Assekurata-Marktausblick zur Schaden-/Unfallversicherung 2026

10.06.2026

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Elementarschutz braucht ein Gesamtkonzept

Der stärkere Fokus auf Prävention hängt zugleich eng mit der politischen Diskussion um den Elementarschutz zusammen. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage, wie sich Versicherungsschutz gegen Überschwemmung, Starkregen und andere Elementargefahren breiter verfügbar, bezahlbar und dauerhaft versicherbar ausgestalten lässt. Dafür diskutiert die Branche Modelle, die eine breitere Versicherungsabdeckung, stärkere Prävention, risikogerechte Tarife und staatliche Verantwortung für extreme Kumulrisiken zusammenführen. Assekurata bewertet die Bewegung in der Debatte grundsätzlich positiv, warnt aber vor einfachen Lösungen. „Eine isolierte Pflichtversicherung löst das Problem nicht automatisch“, sagt Dennis Wittkamp. „Entscheidend ist ein tragfähiges Gesamtkonzept aus risikogerechten Beiträgen, sozialer Flankierung, verbindlicher Prävention und einer klaren staatlichen Rolle bei Extremrisiken.“

Risikopuffer bleiben für die Stabilität entscheidend

Neben Prävention und risikogerechter Tarifierung bleibt auch die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Versicherer ein zentrales Thema. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig auskömmliche Risikopuffer sind. In stark belasteten Zweigen wie der Kraftfahrt- und Wohngebäudeversicherung wurden Schwankungsrückstellungen marktweit deutlich beansprucht. „Das mildere Schadenjahr 2025 hilft der Branche, ersetzt aber nicht den langfristigen Wiederaufbau von Risikotragfähigkeit“, betont Dennis Wittkamp. „Wenn sich die Ergebnisse stabilisieren, dürfte ein Teil der Erholung auch in die Stärkung der Schwankungsrückstellungen fließen müssen.“ Kurzfristig kann dies Ergebnisbeiträge begrenzen. Aus Bonitätssicht ist der Wiederaufbau jedoch positiv. „Gerade angesichts zunehmender Naturgefahren und volatiler Schadenverläufe bleibt die Fähigkeit, Belastungsspitzen intern abzufedern, ein wesentliches Qualitätsmerkmal“, ergänzt Dr. Reiner Will, Geschäftsführender Gesellschafter der Assekurata.

Künstliche Intelligenz verändert Schadenprozesse

Neben wirtschaftlichen und versicherungstechnischen Fragen wird auch der technologische Wandel die Schaden-/Unfallversicherung weiter prägen. Künstliche Intelligenz kann insbesondere in der Schadenbearbeitung, Betrugserkennung, Dokumentenanalyse und Schadensteuerung eine wichtige Rolle spielen. Einsatzfelder reichen von der Klassifikation eingehender Schadenmeldungen über die Prüfung von Rechnungen, Gutachten und Fotos bis zur Priorisierung komplexer Fälle. „Künstliche Intelligenz ist für Schaden-/Unfallversicherer kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Prozesse schneller, konsistenter und effizienter zu machen“, erklärt Dennis Wittkamp. „Gerade bei hohen Schadenvolumina – etwa nach Unwettern – kann KI helfen, einfache Vorgänge schneller zu regulieren und knappe Fachkapazitäten gezielter einzusetzen.“ Gleichzeitig setzt der Einsatz künstlicher Intelligenz klare Leitplanken voraus. KI kann Entscheidungen vorbereiten, Muster er- kennen und Prozesse unterstützen – die fachliche Verantwortung bleibt aber beim Versicherer“, ergänzt Dr. Reiner Will. Nachvollziehbarkeit, Kontrolle, Datenqualität und Governance werden damit zu zentralen Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Einsatz.   

Ausblick 2026  

Auch 2026 dürfte die Branche weiter wachsen. Der Zuwachs wird aber voraussichtlich spürbar geringer ausfallen als im starken Jahr 2025. Zugleich bleibt die reale Wachstumsdynamik begrenzt. Denn die strukturelle Schwäche der deutschen Wirtschaft bremst Investitionen, Konsum und Beschäftigung und wirkt sich damit mittel- bis langfristig auch auf die Versicherungsnachfrage aus. „Der Ausblick auf 2026 ist gedämpfter“, fasst Dennis Wittkamp zusammen. „Die Branche geht stabiler in das Jahr als noch vor zwölf Monaten. Gleichzeitig darf das aktuelle Beitragswachstum nicht mit dynamischem realem Wachstum verwechselt werden. Es ist in vielen Bereichen vor allem Ausdruck von Preis- und Summenanpassungen.“ Assekurata erwartet ein Beitragswachstum zwischen 3,5 % und 5 %. Besonders in der Kraftfahrtversicherung wird sich zeigen, ob der 2025 erreichte Turnaround nachhaltig ist. In der Wohngebäudeversicherung bleiben Baukosten, Naturgefahren und Prävention zentrale Themen. Zugleich könnten mehr Abschlüsse von Elementardeckungen das Beitragswachstum stützen. Dafür ist jedoch eine konsequente Risikosteuerung erforderlich. Auch in gewerblichen und haftpflichtnahen Sparten dürfte das schwache konjunkturelle Umfeld die Bestandsdynamik weiter begrenzen. „2025 hat der Branche Luft verschafft“, resümiert Dennis Wittkamp. „Für eine nachhaltige Entspannung ist es aber zu früh. Entscheidend wird sein, ob die Versicherer Preisdisziplin, Risikoselektion, Prävention und Kapitalstärkung in den kommenden Jahren konsequent miteinander verbinden.     (mho) 

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