Warum Holz plötzlich zu den spannendsten Investments der Zukunft zählt
03.07.2026

Foto: © Jörg H. Schäfer
Holz riecht nicht nach Finanzmarkt. Eher nach Werkhalle, Waldboden, vielleicht noch nach Ferienhaus. Genau das macht den Rohstoff für Investoren plötzlich interessant. „Ein Baum wächst nicht schneller oder langsamer, weil Aktienmärkte steigen oder fallen“, sagt Gastautor Jörg H. Schäfer, Gründer der TREECYCLE AG und der Global TREE Project AG. Während ESG-Fonds unter Rechtfertigungsdruck geraten und die Bauindustrie nach CO₂-ärmeren Materialien sucht, rückt Wald aus der Nische. Es geht um Rendite, Regulierung, Rohstoffzugang und die Frage, wem die Flächen der Zukunft gehören.
Wenn institutionelles Kapital in Wald investiert
Ende April 2026 hat die BTG Pactual Timberland Investment Group den bislang größten Wiederaufforstungsfonds der Geschichte geschlossen. Es wurden 1,24 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Zu den Investoren gehören unter anderem die IFC (Weltbank-Gruppe), die deutsche Entwicklungsbank DEG, der New Zealand Superannuation Fund, Tokio Marine und Microsoft.
Wer diese Investoren kennt, weiß: Die rechnen. Rendite, Risiko, Liquidität. Keine Imagepflege, keine Greenwashing-PR. Und sie alle haben in Wald investiert.
Das ist kein Nischenphänomen mehr, sondern Ausdruck einer strukturellen Verschiebung institutioneller Kapitalströme. Denn wenn globale Pensionsfonds, Entwicklungsbanken und Technologiekonzerne in großem Stil in Wald investieren, geschieht das nicht aus Idealismus. Es geht um Rendite, Rohstoffsicherung, Inflationsschutz und reale Vermögenswerte.
Warum Holz gerade jetzt strategisch interessant wird
Warum gerade jetzt?
Drei Entwicklungen überlagern sich gerade in einer Art, die Holz als Asset strukturell attraktiver macht als je zuvor.
Holz wird zum Schlüsselrohstoff der Bauindustrie
Erstens: Der globale Rohstoffmarkt. Holz ersetzt in der Architektur zunehmend Stahl und Beton. Das 86,6 Meter hohe Hybridholzgebäude in Milwaukee ist kein Einzelfall, sondern ein Vorbote einer neuen Entwicklung im Bauwesen. Die EU-Taxonomie beschleunigt die Abkehr von CO₂-intensiven Materialien zusätzlich. Gleichzeitig ist Russland seit 2022 als Holzlieferant für Europa weitgehend ausgefallen. Der Druck auf bestehende Ressourcen steigt weltweit.
Aufforstung wird Teil der Klimastrategie großer Konzerne
Zweitens: Der Kohlenstoffmarkt wächst rasant. Microsoft und Meta haben mit dem BTG Pactual Fonds zwei der größten naturbasierten Kohlenstoffvereinbarungen der Geschichte geschlossen. Das erste Projekt wurde unter Verras neuer ARR-Methodik VM0047 zertifiziert. Was das bedeutet: Aufforstung ist nicht mehr nur Rendite-Story, sondern auch Compliance-Lösung für Unternehmen mit verbindlichen Klimazielen.
Warum Greenwashing dem Sachwert Holz in die Hände spielt
Drittens: Der regulatorische Druck auf Greenwashing nimmt massiv zu. Ab dem 27. September 2026 werden unbelegte Aussagen wie „klimaneutral“, „grün“ oder „nachhaltig“ in Deutschland deutlich schärfer reguliert. Gleichzeitig steht der ESG-Markt zunehmend unter Druck. Laut einer Studie von Urgewald und Finanzwende investiert ein erheblicher Teil als „nachhaltig“ vermarkteter Fonds weiterhin in fossile Energieunternehmen. Das Vertrauen vieler Anleger in klassische ESG-Produkte beginnt zu bröckeln.
Timberland: Die unterschätzte Anlageklasse institutioneller Investoren
Hinzu kommt eine Entwicklung, die viele private Anleger bislang kaum wahrgenommen haben: Timberland zählt seit Jahrzehnten zu den etablierten Anlageklassen großer Vermögensverwalter und institutioneller Investoren. Der NCREIF Timberland Index zeigt für US-amerikanische Forstinvestments zwischen 2020 und Anfang 2025 eine durchschnittliche Jahresrendite von 7,93 Prozent – bei gleichzeitig deutlich geringerer Volatilität als viele Aktien- oder Anleiheindizes.
Das liegt an einer strukturellen Besonderheit: Biologisches Wachstum verläuft weitgehend unabhängig von Börsenzyklen. Ein Baum wächst nicht schneller oder langsamer, weil Aktienmärkte steigen oder fallen. Genau diese geringe Korrelation zu klassischen Finanzmärkten macht Waldinvestments zunehmend interessant – nicht nur für institutionelle Anleger, sondern auch für private Investoren, die nach realen Sachwerten suchen.
Wald als generationenübergreifender Vermögensspeicher
Interessant ist dabei ein Blick in die Geschichte: Waldflächen gehörten über Jahrhunderte hinweg zu den bevorzugten Vermögenswerten europäischer Adelsfamilien, kirchlicher Institutionen und großer Familienstiftungen. Während Währungen an Wert verloren, politische Systeme wechselten und Inflation ganze Vermögen vernichtete, blieben Land- und Forstbesitz reale Werte mit Substanz.
Bis heute befinden sich große Teile des deutschen Privatwaldes im Besitz historischer Familienstrukturen. Für viele Vermögensinhaber gelten Waldflächen deshalb weniger als kurzfristiges Investment, sondern vielmehr als generationenübergreifender Vermögensspeicher.
Die entscheidende Frage der kommenden Jahrzehnte
Der globale Holzbedarf dürfte in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Gleichzeitig nehmen verfügbare Waldressourcen weltweit ab.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Holz ein strategischer Rohstoff bleibt, sondern wer künftig Zugang zu nachhaltig bewirtschafteten Flächen haben wird.
Über Jörg Schäfer:
Jörg H. Schäfer ist Unternehmer und Gründer der TREECYCLE AG sowie der Global TREE Project AG. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit nachhaltigen Investmentkonzepten, insbesondere im Bereich Aufforstung und realen Sachwertstrategien. Internationale Aufmerksamkeit erhielt eines seiner Projekte 2023 durch einen Guinness-Weltrekord für das weltweit größte Naturlogo auf über 40 ha nur aus Bäumen. www.treecycle.ch

LHI Gruppe und Versicherungskammer Tecta Invest kooperieren





