Die Marktlage bietet vielfältige Optionen
16.06.2026

Maximilian Kreitmeier (mi.) und Thiemo Volkholz (re.) im Gespräch mit Chefredakteur Alexander Heftrich / Foto: © finanzwelt
Welche Investmentlösungen stehen aktuell hoch im Kurs? Werden aktive ETFs bereits vermehrt nachgefragt? Ist Nachhaltigkeit komplett „out“? Anfang Mai befragte finanzwelt mit Thiemo Volkholz, Head of Retail/Wholesale Business Germany, Austria and CEE bei AllianceBernstein, und Maximilian Kreitlmeier, Teamleiter Portfoliomanage ment und Analyse bei der Fonds Finanz Maklerservice GmbH, zwei Experten zu ihrer Einschätzung.
finanzwelt: Meine Herren, die diffuse Lage an den Kapitalmärkten treibt viele um. Wie schätzen Sie die aktuelle Gemengelage ein?
Maximilian Kreitlmeier: Ich denke, man muss an dieser Stelle klar zwischen den geopolitischen Krisenherden, die zweifelsohne die Wirtschaft belasten, und den für die Börsianer wichtigen Fundamentaldaten der Unternehmen unterscheiden. Im Fall Iran geht es nicht um eine systemische Wirtschaftskrise, sondern um eine geopolitisch herbeigeführte Energie- und Transportkrise. Was die Indizes und Kurse aber weiter antreibt, sind die steigenden Gewinne vieler Unternehmen.
Thiemo Volkholz: Ich stimme zu. Die Aktienmärkte setzen ihren Aufwärtstrend fort, da sie sich auf die Unternehmenskennzahlen fokussieren. Gerade mit Blick auf die US-Berichtssaison wird das deutlich. An den Märkten wird nicht primär Fantasie eingepreist, sondern reale Ergebnisse. Der Aufschwung erstreckt sich über viele Sektoren und wird nicht von wenigen Highflyern getragen. Das unterscheidet die aktuelle Lage prinzipiell auch von vorherigen Krisen und Blasenbildungen.
finanzwelt: Kommen wir auf die Produktlandschaft zu sprechen. ETFs sind seit geraumer Zeit in aller Munde. Viele Gesellschaften bringen aktive ETFs an den Markt. Herr Volkholz, Ihr Haus geht mit mehreren aktiven Anleihen-ETFs in Europa an den Start. Was macht den Charme dieser Produkte aus?
Volkholz: Zunächst ist es wichtig und sozusagen der erste Schritt, den Kunden mit seinen Bedürfnissen zu verstehen und abzuholen. Wenn das klar ist, schließt sich die Suche nach der entsprechenden Fondsstruktur an. Für viele Kun den bleibt bei ETFs, trotz Transparenz, der Verzicht auf das Outperformance-Potenzial ein nicht zufriedenstellender Kompromiss. Zwar wird Kosteneffizienz erzielt, aber dafür ohne Chance auf Alpha. Aktive ETFs schließen diese Lücke.
finanzwelt: Wie schaut es mit der Nachfrage bei aktiven ETFs aus?
Kreitlmeier: Wir sprechen hier von einem vergleichsweise jungen Segment, vor allem in Europa und Deutschland. Insofern sehen wir bis dato eine eher zaghafte Nachfrage nach entsprechenden Produkten. Generell gesprochen bereichern aktive ETFs die Produktpalette und letztlich liegt es am Kunden, für welche Struktur und Strategie er sich entscheidet.
finanzwelt: Viel wird über Wissen und Aufklärung in diesem Zusammenhang gesprochen. So sind ETFs populär, das Know-how bei den Kunden aber verhältnismäßig bescheiden.
Kreitlmeier: Die Branche hat beispielsweise ETFs sehr erfolgreich als einfache, transparente und kosteneffiziente Lösung positioniert. Sobald es jedoch um die Auswahl oder um die Risikoeinschätzung geht, wird es eben schnell komplex. Da setzt Aufklärungsarbeit weiter an. Industrie und Anleger sind gleichermaßen gefordert. Was bedeutet es beispielsweise konkret, ein hohes US-Exposure im Portfolio zu haben? Dennoch sollte man das große Bild nicht aus den Augen verlieren. In den vergangenen Jahren sind viele Sparer erstmals zu Investoren geworden. Eine gute Entwicklung, die natürlich auch mit den tendenziell steigenden Märkten einherging.
Volkholz: Selbstentscheider müssen sich eingehend mit den Produkten beschäftigen und anhand der jeweiligen Lebenssituation entscheiden, welches Risiko sie bereit sind zu tragen. Auf der anderen Seite gibt es die Mehrheit an Anlegern, die sich des Rates von Vermittlern oder anderen Intermediären bedienen. Diese sind wiederum gefordert, sozusagen unter die Motorhaube zu schauen und zu prüfen, was im Produkt wirklich drinsteckt.
finanzwelt: Speziell in den vergangenen Wochen ging es turbulenter zu. Dem Abverkauf Ende März folgte die Gegenbewegung. Wie haben die Investoren darauf reagiert?
Kreitlmeier: So etwas wie Panik haben wir im Markt nicht gesehen. Manche Anleger waren vielleicht verunsichert und fragten sich, wie es weitergeht. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre hat uns gezeigt, dass nach abrupten Tiefs häufig eine starke Gegenbewegung einsetzte – zum Teil sogar mit neuen Höchstständen, auch wenn das natürlich keine Garantie darstellt. Volatile Phasen gehören zum Börsenleben – der Kapitalmarkt ist keine Einbahnstraße.
finanzwelt: Lange Zeit stand der US-Markt unangefochten an der Spitze. Im vergangenen Jahr las man viel über die Wiederentdeckung Europas. Haben Sie das auch gespürt, Herr Volkholz?
Volkholz: Nicht grundlos haben die US-Aktien die europäischen Märkte in den vergangenen Jahren deutlich geschlagen. Eine stärkere Wirtschaft und insbesondere technologische Innovationen haben zu dieser Outperformance beigetragen. Vor allem die hohen Bewertungsunterschiede zwischen den USA und Europa haben dazu geführt, dass europäische Aktien im vergangenen Jahr stärker nach gefragt wurden. Allerdings haben wir bereits Ende 2025 eine erneute Rotation hin zu den USA feststellen können. Ein Trend, der dann einsetzte, war die Wiederentdeckung der Schwellenländeraktien. Ein schwächerer US-Dollar, sich verbessernde Fundamentaldaten sowie eine verbreiterte Führungsrolle über Länder und Sektoren hinweg stützten das Marktumfeld. Insbesondere die asiatischen Märkte haben davon profitiert. Die Regionalität der Investments hat an Bedeutung zugenommen und das reine Fokussieren auf gehypte Themen etwas abgelöst.
Kreitlmeier: Das kann ich so nur bestätigen. Rückblickend hatten es die Märkte der Schwellenländer nicht leicht. Die Performances sorgten eher für Gegen- als für Rückenwind. Das hat sich nun gewandelt. Kunden schichten um, erken nen zunehmend die Attraktivität dieser Märkte und erzielen wieder ordentliche Renditen. Auch Lateinamerika spielt wieder eine größere Rolle in den Portfolios und Vermittler haben die Möglichkeit, im Gespräch mit den Kunden diese breite Anlageklasse im Rahmen der Diversifikation zu integrieren. Damit schließt sich auch der Kreis zu den zuvor ge nannten Punkten: Gerade Investments in Schwellenländern eignen sich besonders für aktives Fondsmanagement, um den Markt outzuperformen.
Volkholz: Schwellenländer sind eher kein Markt für Index treue. Eher die Spielwiese für aktive Fonds, die dort selektiv investieren, wo Substanz vorhanden ist.
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Robustes Wachstum in den USA





