Award INNERER KOMPASS verliehen

27.05.2026

Preisübergabe durch das VEVK-Präsidium (v.l.n.r. : Vizepräsident Dirk Gemeinhardt, Präsident Jürgen Rohm, Preisträger Prof. Dr. Harald Bolsinger, Vizepräsident Harald Lotze). Foto: © VEVK

Im 14. Jahr seit Bestehen des VEVK (Verein Ehrbarer Versicherungskaufleute e.V.) lud das Präsidium die Mitglieder erneut an den Vereinssitz nach Hamburg ein. Traditionell wird für den Vorabend ein Rahmenprogramm angeboten. In diesen Jahr erhielten die Teilnehmer tiefe Einblicke in die Klassifizierung von Schiffen. Die Gesellschaft DNV machte u.a. deutlich: es braucht auch ehrbare Tugenden, Schiffe zu prüfen und zu bewerten, ebenso, wie sie später zu versichern.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung an der Handelskammer Hamburg war der Mehrwert für die Gäste spürbar. Aus gleich drei Perspektiven wurde das Wirken der ehrbaren Versicherungskaufleute beleuchtet. Den Anfang machte Jochen Spethmann, Vorstandsvorsitzender der VEEK, Versammlung Ehrbarer Kaufleute. VEVK-Präsident Jürgen Rohm sieht in der VEEK durchaus den “Mutterverein”. Über 500 Jahre länger besteht die VEEK als der VEVK, über 1000 Mitglieder bekennen sich zu den Grundwerten Ehrbarer Kaufleute. Damals wie heute gilt für Spethmann zusammenfassend: “Ehrbarkeit ist nicht verhandelbar.”

Elisabeth Stiller beleuchtete das Wirken des Veines aus ihrer Perspektive. Als Leiterin Vertrieb im GDV (Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschat) kann sie sehr gut beurteilen, wo es in dieser Beziehung Parallelen und Schnittlstellen von Vermittlern und Versicherern gibt. Seit 2019 ist sie Mitglied im Beirat des VEVK.

Prof. Dr. Harald Bolsinger wurde in diesen Jahr mit dem VEVK-Award INNERER KOMPASS ausgzeichnet! Für die Auszeichnung mit dem „Inneren Kompass“ war insbesondere Bolsingers langjähriger praxisnaher und ehrenamtlicher Einsatz für das Werteverständnis ehrbarer Kaufleute auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene ausschlaggebend. In seiner anschließenden Keynote mit dem Titel „KI und Mensch: Orientierung behalten!“ verdeutlichte der Wirtschaftsethiker, warum ethisches Prompten und echter menschlicher Kontakt im KI-Zeitalter unabdingbar für die Versicherungsbranche sind.

In seinem Vortrag betonte Prof. Bolsinger, dass generative KI sich zu einer allgegenwärtigen Basistechnologie entwickelt habe. „KI hilft dabei, Komplexität zu beherrschen und Produktivität zu steigern, ist aber kein wirksames Differenzierungsmerkmal!“ Wahre Differenzierung erfolge auch in Zukunft über Kernkompetenzen und über das tiefe Vertrauen in Menschen mit verlässlichem Wertegerüst. Bolsinger warnt eindringlich: „KI ist nie neutral! Antworten spiegeln immer die herrschende Moral und kulturelle Prägung der verwendeten Trainingsdaten wider!“ Um dem entgegenzuwirken, hat Prof. Bolsinger darüber aufgeklärt, wie KI mit einem „tugendethischen Fundament“ betrieben werden kann. Er zeigte den anwesenden Versicherungskaufleuten unter anderem, wie ein klug gestalteter Systemprompt den entscheidenden Unterschied machen kann, um die zehn Tugenden des VEVK – darunter Handeln ohne Gier und Manipulation sowie die strikte Orientierung am Kundeninteresse – auch bei der KI-Nutzung sicherzustellen.

Anhand eines konkreten Beispiels demonstrierte der frisch gekürte Preisträger die Wirkkraft dieses Ansatzes. Eine ethisch gepromptete KI ändert ihr Antwortverhalten fundamental. Getreu der VEVK-Tugend der Selbstreflexion warnt sie proaktiv vor potenziellen ethischen Konflikten zwischen blinder Abschlussorientierung und dem tatsächlichen Kundenwohl. Sie rät davon ab, eine unpassende Versicherung zu verkaufen und fokussiert stattdessen auf nachhaltigen Wohlstandsaufbau mittels wirklich passender Produkte. Prof. Bolsinger schloss seinen Vortrag mit einem eindringlichen Appell an die Branche, die technologischen Werkzeuge gezielt wertebasiert zu nutzen, Menschlichkeit als Wettbewerbsvorteil auszubauen und die Kontrolle niemals an KI abzugeben: „AI? Always stay in the driver’s seat!“.(mho)