Assekurata-Marktausblick zur Schaden-/Unfallversicherung 2026
10.06.2026

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Nach mehreren Jahren mit hoher Schadeninflation, steigenden Naturgefahrenbelastungen und schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich die Lage der deutschen Schaden-/Unfallversicherer im Geschäftsjahr 2025 spürbar stabilisiert. Ausschlaggebend waren vor allem deutliche Beitragsanpassungen – insbesondere in der Kraftfahrtversicherung – sowie ein vergleichs- weise mildes Naturgefahrenjahr. Von einer nachhaltigen Entspannung kann aus Sicht von Assekurata jedoch noch keine Rede sein. Hohe Reparatur-, Ersatzteil- und Baukosten, zunehmende Klimarisiken sowie die schwache gesamtwirtschaftliche Dynamik bleiben zentrale Belastungsfaktoren.
Die Schaden-/Unfallversicherung ist im Jahr 2025 deutlich gewachsen. Branchenweit stiegen die Beitragseinnahmen um 7,7 % auf 99,7 Milliarden Euro. Damit entwickelte sich diese Sparte stärker als die Versicherungswirtschaft insgesamt, deren Einnahmen über alle Sparten hinweg um 6,6 % auf 253,6 Milliarden Euro zunahmen. Das Wachstum war in vielen Versicherungszwei- gen vor allem auf Beitragsanpassungen zurückzuführen. In der Sachversicherung führten höhere Versicherungssummen und weiter gestiegene Wiederherstellungskosten zu Beitragserhöhungen, während in der Wohngebäudeversicherung neben Indexanpassungen marktweit auch Sanierungsmaßnahmen eine Rolle spielten. In gewerblichen und haftpflichtnahen Sparten wurde das reale Bestandswachstum durch das schwache konjunkturelle Umfeld gebremst. „Die gesamte Branche wächst derzeit vor allem nominal“, ordnet Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata ein. „Höhere Beiträge spiegeln in vielen Bereichen weniger eine Ausweitung des versicherten Bestands wider. Sie sind vielmehr vor allem eine Reaktion auf gestiegene Schaden- und Kostenrisiken.“
Kraftfahrtversicherung schafft den Turnaround
Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung 2025 in der Kraftfahrtversicherung, wo die Prämien nach mehreren verlustreichen Jahren, insbesondere durch Beitragsanpassungen, um 13,4 % am deutlichsten anstiegen. „Die fühlbaren Prämienanpassungen waren angesichts der vorherigen Verluste und der hohen Schadeninflation notwendig“, erklärt Dennis Wittkamp. „Die Branche hat damit einen Teil der Kostensteigerungen nachgeholt, die sich in den Vorjahren insbesondere bei Ersatzteilen, Werkstattlöhnen und Fahrzeugtechnik aufgebaut hatten.“ Nach mehreren verlustreichen Jahren erzielte die Sparte erstmals wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Neben den Preisanpassungen half auch die Tatsache, dass größere Naturkatastrophen ausblieben. „Der Turnaround in der Kraftfahrtversicherung ist ein wichtiges Signal für den Markt“, sagt Dennis Wittkamp. „Er darf aber nicht als Freifahrtschein für eine schnelle Rückkehr in einen aggressiveren Preiswettbewerb missverstanden werden.“ Gerade weil der Wettbewerb in der Kfz-Versicherung unverändert stark über den Preis läuft, wird die kommende Wechselsaison ein wichtiger Gradmesser für die Marktdisziplin. Setzen einzelne Anbieter zu früh wieder auf Beitragsnachlässe, könnte der mühsam erreichte Ergebniseffekt schnell wieder verloren gehen. Entscheidend bleibt eine nachhaltige Kalkulation, die das hohe Kostenniveau realistisch abbildet.
Mildes Naturgefahrenjahr entlastet die Ergebnisse
Auch die Naturgefahrenbilanz trug 2025 zur Stabilisierung der Branche bei. In der Sachversicherung beliefen sich die durch Naturgefahren verursachten Schäden auf rund 1,4 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 1,0 Milliarden Euro auf Sturm und Hagel sowie rund 400 Millionen Euro auf weitere Elementargefahren wie Überschwemmung und Starkregen. In der Kraftfahrtversicherung lagen die Naturgefahrenschäden bei rund 650 Millionen Euro. Damit blieb das Schadenvolumen 2025 deutlich unter dem Vorjahresniveau. 2024 hatten die versicherten Naturgefahrenschäden in der Sachversicherung insgesamt noch bei 4,4 Milliarden Euro gelegen. „Aus Sicht der Versicherer verlief das Jahr 2025 glücklicherweise relativ ruhig“, erläutert Dennis Wittkamp. „Das bedeutet aber nicht, dass die Risiken gesunken sind.“ Langfristige Vergleichswerte zeigen vielmehr, dass Elementarschäden dauerhaft ein relevantes Kumulrisiko bleiben. Seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2002 verursachen Elementarschäden ohne Sturm und Hagel im Durchschnitt Schäden von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.
Selbst ohne die außergewöhnliche Belastung aus der Ahrtal-Katastrophe 2021 liegt der Durchschnitt noch bei rund 1,5 Milliarden Euro. Für die Branche bleibt daher entscheidend, sich nicht an einzelnen schadensarmen Jahren zu orientieren, sondern die langfristige Risikosituation im Blick zu behalten. Unabhängig von der Entwicklung der Naturgefahren ist angesichts der aktuellen Wachstumstrends mit weiter spürbar steigenden Schadenaufwendungen zu rechnen. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte ihr Volumen von derzeit knapp 70 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro steigen. Schäden durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. „Prävention wird in der Wohngebäudeversicherung zu einem zentralen Stabilitätsfaktor“, sagt Dennis Wittkamp. „Jeder vermiedene oder reduzierte Schaden entlastet den Versicherungsnehmer und langfristig auch das Kollektiv.“ Relevante Maßnahmen sind unter anderem Rückstauklappen, druckwasserdichte Kellerfenster und Lichtschächte, wasserresistente Baustoffe, eine angepasste Nutzung gefährdeter Kellerräume sowie regelmäßige Wartung und Instandhaltung. Aus Sicht von Assekurata dürfte Prävention künftig stärker in Produkt- und Tarifkonzepte einfließen. Versicherungsschutz und Schadenvermeidung müssen enger zusammengedacht werden. In exponierten Lagen wird die Versicherbarkeit langfristig auch davon abhängen, ob Eigentümer, Versicherer und öffentliche Hand gemeinsam in Schadenvermeidung investieren.

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