Planwirtschaft durch die Notenbanken
10.06.2026

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„Dieses Mal wird alles anders“ halte ich noch immer für den teuersten Satz an der Börse. Auch wenn ich deshalb mitunter belächelt werde. Natur und Wirtschaft haben eines gemeinsam: Sie sind ein Kreislauf. Die Pflanzen erleben Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. In der Wirtschaft heißen sie Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung und Rezession. Begleitet wurden sie durch die Notenbanken, die in der Hochkonjunktur mit steigenden Zinsen bremsten und in der Rezession mit fallenden Zinsen die Wirtschaft wieder unterstützten. So wie Flora im Winter Kraft für den Frühling sammelte, sind in der Rezession schwache Firmen Konkurs und die überlebenden Gesellschaften gestärkt in den nächsten Aufschwung gegangen. Der Markt hatte sich bereinigt. Aktuell sind noch viele Zombiefirmen am Markt und spekulative Geschäfte boomen.
Seit der damalige Fed-Chef Bernanke ab 2009 mit seinem „Helicopter-Geld“ die Märkte überflutete, hat sich die „Finanz-Natur“ geändert. Statt die Liquidität im Boom ab 2011 wieder einzusammeln, vermittelte er den Glauben, mit noch mehr Geld/Schulden einen ewigen Aufschwung generieren zu können. Ein Irrglaube, an den sich die Politiker/innen gerne gewöhnen. Sie machten Wahlgeschenke an die Wähler. Aber die Staatsbilanzen werden immer schlechter. Leider weltweit. Wer genau hinschaut merkt: Das Finanzsystem „eiert“.
Derzeit läuft nichts mehr ohne noch höhere Schulden. Klar, Staatsschulden unterstützen die Wirtschaft. Aber immer mehr Schulden kosten auch immer mehr Zinsen. Deshalb müssten die Notenbanken die Zinsen niedrig halten. Aber die Inflation steigt. U.a. weil die Globalisierung nicht mehr funktioniert. Also hoch mit den Zinsen? Aber dann bricht die Wirtschaft ein. Die Immobilienmärkte kollabieren. Die nächste Bankenkrise steht vor der Tür. Außerdem würden höhere Zinsen bei weiterwachsenden Staatsschulden einen immer größeren Teil der Steuereinnahmen „fressen“. Dann steht immer weniger Geld für die Wirtschaft zur Verfügung. Sie wird noch schwächer. Sie ist halt ein Kreislauf.
Je schlechter es der Wirtschaft geht, desto schlechter geht es den Menschen. Und jetzt gehen die Steuereinnahmen zurück. Der Staat wird die Schuldenaufnahme erhöhen, denn wenn der Sozialhaushalt nicht mehr finanziert wird, verlieren die Regierungen ihre Wähler. Und damit müssten die meisten Abgeordneten ihren „goldenen Käfig“ verlassen (Wer verdient in der Wirtschaft schon mindestens € 11.833,47?). Also werden Schulden weiter aufgenommen. Aber wer wird die Schulden kaufen? Die Anleger? Anfangs ja. Aber irgendwann werden sie streiken und die Notenbanken müssen die Staatsanleihen kaufen. Dann läuten die Alarmglocken.
Die Politik sucht verzweifelt nach Einnahmen. Eine „Lösung“ ist schon in der Diskussion. Die digitale Währung und Abschaffung von Bargeld. Denn Bargeld kann eine Art Freiheit für den Bürger sein. Sie erinnern sich? Als 2021 die Banken einen „Strafzins“ für Kontoguthaben verlangten, hoben viele Kunden ihr Geld einfach ab. Wenn es aber gar kein Bargeld mehr gäbe? Der Kauf von physischem Gold und Silber wäre verboten? Alle Kapitalanlagen wären digital erfasst? Politische Alternativen fehlen. Die Revolution nimmt ihren Kreis-) Lauf,
Alles Verschwörungstheorie? Hoffentlich! Aber es ist sooo viel logisch, dass man schon wieder Bedenken haben könnte. Das Wichtigste, was das Finanzsystem braucht, ist Vertrauen. Wehe, wenn das Vertrauen verloren geht. Und, ist die Weltpolitik Vertrauen erweckend?
Ich habe ein paar Zahlen und Statistiken aufgetan, über die kaum eine Presse berichtet. Man liest über vegetarische Rezepte, und dass Neuer mit zur WM fährt. Sind wir schon wieder bei Brot und Spiele. Die folgenden Werte sind nicht von mir recherchiert oder berechnet. Sie sind als Tatsachen im Internet veröffentlicht.
Kreditkäufe Wertpapiere. Über eine 1 Billion, nahe dem All-time-high
In schnell fallenden Märkten ist ein geordneter Verkauf kaum möglich. Viele warten mit Verkäufen auf eine Erholung. Aber sie kommt nicht. Bis der Anleger entnervt verkauft oder die Depotbank glattstellt. Das Eigenkapitel ist kräftig geschmolzen oder total verloren.
Kleinanleger: In der Addition mittlerweile über 1 Billion
Es sind oft junge Anleger, die glauben, mit Spekulationen aus wenig Geld ein Vermögen machen zu können. Sie reagieren aus Angst oder Gier. Eine Baisse (letzter Abschwung bis 2009) kennen sie nicht. Meist haben diese Anleger in wenigen Tage eines Crashs ihre Gewinne und ihr kleines Vermögen wieder verloren.
Derivate: Gegenwert über 100 Billionen (Wert aller Aktien: 127 Bill.)
Das „Allheilmittel“ der Profis. Fast jede Aktie ist mit einem Derivat hinterlegt. Oft sind Finanzprodukte damit abgesichert und als Absicherungsgeschäft dargestellt. Klappt auch in positiven Märkten. Bei Crashs werden Glattstellungen den Trend verstärken. Je länger der Abwärtstrend dauert, wächst die Gefahr, dass selbst die Teilnehmer, die auf den „richtigen“ Trend gesetzt hatten, hohe Verluste einfahren, weil ihre Kontrahenten pleite gegangen sind. Im Extremfall erleiden sie dann sogar das gleiche Schicksal.
Zombiebanken: 9,4% des EuroStoxx 500
Sind Gesellschaften, die ihren Kreditzins nicht mehr verdienen.
Warren-Buffett-Index: 219%, All-time-high
Marktwert aller US-Aktien geteilt durch das US.BIP. Beim letzten Crash 2006 stand er bei 140%.
Tobin-Ratio 2,07%, All-time-high
US-Marktwert geteilt durch Buchwert.
Die beiden letzten Indikatoren beweisen, dass der US-Markt sehr teuer ist, Ein Blick in die Vergangenheit tut Not. Und man erblasst. Es ist mir klar geworden, dass es auch dieses Mal nicht anders läuft, Es dauert nur länger. Dafür geht der Abschwung schneller und tiefer. Der Anleger sollte auf alles vorbereitet sein.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

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