Bastelt die Börse am nächsten Crash

07.08.2026

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Eins vorweg: Der Artikel soll keine Crash-Prophezeiung darstellen, sondern den Leser auf die bestehenden Gefahren hinweisen. Ein entgangener Gewinn ist leichter zu ertragen als ein eingegangener Verlust. Etliche Zahlen aus dem Hype KI haben vieles gemeinsam mit der Dotcom-Krise aus dem Jahr 2000, also vor genau 26 Jahren.

Ein Berater oder Analyst, der heute in leitender Funktion und 46 Jahre alt ist, war damals noch Schüler, Student, Lehrling oder bei der Bundeswehr – aber nicht an der Börse. Ich hatte schon zehn Jahre Betreuung vermögender Privatkunden bei der Commerzbank in Bad Homburg und Mannheim hinter mir und war bereits zehn Jahre bei der heutigen I.C.M. in Mannheim. Ich habe den Crash damals recht gut gemeistert. Ich habe eher zu früh angefangen zu kaufen. Das war allerdings weniger entscheident.

Heute wie damals war eine gravierende Überbewertung entstanden und die Fantasie der Anleger kannte keine Grenzen. Und wer nicht voll investiert war, „hatte die neue Welt nicht verstanden“. Aber viele Favoriten von damals gibt es heute nicht mehr. Oder der Anleger war jahrelang im Verlust. Bekanntestes Beispiel: Wer im März 2000 Cisco mit 77 Dollar gekauft hat, musste bis Januar 2026 warten, bis er sein Geld wieder hatte. Heute soll mit KI alles anders sein? Nein!!! Siehe Oracle in 9/2025 328 Dollar heute 118 Dollar. Oder Micron am 25. Juni noch bei 1.213 Dollar am 29. Juli 739 Dollar. Oder Qualcom am 3. Juni 250 Dollar, am 29. Juli 155 Dollar. Oder IBM: Am 7. Juli 311 Dollar, am 23. Juli 199 Dollar, Minus 36 Prozent. Oder Tesla: 2. Juli 432 Dollar, am 29. Juli 298 Dollar, ein Minus von 31 Prozent. Außerdem ist nicht zu übersehen, dass der Nasdaq-Index eine charttechnische Umkehrformation vollendet hat.

Weitere Warnsignale für eine Überbewertung ist der Buffett-Indikator bei 219 Prozent, das sind 65 Prozent über dem Durchschnitt. Oder die KGV´s mancher Favoriten: Palantir 113, Broadcom 76, ASML 61. Aber selbst die bei Nvidia oder Apple liegen sie über 40, bei Microsoft, Meta oder Alphabet über 30. Die Investitionssummen für KI liegen bei den großen Werten meist über 150 Milliarden. Die geplante Gesamtsumme lag im Juni bei unfassbaren 800 Milliarden. Solche Beträge übertünchen natürlich die Schwächen anderer Branchen (z.B. Konsum, Bau, Auto). Die US-Wirtschaft wird also getragen von KI. Aber: Nvidia will eine Billion in zwei Jahren investieren. Da streiken schon die Banken. Solche Investitionen verursachen auch Abschreibungen, die von den Gewinnen kurzfristig nicht egalisiert werden können. Der Anleger muss sich darüber im Klaren sein, dass die Gewinne nicht kurzfristig zu erzielen sind. Wenn KI irgendwann den Nutzer auch Geld kostet, sind die chinesischen Konkurrenten eine entscheidende Sperre für die benötigten Preise.

Einen klaren Hinweis auf (beginnende?) Euphorie oder gar Blase gibt die Neuemission SpaceX. Mit 135 Dollar Ausgabepreis, umjubelt auf über 200 Dollar getrieben, aber mittlerweile bei 112 Dollar eingependelt, liegen alle Anleger zwischen 15 Prozent und 47 Prozent im Minus. Nach Raketenstart ein Rohrkrepierer. Für eine Aktie, die dem Marktwert von Microsoft entspricht, aber im Gegensatz zu dessen Gewinnen von 128 Milliarden in diesem Jahr wohl vier Milliarden Verlust einfahren wird.

Sollte sich in Sachen KI nur eine leichte Gewinnrücknahme entwickeln, werden hunderte von Fonds ihre Allokation überdenken. Denn die meisten Globalfonds und erst recht alle Tech-Fonds haben einige der big zwehn Aktien der Technologie-Branche unter den größten zehn Positionen im Bestand. Wenn diese Fonds ihre Bestände reduzieren, wenn dazu noch die Spekulanten, die auf Kredit gekauften Anleger, die Hedgefonds und die Produktmanager (zum Beispiel ETFs) verkaufen wollen, werden riesige Stückzahlen dieser Aktien an die Börse kommen und gleichzeitig die Zahlen der Kaufwilligen aufgrund der niedrigeren Gewinnschätzungen einbrechen. Die Kursentwicklung vieler Tech-Werte könnte grausam sein. Etliche werden diese Börsenphase nicht überstehen.

Sie sind beim Lesen dieser Kolumne ins Schwitzen geraten? Dann ist Ihr Anteil an dieser Branche zu hoch. Dieser sollte bei der heutigen Bewertung 20 Prozent des Vermögens nicht überschreiten. Viele Werte sind schon massiv „gelaufen“, ohne dass sie nicht noch weiterlaufen könnten. Aber es dürfen halt keine schlechten Nachrichten kommen.

Heute ist daher die richtige Zeit, die Gewichtungen im Depot zu überprüfen. Aber Achtung. Viele Anleger haben verschiedene Fonds, aber trotzdem keine Diversifikation, weil ihre Fonds alle diese Aktien im Portfolio haben. Wer sich überfordert fühlt, sollte unbedingt neutrale Beratung in Anspruch nehmen. Die meisten Berater, die für diese Aufteilung mit verantwortlich sind, werden diese natürlich verteidigen. Leider sind auch die Presse, die Vertreiber von Newslettern oder Analysten der Branche nicht immer neutral. Sie wollen halt alle etwas verkaufen.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH