Value-Case: Substanz außerhalb der USA schaffen

25.06.2026

Harald Sporleder. Foto: © Lingohr & Partner Asset Management.

Erhebungen zeigen, dass der Value-Effekt außerhalb der USA über nahezu alle Zeithorizonte stabiler und stärker ausgeprägt ist als im US-Markt. Das ist eine Chance für Value-Investoren.

Die Technologie-Story prägt weiterhin die Kapitalmärkte, die weltweit führenden Unternehmen machen einen großen Teil der Steuerungen der wichtigen Indizes aus. Dies führt aber auch zu einer hohen Konzentration. Die zehn größten Unternehmen im S&P 500 machen fast 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aus, ein Wert deutlich über dem Höchststand von 27 Prozent während der Dotcom-Blase 1999/2000. Und die Magnificent Seven (Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla) stellen allein ca. ein Drittel des S&P-500-Volumens, sodass 2025 auch rund 42 Prozent der Gesamtrendite des S&P 500 aus der Magnificent-Seven-Gruppe stammte.

„Zugleich weisen diese Unternehmen häufig eine hohe Capex-Belastung auf“, sagt Harald Sporleder, CIO der Düsseldorfer Value-Boutique Lingohr Asset Management. „Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta planen ihre Sachanlagen-Investitionen bis 2026 auf rund 618 Milliarden US-Dollar zu steigern nach etwa 376 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr, während der gemeinsame freie Cashflow auf rund 94 US-Dollar US-Dollar sinken könnte.“ Und: Nur noch zwei der sieben Titel schlugen 2025 den Gesamtmarkt deutlich. 2023 waren es noch alle sieben, 2024 sechs.

Daher plädiert Harald Sporleder, weiterhin Value-Titel in den Blick zu nehmen. „Der Abstand zwischen Value- und Growth-Bewertungen erreichte vergangenes Jahr den höchsten Stand seit 1926 und übertraf damit sogar den Peak des Dotcom-Booms im Jahr 2000. Internationale Value-Aktien werden laut Untersuchungen weiterhin mit Abschlägen von rund 40 Prozent auf Forward-Multiples gegenüber ihren historischen Durchschnittswerten gehandelt.“ Besonders attraktiv werde dies, blicke man Harald Sporlder zufolge auf die Märkte außerhalb der USA. So weise der MSCI World ex-USA Value gegenüber seinem Growth-Pendant 21 Prozent Outperformance in 2025 auf und liege dieses Jahr acht Prozent im Plus (alle Werte in US-Dollar) Treiber dafür sind die erhöhte Marktvolatilität, die Rotation weg von Mega-Cap-Konzentration, die Unterstützung durch Fiskalpolitik und die beginnende wirtschaftliche Erholung in Europa, betont Harald Sporleder, der dazu auch auf eine Morningstar-Analyse verweist.

Diese zeige, dass der Value-Effekt außerhalb der USA über nahezu alle Zeithorizonte stabiler und stärker ausgeprägt sei als im US-Markt. Über drei, fünf und zehn Jahre – also gerade in der Periode, in der Growth in den USA dominiert habe – sei das Bild für internationale Value-Aktien deutlich freundlicher ausgefallen. Der Hintergrund: „Internationale Value-Indizes sind strukturell anders zusammengesetzt. Der ‚Morningstar Global ex-US Value Index‘ beispielsweise hält nur acht Prozent Technologiewerte und sechs Prozent Gesundheitstitel gegenüber 33 beziehungsweise zehn Prozent im US-Marktindex. Das sorgt für eine geringere Korrelation mit dem US-Markt und damit echten Diversifikationsnutzen.“

Lingohr nutzt zur Identifikation lohnender Value-Werte das selbst entwickelte CHICCO-System, das einen globalen Aktienuniversum von über 12.000 Titeln scannt. Es kombiniert quantitatives Screening mit fundamentaler Analyse, bewertet Unternehmen nach Cashflow-Stärke, Profitabilität und Bilanzqualität und integriert KI als analytischen Co-Piloten. Die Endinvestitionsentscheidung liegt beim Portfoliomanagement. Das Modell ist auf die Vermeidung von „Value Traps" ausgelegt. Emerging-Market-Aktien sind laut Berechnungen mit einem durchschnittlichen Forward-KGV von rund 14 historisch günstig und nach Experteneinschätzung unterrepräsentiert, wobei gerade politische Risiken in Märkten wie China oder Lateinamerika einen Abschlag rechtfertigen. Interessant ist laut Harald Sporleder Japan: „Japan hält unter den entwickelten Märkten die höchste Cash-Quote im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Jahrzehntelang haben japanische Unternehmen Gewinne thesauriert statt ausgeschüttet – ein klassischer Value-Grund für Unterbewertung.“ (fw)