„Qualität setzt sich wieder klar durch“
24.06.2026

Christian Kunz, Sales- und Marketing-Manager von TSO – The Simpson Organization / Foto: © TSO
Wie geht es weiter auf dem gewerblichen US-Immobilienmarkt? Ist aktuell ein guter Einstiegspunkt? Wo lohnt ein Investment? Eine kurze Marktanalyse von Christian Kunz, Sales- und Marketing-Manager von TSO – The Simpson Organization.
finanzwelt: Herr Kunz, derzeit blicken viele Anleger zurückhaltend auf den US-Immobilienmarkt. Ist dies aus Ihrer Sicht nachvollziehbar?
Christian Kunz: Die Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Finanzierungen sind teurer geworden, und auch die geopolitischen Spannungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Hinzu kommt, dass die geldpolitische Lage in den USA derzeit kein eindeutiges Bild ergibt. Während sich der Arbeitsmarkt etwas abschwächt, bestehen zugleich Inflationsrisiken fort. Das führt dazu, dass viele Marktteilnehmer heute vorsichtiger agieren als noch vor einigen Jahren. Für Investoren ist aber die langfristige Einordnung entscheidend. Denn solche Phasen machen Unterschiede im Markt oft erst richtig sichtbar. Nicht alle Segmente und Standorte sind gleichermaßen betroffen.
finanzwelt: Was bedeutet diese Marktphase konkret für den Einstiegszeitpunkt?
Kunz: Die Marktphase ist anspruchsvoll. Genau deshalb kann sie für den Einstiegszeitpunkt interessant sein. So funktioniert antizyklisches Investieren seit jeher. Chancen entstehen dann, wenn Unsicherheit herrscht, Erwartungen korrigiert werden und noch sorgfältiger unterschieden werden muss. Das erleben wir in Ansätzen auch jetzt. Gleichzeitig ist der Markt disziplinierter geworden. Das bedeutet, dass sich Qualität wieder klarer durchsetzt, Standorte und Objekte werden genauer geprüft. Für langfristig orientierte Investoren ist das ein wichtiger Punkt.
finanzwelt: Warum bleibt der Südosten der USA für TSO dabei besonders relevant?
Kunz: Weil dort auch in der aktuellen Marktphase reale Nachfrage entsteht. Menschen ziehen in diese Region, Unternehmen investieren, und daraus ergibt sich Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen. Das ist der entscheidende Punkt. Gleichzeitig gilt: Der Sun Belt ist kein Selbstläufer. Es reicht nicht, auf die Region als Ganzes zu schauen. Entscheidend ist, welche Teilmärkte tatsächlich tragen, wie hoch der Neubaudruck ist und ob ein Standort auch im Alltag funktioniert. Für uns bleibt der Südosten deshalb besonders relevant, weil dort beides zusammenkommt: strukturelles Wachstum und die Möglichkeit, sehr gezielt zu selektieren.
finanzwelt: Lässt sich das an einem konkreten Beispiel festmachen?
Kunz: Ja, zum Beispiel in Johns Creek im Norden der Metropolregion Atlanta. Dort zeigt sich sehr gut, dass heute nicht mehr nur das einzelne Objekt zählt, sondern das Umfeld, in dem es eingebettet ist. In unmittelbarer Nähe mehrerer TSO-Büroimmobilien entsteht mit dem Johns Creek Town Center beziehungsweise dem Projekt Medley ein neues Mixed-Use-Quartier mit Handel, Gastronomie, Entertainment, Hotel, Büro und Wohnen. Hinzu kommen neue Aufenthaltsflächen, Grünanlagen und bessere fußläufige Verbindungen. Das erhöht die Aufenthaltsqualität und stärkt die Attraktivität des Mikrostandorts.
finanzwelt: Woran zeigt sich im aktuellen Umfeld, dass tragfähige Standorte weiterhin funktionieren?
Kunz: Das zeigt sich vor allem an der Vermietung. TSO hat 2025 mehr als 41.000 Quadratmeter vermietet und 87 Mietverträge abgeschlossen, mehr als 90 % davon im Bürosegment. Das ist ein klares Signal. Es zeigt, dass gut positionierte Objekte mit funktionierendem Umfeld weiterhin Nachfrage finden. (ah)

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