen zu klein ist. Ich fand es reizvoll, als Selbstständiger genau diesen offenen Wunsch nach durchdachter, operativ starker und effizienter Medienarbeit zu bedienen.
finanzwelt: Gerade in der PR treten viele Wettbewerber auf den Plan. Wie punktet man und setzt sich gegen die großen Kontrahenten durch?
Bamberg: Ich war zwölf Jahre Wirtschaftsjournalist bei Dow Jones, dem FAZ-Verlag und der dpa-Gruppe, und habe die Medienarbeit von Nestlé in Deutschland verantwortet. Ich weiß, wie Redaktionen entscheiden und was im Unternehmen passieren muss, damit eine Geschichte überhaupt entsteht. Meine Kunden arbeiten direkt mit mir, ohne Junior-Ebene dazwischen. Große Agenturen leben von komplexen Mandaten. Wer fokussiert in die richtigen Medien will, ist bei mir besser aufgehoben.
finanzwelt: Ich stelle fest, dass besonders im laufenden Jahr der Druck seitens der Unternehmen auf die PR-Verantwortlichen groß ist, eine Geschichte zu platzieren. Irre ich?
Bamberg: In wirtschaftlich schweren Zeiten wollen Unternehmen Ergebnisse sehen - auch beim Thema PR. Die erzielt man aber nicht mit der Brechstange. Sondern indem man erstens die richtigen Themen im Unternehmen findet. Zweitens die Redaktionen gut genug versteht, um zu wissen, was wann für wen interessant ist. Und drittens die Inhalte so aufbereitet, dass die Redaktionen etwas mit ihnen anfangen können.
finanzwelt: Kein Interview ohne Verweis auf die KI. Ersetzt sie künftig den Menschen oder tritt sie hinzu?
Bamberg: Es wird noch lange dauern, bis die KI die Beziehungsebene in der Pressearbeit übernimmt. Und für wirklich gelungene, treffende Formulierungen muss nach wie vor der Mensch schreiben. Darum würde ich zum Beispiel eine Pressemitteilung nicht von der KI formulieren lassen. Auf der anderen Seite: Wer eine 25-seitige Sammlung möglicher Fragen und Antworten ohne KI schreibt, ist schon jetzt ineffizient und letztlich zu teuer. (ah)

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