Beim KI-Goldrausch verdienen aktuell die Schaufelhersteller
02.07.2026

Robert Beer - Foto: Copyright Robert Beer Management GmbH
Während der Durchschnitt dynamischer Mischfonds in den vergangenen zwölf Monaten rund 17 Prozent erzielt hat, lag der RB LuxTopic Flex bei etwa 50 Prozent, der auch seit Jahresstart 30 Prozent vorne liegt. Das Fondsvolumen ist auf über 260 Mio. € deutlich gestiegen. finanzwelt im Interview mit Dipl.-Ing. Robert Beer zum RB LuxTopic Flex.
finanzwelt: Herr Beer, das Marktumfeld zeigt sich weiterhin anspruchsvoll und volatil. Dennoch blicken Sie auf ein extrem erfolgreiches Jahr zurück. Wie tief mussten Sie für diese Performance in die Trickkiste greifen?
Robert Beer: Die Trickkiste war eigentlich eine klare Trendanalyse. Natürlich sorgen geopolitische Themen wie der Iran-Konflikt oder politische Unsicherheiten immer wieder für Unruhe. Aber unter der Oberfläche sehen wir sehr klare Trends. Wer auf diese setzt, konnte massiv profitieren.
finanzwelt: Ein massiver Treiber in Ihrem Portfolio ist das Thema Künstliche Intelligenz. Wo landet das Geld im KI-Boom aktuell konkret?
Robert Beer: Beim Goldrausch haben am Ende oft die Schaufelhersteller am meisten verdient – genau das sehen wir aktuell. Die großen Tech-Konzerne investieren enorme Summen in Rechenzentren. Diese gigantischen Cashflows landen letztlich bei den Chip-Herstellern und deren Zulieferern. Unsere Top-Positionen wie die amerikanische Micron (Marktkap. > 1 Billion EUR), die südkoreanische SK Hynix (Marktkap. >1 Bio. EUR) oder die japanische Kioxia (Marktkap. 250 Mrd. EUR) spiegeln das wider. Viele dieser Unternehmen konnten ihre Preise massiv anheben, weil die Nachfrage enorm hoch und die Auslastung extrem stark ist.
finanzwelt: Droht hier langsam eine Überhitzung oder hat der Trend noch Substanz?
Robert Beer: Wir glauben nicht, dass dieser Trend bereits beendet ist. Die Unternehmen selbst signalisieren uns, dass die Nachfrage auch 2027 hoch bleiben dürfte. Deshalb bleiben wir hier gut positioniert.
Abseits von Tech lief übrigens auch der europäische Bankensektor hervorragend. Institute wie UniCredit, Banco Santander oder BBVA profitieren von einer ausgezeichneten Ertragslage und erzielen durch Digitalisierung und KI gerade erhebliche Effizienzgewinne.
finanzwelt: Wenn man auf Ihr Portfolio schaut, fällt auf: Sie gehen bewusst andere Wege als der klassische MSCI World und gewichten die USA deutlich unter. Warum?
Robert Beer: Weil wir die Chancen aktuell woanders sehen. Wir setzen gezielt auf Unternehmen in Japan oder Südkorea, die extrem stark vom KI- und Datencenter-Trend profitieren, aber oft moderater bewertet und politisch weniger sensibel sind.
Natürlich gab es im Februar und März zwischenzeitlich Rücksetzer. Für solche Phasen nutzen wir unsere Optionsstrategie. Sie dient als Puffer, um größere Marktkorrekturen abzufedern und die Schwankungen im Portfolio zu reduzieren. In den vergangenen Wochen wurden zudem bei einigen Chipwerten selektiv Gewinne mitgenommen – genau dort, wo die Bewertungen zu ambitioniert wurden. Gleichzeitig haben wir auch die Absicherungen auf der Optionsseite etwas nachgezogen.
finanzwelt: Auffällig ist auch, dass Anleihen bei Ihnen überhaupt keine Rolle spielen. Bleibt das so?
Robert Beer: Wie in den letzten Jahren: Ja. Steigende Renditen machen es dort einfach schwer, attraktive Erträge zu erzielen. Eine zehnjährige Bundesanleihe mit rund drei Prozent Rendite halten wir langfristig für deutlich weniger attraktiv als viele Aktieninvestments. Die zwischenzeitliche Volatilität und Risiken lassen sich mit unserem aktiven Risikomanagement besser steuern.
Unsere Strategie ist dennoch bewusst flexibel angelegt. Vor einem Jahr hatten wir Technologie nur mit rund sechs Prozent gewichtet und dafür deutlich mehr Finanzwerte. Wenn Trends drehen, passen wir uns an.
finanzwelt: Welche Sektoren meiden Sie im aktuellen Umfeld?
Robert Beer: In Bereichen wie Luxusgüter, Konsum oder Autobauer sehen wir weiterhin Gegenwind durch eine schwächere Konsumdynamik und politische Belastungsfaktoren wie Zölle. Wir sind hier aktuell nur sehr gering allokiert.
Durch die leichten Gewinnmitnahmen im Chip-Bereich ist die Aktienquote mit rund 82% aktuell etwas niedriger als normal. Dies gibt uns aber die Möglichkeit, bei Gelegenheiten flexibel agieren zu können.
finanzwelt: Zum Schluss: Wie viel Rendite ist im laufenden Jahr noch möglich?
Robert Beer: Die Wirtschaft läuft gut, es ist viel Geld unterwegs und deswegen läuft es in den genannten Branchen. Korrekturen sind aber immer möglich, wie man gesehen hat. Wir fühlen uns mit dieser risikoadjustierten Strategie und den Top-Aktien weiterhin exzellent aufgestellt und glauben, für unsere Anleger auch im zweiten Halbjahr und darüber hinaus hervorragende Ergebnisse erzielen zu können.

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