"Erneuerbare sind gekommen, um zu bleiben"
04.07.2026

Jan Niklas Steg - Foto: Sunpeak Capital
"Erneuerbare sind gekommen, um zu bleiben", sagt Jan Niklas Steg, Geschäftsführer und Mitgründer von Sunpeak Capital. Mit ihm sprachen wir über die Idee steuerbegünstigter Investments in Solaranlagen für Gutverdiener.
finanzwelt: Was macht den Reiz von Investments in Erneuerbare Energien im Allgemeinen aus?
Jan Niklas Steg: Erneuerbare-Energien-Anlagen liefern langfristig planbare Erträge, die zu einem gewissen Grad durch die EEG-Vergütung abgesichert sind. Es handelt sich um ein Sachwertinvestment mit Inflationsschutz, das zudem nur gering mit anderen Asset-Klassen wie Aktien oder Immobilien korreliert. Außerdem: Der Energiebedarf steigt massiv - durch die Energiewende selbst, aber auch durch neue Verbraucher. Der Stromverbrauch Deutschlands wird von 2023 bis 2030 voraussichtlich um über 42 Prozent zulegen. Entwicklungen wie KI und Rechenzentren beschleunigen diesen Wandel zusätzlich. Für Investoren heißt das: bankfähige Investments in einem strukturellen Wachstumsmarkt - und obendrauf die Möglichkeit, signifikant Steuern zu sparen.
finanzwelt: Können Sie uns Ihr Geschäftsmodell etwas erläutern?
Steg: Der Kern ist der Investitionsabzugsbetrag nach §7g EStG, kurz IAB. Er erlaubt eine vorgezogene Abschreibung: Bis zu 50 Prozent der geplanten Investitionssumme können bereits vor dem Kauf steuermindernd geltend gemacht werden. Kombiniert man das mit einer Fremdkapitalfinanzierung, entsteht ein doppelter Vorteil - das Investment wird gehebelt, und das Eigenkapital kommt im Wesentlichen aus einer Steuererstattung, die sonst ans Finanzamt gegangen wäre. So lässt sich ein Investment über mehrere hunderttausend Euro mit keinem oder kaum eigenem Kapitaleinsatz realisieren.
finanzwelt: Wie sieht das aus Sicht des Anlegers aus?
Steg: Ein konkretes Rechenbeispiel: Man plant, 200.000 Euro zu investieren. Davon kann man bis zu drei Jahre vorab 100.000 Euro steuerlich geltend machen. Beim Spitzensteuersatz von 42 Prozent bekommt man 42.000 Euro erstattet. Statt die Anlage dann bar zu bezahlen, finanziert man sie mit 20 Prozent Eigenkapital und 80 Prozent Fremdkapital - man muss also 40.000 Euro mitbringen. Diese 40.000 Euro sind durch die Steuererstattung bereits gedeckt. Die Anlage selbst ist so profitabel, dass sie alle Betriebskosten, Zinsen und Tilgung bedient und nach Steuern immer noch einen positiven Cashflow erwirtschaftet. Im Jahr der Inbetriebnahme kommen dann noch Sonderabschreibung und der Investitionsbooster dazu. Dadurch entsteht erneut Liquidität, die für das laufende Investment oder neue Investments genutzt werden kann. In Summe sind so außergewöhnlich hohe Eigenkapitalrenditen erzielbar. Wichtig dabei: Es handelt sich um ein Direktinvestment. Man kauft keinen Fondsanteil, sondern wird tatsächlich Eigentümer einer PV-Anlage - mit eigenen Modulen, eigenem Wechselrichter, eigenen Kabeln und eigener Unterkonstruktion.
finanzwelt: Was ist Ihre Rolle dabei?
Steg: Wir sourcen und prüfen Projekte von etablierten Projektentwicklern, strukturieren sie als Investment und begleiten den Investor durch den gesamten Prozess - von der IAB-Bildung über die Finanzierung bis zur Inbetriebnahme. Dabei arbeiten wir eng mit Steuerberatern und Finanzierungspartnern zusammen.
finanzwelt: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Steg: Ich habe während meines MBAs im Venture Capital mit Fokus auf erneuerbare Energien gearbeitet. Mein Geschäftspartner Konstantin hat während des Studiums ein Unternehmen in einem ganz anderen Bereich aufgebaut und erfolgreich verkauft - und sich dabei keine Gedanken über Steueroptimierung gemacht. Die Steuerlast danach war entsprechend hoch. Kennengelernt haben wir uns bei einem PV-Finanzierer, wo wir gemeinsam den deutschen Markt aufgebaut haben. Dort hatten wir mit sehr vielen Projektentwicklern zu tun, die auch IAB-Investments anbieten. Wir haben das Potenzial erkannt und uns damit selbständig gemacht.
finanzwelt: An welche Voraussetzungen ist ein Investment geknüpft?
Steg: Wer den Steuermechanismus nutzt, hat drei Jahre Zeit, die Investition tatsächlich umzusetzen. Es muss ein unternehmerisches Investment sein - dafür gründet man eine Personengesellschaft, was unkompliziert möglich ist. Die Anlage muss eine trennscharf abgrenzbare Einheit sein, also ein echtes Direktinvestment mit eigenem Wechselrichter. Darüber hinaus gilt: Der Mechanismus lohnt sich vor allem bei hoher Steuerlast, idealerweise im Spitzensteuersatz. Der Betrieb, der den IAB bildet, darf die Gewinngrenze nach §7g EStG nicht überschreiten. Für die Fremdfinanzierung braucht es eine entsprechende Bonität. Und die steuerliche Umsetzung sollte immer in Abstimmung mit dem eigenen Steuerberater erfolgen.
finanzwelt: Wie kommt Ihre Geschäftsidee im Markt an?
Steg: Sehr gut - und das liegt auch daran, dass wir uns das Modell nicht ausgedacht haben. Es existiert seit 2008. Der Markt ist etabliert, es gibt viele Anbieter, und es ist ein Milliardenmarkt: Jedes Jahr fließen auf diesem Weg Milliarden an privatem Kapital in Erneuerbare-Energien-Anlagen. Wir selbst haben in den letzten anderthalb Jahren gut 60 Millionen Euro privates Kapital in Erneuerbare vermittelt.
finanzwelt: Wie schauen Sie generell auf die Zukunft der Erneuerbaren?
Steg: Erneuerbare sind gekommen, um zu bleiben. Durch Batteriespeicher wird das System immer flexibler. Die Nachfrage nach Energie steigt, und gleichzeitig müssen wir uns unabhängiger von Energieimporten machen - nichts hilft dabei mehr als erneuerbare Energien. Sie machen uns auch resilienter: In der Ukraine sieht man derzeit, dass ein großer Teil der Stromversorgung aus dezentralen PV-Anlagen kommt, weil zentrale Infrastruktur zerstört wurde. Der Ausbau wird weitergehen, allein schon, weil wir ihm massiv hinterherhinken.

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