Die Edelmetallpreise werden weiter steigen

17.06.2026

Herbert Behr / Foto: © Golden Gates

Auch 2026 bleiben die Edelmetallmärkte von hoher Dynamik geprägt. Nach den Rekordständen beim Goldpreis zu Jahresbeginn setzte im Frühjahr eine Korrektur ein. Gleichzeitig rückt Silber aufgrund knapper Verfügbarkeiten und steigender Industrienachfrage immer stärker in den Fokus. Im Interview spricht Herbert Behr, CEO der Golden Gates AG, über neueste Entwicklungen bei Gold, Silber, Technologiemetallen und Seltenen Erden, die zunehmenden Versorgungsengpässe und erklärt, warum diese Assets in keinem Anlegerprofil fehlen sollten.

finanzwelt: Herr Behr, Gold gilt in unsicheren Zeiten weiterhin als „sicherer Hafen“. Welche Rolle sollte das Edelmetall heute im Portfolio von Anlegern spielen?

Herbert Behr: Gold und Edelmetalle sollten heute eine wichtige Rolle in jedem Vermögensportfolio spielen. Viele Experten empfehlen inzwischen, rund 20 bis 30 % des Vermögens in Edelmetalle zu investieren, allen voran in Gold. Hintergrund sind die zunehmenden Währungsabwertungen und die wieder steigende Inflation. Gold dient vor allem dem Vermögensschutz und dem Erhalt der Kaufkraft. Deshalb sollten sich Anleger heute stärker denn je mit diesem Thema auseinandersetzen.

finanzwelt: Der Goldpreis hat nach seinen Rekordständen zu Jahresbeginn 2026 zuletzt eine deutliche Korrektur erfahren. Welche Faktoren haben diese Entwicklung ausgelöst? Handelt es sich aus Ihrer Sicht dabei nur um eine gesunde Marktbereinigung oder um eine Trendwende?

Behr: Der starke Anstieg des Goldpreises Ende 2025 und Anfang 2026 kam für viele Marktteilnehmer überraschend. Der Markt war zeitweise deutlich überhitzt, weshalb eine Korrektur aus meiner Sicht absehbar war. In Phasen hoher Preise werden zudem häufig Gewinne mitgenommen, was zusätzlichen Druck auf die Kurse ausübt. Ich sehe darin allerdings keine grundlegende Trendwende, sondern eher eine gesunde Marktbereinigung. Steigende Goldpreise lösen erfahrungsgemäß zwei Entwicklungen gleichzeitig aus. Zum einen steigt die Nachfrage der Anleger deutlich an, weil viele Menschen den Wertverlust ihrer Währungen fürchten und in Gold investieren möchten. Zum anderen nutzen viele Anleger die hohen Kurse für Verkäufe beziehungsweise Umschichtungen. Aktuell bewegen sich die Preise eher seitwärts und man darf nicht vergessen, dass wir trotz der Korrektur immer noch auf einem Niveau liegen, das Anfang Januar 2026 erreicht wurde. Von einem dramatischen Einbruch kann also keine Rede sein. Künftig werden wir allerdings mit stärkeren Volatilitäten rechnen müssen, insbesondere bei Silber, das traditionell deutlich schwankungsanfälliger ist als Gold. Langfristig gehe ich dennoch davon aus, dass die Edelmetallpreise weiter steigen werden.

finanzwelt: Silber konnte Gold im vergangenen Jahr deutlich outperformen. Was sind die Gründe dafür?

Behr: 2025 war für Silber ein historisches Jahr. Rein rechnerisch wurde erstmals die gesamte weltweite Silberförderung von der Industrie absorbiert. Für Anleger blieb damit kaum noch zusätzliches Angebot übrig. Das sorgt aktuell für einen erheblichen Druck auf den Silbermarkt. Viele Händler und Großhändler haben bereits Schwierigkeiten, ausreichend Silber zu beschaffen. Gleichzeitig steigt die industrielle Nachfrage weiter an. Hinzu kommt, dass China seit Anfang des Jahres den Silberexport stark eingeschränkt hat, wodurch sich das Angebot zusätzlich verknappt. Diese Kombination aus hoher Nachfrage und begrenztem Angebot dürfte die Silberpreise weiter antreiben. Allerdings wird Silber auch künftig deutlich volatiler bleiben als Gold. Insgesamt rechne ich daher in den kommenden Monaten und Jahren mit weiter steigenden Silberpreisen.

finanzwelt: Wie schätzen Sie die Entwicklung des Silberpreises bis Jahresende ein?

Behr: Ich halte es für möglich, dass Silber bis Jahresende wieder die Marke von 150 US-Dollar je Feinunze erreicht. Je nach weiterer Entwicklung der Weltwirtschaft und möglicher neuer Krisenherde könnten sogar Kurse von bis zu 180 US-Dollar denkbar sein. Geopolitische Konflikte wie zuletzt der Iran-Krieg hatten auf die Edelmetalle bislang allerdings weniger Einfluss als frühere Krisen, etwa der Ausbruch des Ukraine-Krieges. Dennoch bleibt das Marktumfeld insgesamt angespannt. Meine persönliche Einschätzung ist daher, dass Silber weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial besitzt – allerdings verbunden mit einer hohen Volatilität.

finanzwelt: Wie bewerten Sie die Entwicklungen bei Technologiemetallen und Seltene Erden?

Behr: Bei Technologiemetallen und Seltenen Erden sehen wir insgesamt eine kontinuierlich positive Preisentwicklung. Gleichzeitig wird die Versorgungslage zunehmend kritischer. Vor allem China exportiert seit Monaten deutlich weniger Seltene Erden. Die dortigen Produzenten benötigen spezielle Lizenzen, die nur schwer zu erhalten sind. Dadurch ist der Weltmarkt stark eingeschränkt. Die europäische und insbesondere die deutsche Industrie sucht daher händeringend nach alternativen Bezugsquellen. Ähnliche Engpässe sehen wir auch bei vielen Technologiemetallen. Einige Länder exportieren deutlich weniger als früher, weshalb sich die langfristige Beschaffung zunehmend schwieriger gestaltet. Teilweise mussten wir deshalb bereits Metalle aus unserem Portfolio nehmen. Parallel dazu steigen die Preise aufgrund der hohen Nachfrage weiter an. Langfristig bleiben Technologiemetalle und Seltene Erden aus meiner Sicht sehr interessant. Kritisch bleibt allerdings die Frage der Verfügbarkeit, denn die Industrie wird bei der Versorgung immer Vorrang vor privaten Anlegern haben. In diesem Markt hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr viel verändert.

finanzwelt: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Geschäftsverlauf Ihres Unternehmens in diesem Jahr? Wie ist Ihr Ausblick für das Gesamtjahr 2026?

Behr: Die ersten Monate des Jahres 2026 verliefen für uns außerordentlich erfolgreich. Von Januar bis März haben wir jeweils Rekordumsätze erzielt – so hohe Umsätze wie in den vergangenen Monaten hatten wir in der Unternehmensgeschichte noch nie. Auch wenn sich das Geschäft aktuell etwas beruhigt hat, liegen wir im Vergleich zum Vorjahr weiterhin deutlich im Plus. Für das Gesamtjahr rechnen wir weiterhin mit einem sehr starken Wachstum. Dazu tragen auch interne Investitionen bei, etwa eine neue Verwaltungssoftware, die unsere Prozesse deutlich verbessert hat. Gleichzeitig konnten wir neue Vertriebspartner gewinnen, die unsere Produkte erfolgreich vermarkten. Positiv entwickelt sich zudem unser internationales Geschäft. Neben dem deutschen Markt sind wir insbesondere in Österreich und Ungarn sehr erfolgreich positioniert und bauen unsere Präsenz in weiteren europäischen Ländern kontinuierlich aus. (mho)