Die Marktlage bietet vielfältige Optionen
16.06.2026

Maximilian Kreitmeier (mi.) und Thiemo Volkholz (re.) im Gespräch mit Chefredakteur Alexander Heftrich / Foto: © finanzwelt
finanzwelt: Wenn wir über Trends reden, fällt sofort das Stichwort der „Demokratisierung der Privatmärkte“. Wie stehen Sie hierzu?
Volkholz: Alternative Investments, so auch der ELTIF 2.0, erfordern viel Fachwissen, um den Anlageansatz zu durch leuchten. Es sind Langfristinvestments mit einer festgelegten Laufzeit von mehreren Jahren. Ein ‚Gating‘ begrenzt dabei in der Regel den maximalen Betrag, der für einen bestimmten Zeitraum zurückgegeben werden kann. Das alles sind Überlegungen, die Anleger berücksichtigen sollten. Die zentrale Frage lautet daher, an welche Anlegergruppe ich dieses Produkt adressiere und ob die Person beispielsweise eine längere Phase der Illiquidität aushalten kann und möchte.
finanzwelt: Ein Thema, was auch wieder etwas an Zug kraft gewonnen hat, sind gemischte Portfolios. Sehen Sie verstärkte Nachfrage nach Multi-Asset, Herr Kreitlmeier?
Kreitlmeier: Für viele Kunden sind Multi-Asset-Fonds ein gutes Einsteigerprodukt oder Investment. Die Spielarten sind vielfältig, von defensiv bis offensiv. Sicherlich hat das höhere Zinsniveau auch dazu beigetragen, dass diese An lageklasse wieder etwas Rückenwind bekommen hat. Hinzu kommen Rohstoffe als weitere potenzielle Ertragsquelle. In sofern sehen wir wieder stärkeres Interesse an entsprechen den Fondslösungen.
Volkholz: Auch bei uns im Hause spüren wir eine verstärkte Nachfrage nach Multi-Asset-Produkten. Beispielsweise auch in Kombination mit der erwähnten Rückkehr der Emerging Markets. Da bieten wir zum Beispiel ein interessantes Produkt an, das zwischen EM Aktien und EM Renten selbstständig allokiert – ein Multi-Asset-Emerging-Markets Basisinvestment als Multi-Asset-Lösung. Auf der anderen Seite haben wir Multi-Asset-Income-Fonds, die insbesondere hierzulande auf positive Resonanz stoßen. Hier ergibt sich die Möglichkeit auf regelmäßiges Einkommen durch Investitionen in ertragsstarke Anlageklassen und entsprechend planbare Ausschüttungen.
finanzwelt: Von gemischten Portfolios zum Thema Nachhaltigkeit. Es war mal ein Dauerbrenner. Ist die Zeit end gültig vorbei?
Kreitlmeier: Das sehen wir nicht. Aktuell gibt es aber vergleichsweise wenig Nachfrage in diesem Bereich. Das hat in erster Linie mit den sich veränderten Gegebenheiten in der Welt zu tun. Energie, Rohstoffe und Rüstung waren im Zuge der Kriege plötzlich gefragt, während das Thema Nachhaltigkeit in den Hintergrund gedrängt wurde. Zugleich stellt sich die Frage nach einer zeitgemäßen, dynamischen Definition dieses Begriffes.
Volkholz: Der Hype um ESG ist vorbei. Wirtschaftliche Unsicherheit und politischer Gegenwind prägen den Alltag. Doch es gibt nach wie vor jene Anleger, die Nachhaltigkeit als strategisch wichtig erkannt haben, und sich davon nicht abhalten lassen, dass das Thema nicht mehr im Trend liegt.
finanzwelt: Welche Themen haben nach wie vor Potenzial, wo erkennen Sie die besten Chancen?
Kreitlmeier: Ein breites Spektrum von Technologie, KI, aber auch Energie und Rohstoffe finden wir spannend und aussichtsreich. Industriewerte in Verbindung mit KI sind vielversprechend, da Prozesse optimiert, Ressourceneinsatz reduziert und neue datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglicht werden können. Auch die Pharma- und Chemieindustrie steht vor einer technologischen Zäsur. Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil der Unternehmensrealität.
Volkholz: Ich fokussiere mich auf den Schwerpunkt Qualität. In letzter Zeit ist der Faktor Qualität gegenüber anderen Faktoren wie Bewertung oder Größe in den Hintergrund getreten. Dabei ist er gerade heute besonders attraktiv. Unter nehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen und hoher Rentabilität sind oft führend in ihrer Branche. Dank dieser Eigenschaften sind Qualitätsaktien eine Grundlage für langfristige Investitionen.
finanzwelt: Wie lautet Ihr abschließender Rat an die An leger, Herr Volkholz?
Volkholz: Mein einziger Rat an Investoren ist, dass sie die Möglichkeit der Diversifikation nutzen sollten. Wir sehen aktuell einen nach wie vor stabilen Markt, der jedoch mit Risiken behaftet ist. Eine zu enge Fokussierung auf mögliche Outperformance einzelner Segmente könnte zu kurz greifen. Daher streuen über Stile und den Faktor Qualität präferieren. (ah)

Robustes Wachstum in den USA





