Das große Rennen
20.10.2026

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Mit dem Altersvorsorgedepot wird der Markt für die geförderte private Altersvorsorge ab 2027 neu verteilt. Versicherer verlieren ihre bisherige Vormachtstellung und müssen sich gegen die Konkurrenz durch Fondsgesellschaften, Neobroker und digitale Plattformen behaupten. Doch wer macht am Ende das Rennen um die Vorsorge-Milliarden? Und was bedeutet der Umbruch für Makler?
Für Versicherungen sorgt die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland für einen erheblichen Veränderungsdruck. Sie müssen ihre Produktpalette an die neue kapitalmarktorientierte Vorsorgewelt anpassen und sich stärker dem Wettbewerb mit Banken, Fondsgesellschaften und FinTechs stellen. Für Makler wiederum erweitert sich das Beratungsspektrum. Neben Versicherungsprodukten gewinnen Fondsauswahl, Kosten, Risikoprofil und die langfristige Anlagestrategie ihrer Kunden weiter an Bedeutung.
Das neue Modell wurde im Frühjahr 2026 von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, soll am 01. Januar 2027 an den Start gehen und die bisherige Riester-Rente für Neuverträge ablösen. Ziel der Reform ist es, den langfristigen Vermögensaufbau stärker am Kapitalmarkt auszurichten und damit höhere Renditechancen zu eröffnen. Durch den Wegfall der bislang vorgeschriebenen Beitragsgarantie können Vorsorgesparer ihre staatlich geförderten Beiträge stärker in renditeorientierte Anlagen wie Aktien-ETFs und Fonds investieren. Anders als bei klassischen Riester-Produkten muss somit nicht ein großer Teil des Kapitals zur Absicherung der Garantie in vergleichsweise sicherheitsorientierten Anlagen gebunden werden. Das macht das Produkt im Vergleich zum alten Riester-System attraktiver.
Neue Konkurrenz für Versicherer
Für die Versicherungsbranche ist die Reform ein historischer Einschnitt. Sie setzt ihrem bisherigen faktischen Monopol auf die staatlich geförderte Altersvorsorge ein Ende und öffnet den Markt für neue Konkurrenz, allen voran Fondsgesellschaften, FinTechs und Neobroker. So können bald Deka, DWS oder Union Investment staatlich geförderte Aktienfonds-Sparpläne auflegen. Auch Anbieter wie Trade Republic oder Scalable Capital haben bereits angekündigt, eigene Altersvorsorgedepots anzubieten. Sie wollen mit extrem niedrigen Depotgebühren und App-basierten ETF-Sparplänen punkten. Damit verschärft sich der Wettbewerb erheblich. Bereits im Spätsommer zeichnete sich ein intensiver Preiswettbewerb ab. Den ersten Aufschlag machte Scalable Capital Ende August. Der Neobroker kündigte für sein geplantes Standarddepot ETF-Produktkosten von maximal 0,15 % pro Jahr an, im ersten Jahr sollen diese sogar entfallen. Damit liegt der Anbieter weit unter dem gesetzlichen Kostendeckel von 1 %. Zwar handelt es sich bislang lediglich um eine Ankündigung und noch nicht um ein zertifiziertes Produkt. Dennoch setzt Scalable damit frühzeitig eine Kostenmarke, an der sich auch Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften messen lassen müssen.
Anbieter stehen in den Startlöchern
Unterdessen laufen die Vorbereitungen bei Versicherern, Banken und anderen Anbietern auf Hochtouren. Fast alle großen deutschen Versicherungsgesellschaften haben nach dem Gesetzesbeschluss im Frühjahr ein öffentliches Commitment dazu abgegeben, zum Start am 01. Januar 2027 entsprechende Vorsorgeverträge bereitzustellen. Bis in den Herbst hinein gab es jedoch noch keine finalen Produkte, konkrete Konditionen, Produktpapiere oder finale Zulassungen. Schließlich hat der Gesetzgeber erst im Sommer die abschließenden Bedingungen festgelegt. Damit konnten die formellen Zertifizierungen der Angebote durch die Aufsichtsbehörden erst im Herbst anlaufen. Alles in allem bleibt für die Produktanbieter nur ein knappes Zeitfenster bis zum Jahreswechsel für Zertifizierung, technische Implementierung, Vertriebsprozesse und die Schulung der Vermittler.
Versicherer bringen sich digital in Stellung
Während konkrete Produkte vielerorts noch in der Entwicklung sind, hat der Wettbewerb um die künftigen Kunden längst begonnen. Zahlreiche Versicherungen haben auf ihren Webseiten bereits umfangreiche Informationsangebote zum Altersvorsorgedepot eingerichtet. Eine wichtige Rolle spielen dabei digitale Förder- und Vergleichsrechner. Sie sollen Verbrauchern und Vermittlern frühzeitig zeigen, wie sich die neue Förderung auswirkt und ob ein Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag grundsätzlich interessant sein könnte.
Zu den Anbietern mit entsprechenden Angeboten zählen unter anderem Allianz, ERGO, VGH, LVM und AXA. Die Rechner stellen beispielsweise auf Basis von Einkommen, Familienstand und Kinderzahl die mögliche staatliche Förderung dar oder vergleichen das bisherige Riester-System mit den neuen Förderbedingungen. Teilweise greifen die Gesellschaften dabei auf spezialisierte Softwarelösungen externer Anbieter wie des IVFP zurück. Für die Versicherer erfüllen die Tools gleich mehrere Funktionen. Sie informieren über die komplexe Reform, unterstützen den Vertrieb und schaffen bereits Monate vor dem Marktstart konkrete Beratungsanlässe und Kundenkontakte.
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