Die Vorsorgelücke von Frauen schließen
23.06.2026

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Frauen zahlen immer noch deutlich weniger als Männer in die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge ein, mit spürbar niedrigeren Alterseinkünften als Ergebnis. Der Gender Pension Gap ist vor allem Folge struktureller Unterschiede in den Erwerbsbiografien beider Geschlechter.
Frauen übernehmen weiterhin einen Großteil der Care-Arbeit, arbeiten häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit öfter und sind überproportional in schlechter bezahlten Berufen vertreten. Aus dieser Herausforderung ergibt sich ein großes Potenzial für Vermittler zur gezielten Ansprache von Frauen. Eine individuelle Beratung und regelmäßiges Sparen, auch in kleinen Beträgen, können helfen, Versorgungslücken bei Frauen gezielt zu schließen und langfristig finanzielle Unabhängigkeit zu sichern.
Gender Pension Gap Studie des GDV
Eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Zusammenarbeit mit Prognos zum Gender Pension Gap verdeutlicht die weiterhin erhebliche finanzielle Ungleichheit in der Altersvorsorge zwischen Männern und Frauen. Auf Basis der Rentenzahlbeträge aller deutschen Landkreise für das Jahr 2023 zeigt sich: Männer erhalten im Bundesdurchschnitt rund 52 % mehr gesetzliche Rente als Frauen. Konkret bedeutet das: Während Frauen monatlich durchschnittlich 936 Euro beziehen, liegt der Betrag bei Männern um 491 Euro höher. Besonders ausgeprägt ist der Gender Pension Gap in Westdeutschland. Hier beziehen Männer sogar 66 % mehr gesetzliche Rente als Frauen. Deutlich geringer fällt die Lücke in Ostdeutschland mit 16 % aus. Ein Unterschied, der maßgeblich auf die historisch höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen in den neuen Bundesländern zurückzuführen ist. Trotz dieser Diskrepanz zeigt sich laut GDV-Studie eine positive Entwicklung: Die Renten von Frauen sind in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von 62 % deutlich stärker gestiegen als die der Männer (30 %). Dennoch bleibt die strukturelle Benachteiligung bestehen. Ursachen sind vor allem unterbrochene Erwerbsbiografien, häufigere Teilzeitbeschäftigung sowie eine überproportionale Beschäftigung in geringer vergüteten Berufen.
Abhilfe schaffen könnte ein partnerschaftliches Vorsorgeverständnis, bei dem das Haushaltseinkommen gemeinsam und ausgewogen für die Altersvorsorge eingesetzt wird. Damit würden auch Care-Leistungen indirekt berücksichtigt. Ergänzend gewinnt die betriebliche Altersversorgung an Bedeutung. Durch staatliche Förderung und Arbeitgeberzuschüsse ist sie bereits bei geringen Eigenbeiträgen ein effizienter Baustein, dessen Attraktivität durch Reformen weiter steigen könnte, so die Studie. Entscheidend bleibt zudem der Faktor Zeit. Wer früh mit dem Sparen beginnt, profitiert vom Zinseszinseffekt und kann mit vergleichsweise niedrigen Beiträgen eine solide Altersvorsorge aufbauen.
AXA Vorsorge Report: Frauen sorgen sich um Altersarmut
Dass die Sorge um die eigene finanzielle Zukunft unter Frauen in Deutschland ungebrochen hoch ist, zeigt der AXA Vorsorge Report. Demnach erwarten 41 % der Frauen, dass sich ihre Lebensqualität im Ruhestand verschlechtern wird. Mehr als jede vierte Frau fürchtet sogar, im Ruhestand in Armut zu geraten. Für den AXA Vorsorge Report wurden im August 2025 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von AXA 2.009 Personen repräsentativ nach Alter und Geschlecht befragt. Jede zweite Frau würde gern mehr fürs Alter zurücklegen, kann es sich jedoch finanziell nicht leisten. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Frauen, die mehr vorsorgen wollen, aber nicht können, um drei Prozentpunkte auf 51 % gestiegen.
36 % der Frauen geben an, aktuell gar nicht für ihre Altersvorsorge zu sparen, bei Männern ist dieser Wert mit 34 % etwas niedriger. Dennoch ist Sparen nicht grundsätzlich eine Frage des Geschlechts: Jeweils 21 % beider Geschlechter sparen überhaupt nicht, unabhängig davon, für welches Ziel. Werden Rücklagen gebildet, fließen sie bei vier von zehn Frauen in Reisen und Urlaube, bei Männern sind es 36 %. Auch bei der Finanzplanung im Alter zeigen sich Unterschiede: Während 32 % der Männer ihren künftigen Bedarf im Ruhestand bereits kalkuliert haben, trifft dies nur auf 27 % der Frauen zu. Gleichzeitig fühlen sich Frauen stärker von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betroffen: 43 % geben an, dass gestiegene Preise ihre Möglichkeiten zur Altersvorsorge verschlechtert haben, 37 % sind es bei den Männern.
Financial Freedom Report 2025: Berufsunfähigkeitslücke bei Frauen
Die stärkere Vorsorgelücke von Frauen betrifft jedoch nicht nur die Altersvorsorge, sondern auch andere Bereiche wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. So zeigt der Financial Freedom Report 2025 bei Frauen eine deutliche Diskrepanz zwischen Risikobewusstsein und Absicherung in diesem Bereich. Demnach sorgen sich 43,5 % der befragten Frauen davor, im Laufe ihres Berufslebens länger krankheitsbedingt auszufallen, bei Männern sind es lediglich 30,7 %. Frauen haben damit ein ausgeprägteres Bewusstsein für Einkommensrisiken und finanzielle Sicherheit. Dennoch schlägt sich dieses Bewusstsein nur begrenzt in konkretem Handeln nieder. Lediglich 32,6 % der Frauen verfügen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung und damit deutlich weniger als Männer.
Fazit
Die Studien zeigen, dass Frauen in der Altersvorsorge nach wie vor strukturell benachteiligt, zugleich aber zunehmend sensibilisiert sind für finanzielle Risiken. Genau hier liegt die Chance für Vermittler und Berater. Eine gezielte Ansprache und Beratung von Frauen könnten entscheidend dazu beitragen, den Gender Pension Gap langfristig zu reduzieren. Besonders wichtig sind dabei kontinuierliches Sparen, die Nutzung betrieblicher Angebote und ein ganzheitlicher Blick auf unterschiedliche Lebensphasen. Wer als Makler Frauen aktiv begleitet, stärkt nicht nur deren finanzielle Unabhängigkeit, sondern erschließt auch ein wachsendes und langfristig relevantes Beratungspotenzial. (mho)

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