Infrastruktur hat immer Konjunktur

17.06.2026

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Eine leistungsfähige Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung für das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft. Viele Industriestaaten und zahlreiche Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren aber dringend notwendige Investitionen auf die lange Bank geschoben. Nun kommen die Staaten aber nicht mehr umher, ihre Investitionen kräftig zu erhöhen – und daran können auch Anleger partizipieren.

Die Bilanz „beeindruckt“, im vergangenen Jahr wurden auf deutschen Autobahnen nach Angaben des ADAC Staus in einer Gesamtlänge von 866.000 Kilometer gemeldet. Das hört sich nicht nur nach viel an, sondern ist es auch. Nur mal so zum Vergleich: Fliegt eine Rakete von der Erde zum Mond, muss sie nur 384.000 Kilometer zurücklegen. Ergo, allein 2025 stauten sich die Autos auf einer Strecke, mit der man locker zum Mond und wieder zurück hätte fliegen können. Und das, wie gesagt, nur in Deutschland und nur auf den Autobahnen. Dabei gab es auch auf den Bundesstraßen zahlreiche Staus – und in den Ballungszentren steht man ja ohnehin mehr als das man fährt.

Infrastruktur – überall Mangel

Nun, nicht jeder Stau ist das Ergebnis schlechter Infrastruktur, auch Unfälle lassen Autofahrer auf die Bremse treten, aber marode Straßen, zu eng, schlecht ausgebaut, kaputte Brücke mit Geschwindigkeitsbegrenzung, fehlende Umfahrungen und zu wenig Autobahnstrecken sind nun mal die wichtigsten Ursachen des alltäglichen Verkehrskollaps. Die Verkehrsinfrastruktur ist mangelhaft, Punkt.

Dabei sind Straßen nur ein Teilaspekt der Verkehrsinfrastruktur – auch Schienen und Wasserwege gehören dazu. Und die Verkehrsinfrastruktur ist wiederum nur ein Teilaspekt der gesamten Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Aber auch in nahezu allen anderen Bereichen fällt das Urteil negativ aus. Das Kommunikationsnetz ist schlecht, zu wenig Datenautobahnen, zu wenig Highspeed für das Internet. Das Stromnetz, nicht ausreichend für die Energiewende, zu wenig Trassen, um Strom über weite Strecken von A nach B zu transportieren. Zu wenig und kaputte Schulen. Schwimmbäder und Sportanlagen wegen Geldmangel geschlossen. Die Behörden unterbesetzt, weil Personal fehlt, und und und. Kurzum: Die aktuelle Bundesregierung und natürlich auch die zurückliegenden Regierungen haben ganze Arbeit geleistet.

Infrastruktur – eine weltweite Herausforderung

Die Liste des Mangels ließe ich wohl nahezu unbegrenzt fortsetzen, aber klar ist: Die heimische Infrastruktur braucht keine Reparatur, sie braucht eine Kernsanierung. Und das kostet, und zwar eine Menge. Allein für die Verkehrsinfrastruktur – neben der Straße also auch Schiene und Wasserweg – besteht laut Studien bis 2030 ein Finanzierungsbedarf von 400 Milliarden Euro. Rechnet man alle anderen Infrastrukturbereiche hinzu, so könnte sich das nötige Investitionsvolumen auf über zwei Billionen Euro für die kommenden zehn Jahre summieren.

Gigantische Zahlen, die noch gigantischer werden, wenn man den Blick über die deutschen Grenzen hinweg weitet. Denn in nahezu allen europäischen Nachbarländern sieht es kaum besser aus. Und auch jenseits des Atlantiks, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in den USA, hapert es gewaltig. Auch hier fehlt es vielerorts an moderner Infrastruktur, was über kurz oder lang das Wirtschaftswachstum in den USA genauso wie auf dem alten Kontinent belasten könnte.

Schwellenstaaten müssen noch mehr in die Infrastruktur investieren

Doch wenigstens ist in Europa und in den USA so etwa wie Infrastruktur vorhanden – und sei sie noch so miserabel. Auch das Gros der Emerging Markets hat eine ausgebaute Infrastruktur; doch auch in vielen der aufstrebenden Schwellenländer wurde die Modernisierung und der Ausbau der Infrastruktur zu lange zu sehr vernachlässigt. Und: Anders als in den Industriestaaten ziehen in den Emerging Markets nach wie vor Jahr für Jahr viele Millionen Menschen vom Land in die Stadt. Vor allem in diesen Staaten müssten enorme Summen Infrastrukturmaßnahmen investiert werden – schon allein, um das häufig miserable Wasser- und Abwassersystem zu modernisieren.

Zahlreiche so genannte Frontier Markets – also Länder, die von der Entwicklung noch eine Stufe unter den Schwellenstaaten einzuordnen sind – stehen hingegen vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur nahezu komplett neu aufzubauen. Hier muss also von ganz unten angefangen werden.

Weltweit, so Berechnungen, könnten allein im laufenden Jahr rund sieben Billionen Dollar in die Infrastruktur investiert werden, eine Rekordsumme, die aber immer noch zu wenig ist. Darum: Infrastruktur hat immer Konjunktur, und die Infrastrukturausgaben müssen und werden über Jahrzehnte steigen, daran führt wohl kein Weg vorbei. Von den dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur werden auch zahlreiche Unternehmen profitieren, die auch am Aktienmarkt zu finden sind. Doch die Identifikation der aussichtsreichen Aktien ist gerade im Bereich Infrastruktur besonders herausfordernd, tummeln sich in diesem Sektor doch vergleichsweise viele Unternehmen.

Marktkommentar von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft.