EU-Parlament will Finfluencer stärker in die Pflicht nehmen
19.05.2026

AfW-Vorstand Frank Rottenbacher Foto: © AfW
Das Europäische Parlament hat am 30. April 2026 eine Entschließung zur Finanzkompetenz und zur Rolle von „Finfluencern“ im Kontext der Spar- und Investitionsunion (SIU) verabschiedet. Mit großer Mehrheit spricht sich das Parlament darin für konkrete Mindeststandards bei Finanzinhalten in sozialen Medien aus. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz und fairen Wettbewerbsbedingungen.
Im Zentrum der Entschließung steht die wachsende Bedeutung sozialer Medien für Finanzinformationen. Gerade jüngere Zielgruppen orientieren sich zunehmend an Inhalten von Influencern – bislang jedoch ohne einheitliche regulatorische Anforderungen. Das Europäische Parlament fordert daher klare Regeln für Transparenz, Qualität und Verantwortung in der digitalen Finanzkommunikation.
Konkret sollen Finfluencer künftig verpflichtet werden, wirtschaftliche Interessen offenzulegen und Werbung eindeutig zu kennzeichnen. Kooperationen mit Finanzunternehmen sowie eigene Beteiligungen müssen transparent gemacht werden. Nutzer sollen klar erkennen können, ob es sich um unabhängige Informationen oder vertriebsgetriebene Inhalte handelt.
Darüber hinaus fordert das Parlament höhere Anforderungen an die inhaltliche Qualität. Risiken müssen ebenso klar dargestellt werden wie Chancen. Irreführende Aussagen, überzogene Renditeversprechen oder die Bewerbung ungeeigneter Produkte für breite Zielgruppen sollen konsequent unterbunden werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass Anbieter über ausreichende fachliche Kenntnisse verfügen und ihre Inhalte sorgfältig prüfen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Abgrenzung zur regulierten Anlageberatung. Sobald konkrete Anlageempfehlungen ausgesprochen werden, sollen bestehende europäische Vorgaben Anwendung finden. Ergänzend spricht sich das Parlament für einen europaweiten Verhaltenskodex sowie mögliche Gütesiegel für regelkonforme Anbieter aus.
„Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will. Wer Finanzprodukte bewirbt oder Anlageentscheidungen beeinflusst, muss sich an klare Spielregeln halten. Anforderungen an Transparenz, Sachkunde und Verantwortung müssen für alle gelten und dürfen kein Wettbewerbsnachteil für regulierte Vermittler sein“, fordert AfW-Vorstand Frank Rottenbacher.
Aus Sicht des AfW adressiert die Entschließung ein zentrales Ungleichgewicht im Markt: Während unabhängige Vermittlerinnen und Vermittler umfassenden regulatorischen Anforderungen unterliegen, konnten Finfluencer bislang vielfach ohne vergleichbare Vorgaben agieren. Die vorgeschlagenen Mindeststandards sind ein wichtiger Schritt, um dieses Ungleichgewicht zu reduzieren und das Vertrauen in Finanzinformationen zu stärken.
Die Entschließung ist rechtlich nicht bindend, gibt der Europäischen Kommission jedoch eine klare politische Richtung vor.
Teile dieser Diskussion finden sich bereits in den laufenden Verhandlungen zur Retail Investment Strategy (RIS) wieder. Dort wird unter anderem über verpflichtende schriftliche Vereinbarungen zwischen Finanzunternehmen und Finfluencern, klare Kennzeichnungspflichten für Marketinginhalte, die Offenlegung von Vergütungen sowie eine stärkere Verantwortung der Vermittlerinnen und Vermittler für die zielmarktkonforme Nutzung von Marketingmaterialien diskutiert.
Der AfW wird sich weiter intensiv dafür einsetzen, dass die Perspektive unabhängiger Vermittlerinnen und Vermittler in die konkrete Ausgestaltung einfließt. (mho)

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