Portfolio für die Rente

26.05.2026

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Aktuell können Rentner mit einer Rentenhöhe von ca. 48 Prozent des letzten Nettogehaltes rechnen, sofern man lückenlose Beitragszahlungen geleistet hat. Zusätzliche Leistungen können aus der betrieblichen Altersvorsorge oder eben aus dem ersparten Privatvermögen kommen.

Unabhängig von der Lebensphase sollte man einen Überblick darüber haben, was für Kosten ggf. entstehen, wenn Haushaltsgeräte ausgetauscht werden müssen, Gesundheitskosten selbst getragen werden oder Reparaturen an einem evtl. vorhandenen PKW fällig werden. Hier genügen meist Beträge, die im vierstelligen Bereich liegen.

Sofern man in einer selbstgenutzten Immobilie wohnt, können Sanierungen fällig werden, die man selbst tragen muss. Hier empfehle ich ca. fünf bis zehn Prozent des Objektwertes liquide zu halten, sofern das möglich ist. Wenn man sich für notwendige Liquidität entscheidet, muss man ggf. auch niedrige Zinsen akzeptieren und auf Tagesgeldkonten zurückgreifen.

Fondskonstruktionen oder Spezialstrategien, die eine festgeldähnliche Anlage zu besseren Konditionen versprechen, sollten in diesem Fall gemieden werden, da relativ hohe interne Kosten entstehen können und keine Rendite zugesichert werden kann. Auch in diesem Segment sind Kursschwankungen möglich, die man für die Liquiditätsreserve vermeiden sollte.

Sofortrente sinnvoll?

Oft besteht der Wunsch nach einer zusätzlichen monatlichen Auszahlung zur gesetzlichen oder betrieblichen Rente. Die meisten Deutschen, insbesondere aber die geburtenstarken Jahrgänge, haben Kapitallebensversicherungen abgeschlossen. Bei Fälligkeit bieten die Versicherer oft Sofortrenten mit lebenslanger Auszahlung an.

Anleger werden oft mit garantierten, festen Rentenzahlungen überzeugt, die lebenslang gezahlt werden und mit der Tatsache, dass kaum Steuern anfallen. Letzteres ist auch logisch, da man anfänglich ja hauptsächlich sein gerade eingezahltes Geld zurückerhält und deshalb kaum Erträge entstehen. Es gibt allerdings auch hier fondsbasierte Konzepte, die etwas mehr Rendite bringen können.

Trotzdem sehe ich in liquiden, börsengehandelten und transparenten Anlageformen einen Vorteil und ziehe die Auszahlung der Ablaufsumme aus der fälligen Lebensversicherung und den gestaffelten Aufbau eines breit diversifizierten Portfolios mit aktiv gemanagten Fonds und ETF-Lösungen vor. Nach meiner Auffassung handelt es sich um die flexiblere, kostengünstigere und vermutlich ertragreichere Lösung. Auch hier sind Auszahlpläne möglich, die man aber jederzeit kostenfrei verändern oder kündigen kann. Außerdem sind diese Beträge dann frei verfügbar und vererbbar.

Aktien gehören unabhängig vom Alter dazu

Auch älteren Anlegern rate ich mindestens 30 bis 50 Prozent in internationale Aktien bzw. entsprechende Fonds zu investieren. Hier sind für mich eher die Erfahrungen, das Verständnis und das tolerierbare Chance/Risikoprofil der Anleger entscheidend. Von Formeln wie: Aktienquote gleich 100 minus Alter des Anlegers halte ich nichts.

Unabhängig von der Börsensituation sollte man grundsätzlich nach Value oder QualityTiteln bzw. entsprechenden Fonds Ausschau halten, die auch einen echten inneren Wert haben. Meist sind das auch die Titel, die seit längerer Zeit eine ordentliche, stabile Dividende zahlen. Letzteres kann wichtig sein, wenn man aus dem Depot regelmäßige Beträge entnehmen möchte.

Mittlerweile gibt es auch genügend Investmentfonds, die mehrmals im Jahr ausschütten. Die Rendite ist deswegen nicht höher, aber man erhält dann die notwendigen Ausschüttungen automatisch und hat einen geringeren Verwaltungsaufwand.

Anleihen wieder attraktiv

Nach der Niedrigzinsphase wurden Anleihen nach den extremen Inflations- und Zinsanstiegen im Jahr 2022 deutlich attraktiver. Ursächlich waren die extremen Inflationsanstiege nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, wodurch zunächst das Preisniveau und folglich auch die Zinsen anstiegen.

Aktuell erhält man bei Anleihen und aktiven Laufzeitfonds Renditen über der Inflationsrate, auch bei kürzeren oder mittleren Laufzeiten. Anlegern muss aber klar sein, dass auch der Rententeil eines Portfolios Schwankungen unterliegt und die Kurse fallen können, wenn das Zinsniveau sich signifikant ändert. In den letzten Wochen gab es durchaus relevante Zinsanstiege. So liegen die Renditen der dreißigjährigen USStaatsanleihen jetzt knapp über fünf Prozent.

Für Neueinsteiger ist das eine „interessante Opportunität“. Für jeden der bereits investiert ist, entstehen dann allerdings zunächst Kursverluste im Depot. Es ist daher wichtig, den Rententeil mit unterschiedlichen Laufzeiten, Bonitäten und Anlagephilosophien zu strukturieren.

Was sollte dem Portfolio zusätzlich beigemischt werden?

Bei einem gemischten Depot sollten deshalb auch Fonds oder ETFs, die Unternehmensanleihen, Infrastrukturanleihen, Anleihen aus Schwellenländern, Wandelanleihen und High-Yield-Anleihen beinhalten. Nach meiner Auffassung sollten hier allerdings aktive Fonds überwiegen, da die Fondsmanager Währungsentwicklungen, Laufzeiten und auch Bonitätsveränderungen der Papiere überwachen und zur Renditeoptimierung nutzen.

Unterschiede der Portfoliostruktur hängen auch von Umfeld und Intention ab

Wenn man ausschließlich die Person betrachtet, die das Geld letztlich anlegt, kann man natürlich anmerken, dass mit zunehmendem Alter und entsprechend abnehmender Lebenserwartung die Rendite nicht mehr so wichtig sein könnte und liquide Anlagen eine höhere Präferenz haben. Bei einem klassischen Ansatz wird häufig der Aktienanteil reduziert und erhöht die Liquidität.

Wenn Erben vorhanden sind, sollte man allerdings eher auf das Alter und die Intention der Erben abstellen. Sofern der Anleger das ebenfalls so sieht, bleibt die Aktienquote dann trotzdem stabil. Sofern keine Erben vorhanden sind, finde ich die Frage legitim, was eigentlich letztlich mit dem Vermögen passieren soll.

Bei größerem Vermögen kann die Gründung einer Stiftung für einen bestimmten Zweck, unter Begleitung eines Vermögensverwalters, sinnvoll sein. Ich ziehe hier Varianten mit möglichst breit aufgestellten Portfolios vor, damit auch alle Anlageklassen verwendet werden dürfen und die Rendite im Vordergrund steht. Bei gemeinnützigen, steuerbegünstigten Varianten wird das meist deutlich eingeschränkt.

Fazit

Ein höheres Lebensalter muss nicht zwingend dazu führen, dass man sein Geld anders anlegt. In der Regel muss man deutlich vor dem Rentenalter beginnen, ein stabiles Depot aufzubauen, aus dem im Alter Entnahmen möglich sind. Ein Portfolio sollte aus ca. zehn bewährten Fonds-Konzepten bestehen, die sich ergänzen und sich bereits in vergangenen Krisenzeiten bewährt haben. Während der Rentenphase sollten hier ausschüttende Tranchen vorgezogen werden. Rechtzeitige Gespräche mit der Familie oder dem nahen Umfeld sind ratsam, um später ggf. einen vernünftigen, störungsfreien Vermögensübergang zu gewährleisten.

Marktkommentar von Andreas Görler, senior Wealth Manager, zert. Fachmann für nachhaltige Investments, Wellinvest –- Pruschke & Kalm GmbH, Berlin.