Wir werden die Veränderung für uns nutzen

21.10.2026

Martin Gräfer / Foto: © die Bayerische

Mehr Kapitalmarkt, neue Produkte, neue Förderlogik: Ab 2027 verändert sich die private Altersvorsorge grundlegend. Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen, erklärt im Interview, warum ein günstiges Depot allein noch keine Altersvorsorge ist, wie sich die Bayerische für 2027 positioniert und weshalb er die neuen Spielregeln als Chance begreift.

finanzwelt: Herr Gräfer, zum 01. Januar 2027 tritt die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge in Kraft. Welche Chancen und Risiken sehen Sie hier für die Branche?

Martin Gräfer: Ich begrüße die Bewegung, die durch die Reform in den Markt gekommen ist. Sie wird dafür sorgen, dass mehr Menschen über Vermögensaufbau nachdenken. Ob sie dabei auch Altersvorsorge betreiben, wird sich noch zeigen. Denn wir sollten nicht den Fehler machen, Altersvorsorge mit Wertpapierhandel zu verwechseln. Natürlich sind Kosten wichtig und ETFs ein dabei wichtiger Bestandteil. Aber mit 30 billig zu sparen, ist noch keine Antwort darauf, wie ich mit 90 meinen Lebensunterhalt finanziere.

finanzwelt: Wie bereitet sich die Bayerische auf das neue Altersvorsorgedepot vor und mit welchen Produktlösungen wollen Sie 2027 an den Start gehen?

Gräfer: Wir wollen Kapitalmarkt und Versicherung so verbinden, dass daraus echte Altersvorsorge entsteht. Das heißt für uns: möglichst viel Freiheit beim Vermögensaufbau, aber eben auch Antworten auf die Fragen, die ein Depot allein nicht löst. Was passiert kurz vor Rentenbeginn bei einem Börsencrash? Wie entsteht aus dem Vermögen ein planbares Einkommen? Und was passiert, wenn der Kunde 86, 93 oder 100 wird? Spätestens dann zeigt sich, welchen Wert eine lebenslange Rente haben kann.

finanzwelt: Wie unterstützen Sie die Vermittler rund um das Thema Altersvorsorgedepot?

Gräfer: Wir arbeiten mit den besten Vermittlern der Branche. Und das liegt auch daran, dass wir sehr eng mit ihnen im Austausch sind. Zurzeit biete ich auch ganz persönlich zweiwöchentlich einen Info-Call, unseren ‚Early Bird‘ morgens um 8 Uhr, für alle Vermittler an. Dort geben wir Updates zur pAVReform, hören aber auch genau hin: Welche Fragen kommen gerade aus dem Vertrieb? Wo gibt es Unsicherheit? Was fehlt noch? Was wir dort hören, landet nicht in irgendeinem Protokoll, sondern direkt in unseren Weiterbildungsangeboten.

finanzwelt: Die Konzernmutter BY der Bayerischen konnte ihren Jahresüberschuss 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 4,4 Mio. Euro auf 9,2 Mio. Euro steigern. Was waren die Erfolgsfaktoren?

Gräfer: Entscheidend waren aus meiner Sicht drei Dinge: der erfolgreiche Neustart der BY mit einem klaren Fokus auf Biometrie und Einkommensabsicherung, ein deutlich stärkeres, laufendes Geschäft und eine insgesamt weiter gestärkte Ertragsund Kapitalbasis. 2025 war das erste volle Geschäftsjahr, nachdem die BY 2024 nach rund 15 Jahren wieder ins aktive Neugeschäft zurückgekehrt ist. Die laufenden Beiträge sind um knapp 30 % gestiegen, die Beitragssumme im Neugeschäft hat sich nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist der Jahresüberschuss auf 9,2 Mio. Euro gestiegen und die Kapitalbasis hat ein Rekordniveau erreicht. Für uns zeigt das vor allem, der Neustart funktioniert nicht nur über kurzfristiges Volumen. Wir bauen wieder dauerhaftes Geschäft auf und stärken gleichzeitig Ertrag und Substanz der Gesellschaft. Genau das war das Ziel.

finanzwelt: Wie ist Ihr Ausblick auf das Versicherungsjahr 2027, besonders im Hinblick auf den Start des Altersvorsorgedepots?

Gräfer: Ich freue mich auf das nächste Jahr. Die Spielregeln ändern sich, neue Wettbewerber kommen dazu, Vergütungsmodelle verändern sich, Produkte werden vergleichbarer. Das sind große Herausforderungen für die Versicherungsbranche. Und nicht jeder wird damit gut umgehen können. Ich bin aber überzeugt: Wir werden zu denen gehören, die diese Veränderung für sich nutzen. (mho)