Vermieterreport 2026: Politik sorgt für Unsicherheit

01.06.2026

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Private Vermieter bleiben das Rückgrat des Mietwohnungsmarktes: Sie stellen fast zwei Drittel der Mietwohnungen in Deutschland. Dabei denken sie langfristig – und halten die Mieten oft stabil. Gleichzeitig sehen sich Vermieter mit zunehmenden politischen Vorgaben und energetischen Anforderungen konfrontiert, während zentrale Rahmenbedingungen jedoch häufig unklar bleiben. Die Unzufriedenheit mit der Wohnungspolitik bleibt daher hoch. Dies sind die Kernergebnisse des Deutschland.Immobilien Vermieterreports 2026. „Dass die Mehrheit der privaten Vermieter trotz dieser Unsicherheiten mit ihrer Tätigkeit zufrieden ist, ist ein starkes Signal – und zeigt ein bemerkenswertes Verantwortungsbewusstsein“, sagt Marc-Philipp Unger, Vorstandsvorsitzender der DI Deutschland.Immobilien AG.

Aus der Befragung geht auch hervor: Private Vermieter bieten überproportional oft Wohnungen in guten Lagen und mit zeitgemäßem Standard. Dieses vielfältige Angebot ergänzt das Portfolio klassischer Wohnungsunternehmen und liefert eine mögliche Erklärung, warum das Mieten in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin eine attraktive und breit akzeptierte Wohnform ist. Zugleich verlangen private Vermieter dringend nach verlässlicheren Rahmenbedingungen.

Nur wenige private Vermieter sind professionell aufgestellt – das Bild, das die Öffentlichkeit von der Gruppe hat, ist also möglicherweise verzerrt. Die meisten agieren nicht aus kurzfristigen Preisimpulsen heraus, sondern langfristig: 60 Prozent sind seit mindestens zehn Jahren am Mietmarkt aktiv. Zudem bleiben die Bestände kleinteilig: 58 Prozent vermieten lediglich eine Wohnung, weitere 19 Prozent zwei. Für viele ist Vermietung damit nur ein Zusatzverdienst; bei über der Hälfte macht das Mieteinkommen nur einen geringen oder vernachlässigbaren Anteil am Gesamteinkommen aus. 43 Prozent verzichten bei Neuverträgen gänzlich auf Mietsteigerungen, 55 Prozent erhöhen moderat. Auch viele Bestandsmieten bleiben über Jahre hinweg unverändert: 51 Prozent nahmen im vergangenen Jahr keine Erhöhung vor. Wer den Preis anpasste, tat dies in den meisten Fällen aufgrund gestiegener Betriebskosten.

Der Gebäudesektor ist ein Schlüssel für das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045: Er verursacht rund ein Drittel der Kohlendioxid-Emissionen. In den vergangenen Jahren hat bereits etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) in energetische Maßnahmen investiert – vor allem in eine neue Heizung (34 Prozent), neue Fenster (25 Prozent) und Dämmung (18 Prozent). Treiber waren vor allem langfristige Energieeinsparungen (53 Prozent) und mehr Zufriedenheit bei den Mietern (41 Prozent). Wer verzichtete, nannte meist fehlende Dringlichkeit (64 Prozent), fehlende Nachfrage seitens der Mieter (21 Prozent) oder den Kostenaufwand (17 Prozent). 2026 kommt die Modernisierung dennoch kaum voran: 59 Prozent planen derzeit keine weiteren Maßnahmen – deutlich mehr als in der Befragung aus dem letzten Jahr (48 Prozent).

„Viele private Vermieter sind bereit, ihren Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten – doch die Rahmenbedingungen müssen verlässlich und nachvollziehbar sein. Ohne klare Orientierung, realistische Anforderungen und praktikable Förderstrukturen wird die Transformation des Gebäudebestands nicht gelingen“, warnt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Private Vermieter bieten vor allem Etagenwohnungen in Mehrfamilienhäusern an (66 Prozent). 62 Prozent ihrer Wohnungen liegen in guten oder sehr guten Lagen – also dort, wo die Nachfrage besonders hoch ist. Der Bestand stammt überwiegend aus den Bauperioden 1949 bis 1978 sowie 1979 bis 1994 und bildet damit einen wichtigen Teil des gewachsenen Wohnungsangebots ab. In einem überwiegenden Teil der Fälle besteht zwischen Mieter und Vermieter ein unbefristeter Vertrag ohne automatische Mietanpassung (77 Prozent). Möblierte Vermietung (29 Prozent) und die Vermietung an Wohngemeinschaften (9 Prozent) spielen eher eine Nebenrolle.

Trotz der Herausforderungen bewertet die Mehrheit ihre Vermietungstätigkeit positiv: 70 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden (Barometer: +30). Die Wohnungspolitik sehen viele dagegen kritisch. Das politische Barometer liegt bei –8 Punkten – ein Hinweis darauf, dass die Rahmenbedingungen als wenig verlässlich und kaum planbar gelten.

Wo sehen Vermieter den größten Nachholbedarf? Am häufigsten nennen sie fehlende Maßnahmen für Haushalte mit mittleren Einkommen (55 Prozent). Diese Gruppe findet zunehmend schwer bezahlbaren Wohnraum – und profitiert zugleich kaum von staatlicher Unterstützung. Gut die Hälfte wünscht sich zudem ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Mieter- und Vermieterinteressen (53 Prozent). Auch altersgerechte und nachhaltige Wohnangebote werden aus Sicht vieler Befragter zu wenig priorisiert. „Diese Einschätzungen zeigen: Zentrale Bedarfe werden bislang nicht ausreichend adressiert. Es braucht spürbares politisches Umsteuern, um die Stabilität des Mietmarkts zu sichern und Investitionen zu ermöglichen“, ergänzt Voigtländer. (mho)