Langfristig alternativlos

26.02.2026

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Die Wetterkapriolen nehmen zu. Ausnahme-Ereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände werden zur Regel. Als einer der Hauptemittenten von Treibhausgasen gilt die Immobilienwirtschaft. Ziel dabei ist, die Klimaneutralität zu erreichen.

Das Konzept Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Einem wirtschaftlich genutzten Wald werden nur so viele Bäume entnommen, wie sie nachgepflanzt werden. Auf Immobilien übertragen bedeutet das, ein Gebäude ist nachhaltig, wenn es genauso viel Energie verbraucht, wie es erzeugt. Das World Green Buliding Council hat berechnet, dass in Deutschland etwas mehr als 2 % der bestehenden Gebäude sogenannte „Zero-Energy-Buildings“ sind. Das ist zwar im internationalen Vergleich nicht ganz schlecht, aber Nachholpotenzial besteht. Mario Münch, Nachhaltigkeitsbeauftragter im Vertrieb Immobilienfinanzierung, ING Deutschland, sagt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit in der Immobilienlandschaft: „Die Nachfrage nach Beratung ist hoch. Unsere Angebote wie der Modernisierungs-Check für eine erste grobe Einschätzung in der Baufinanzierungsberatung, aber auch unsere Modernisierungs-Partner für die Umsetzung vor Ort sind stark gefragt.“ Damit ein Gebäude nachhaltig ist, muss seine Energiebilanz nicht unbedingt null sein, sondern gegen null tendieren. Dann ist es ein Niedrigenergiehaus. Niedrigenergiehäuser benötigen weniger Energie, da sie moderne Standards aufweisen und energiesparende Technik verwenden. Je geringer der Wärmeverlust, desto größer ist die Energieeffizienz, was wiederum einem verringerten Energiebedarf zur Folge hat. Das Energieeffizienzhaus 40 hat unter den Niedrigenergiehäusern den niedrigsten Energiebedarf.

Die Effizienzhaus-Stufen 40 und 55

Die Effizienzhaus-Stufe gibt die Klasse der Energieeffizienz an. Die Werte 40 und 55 definieren die unterschiedlichen Effizienzhaus-Stufen. Je kleiner die Kennzahl ist, desto geringer ist der Energiebedarf der Immobilie. Als Vergleich dient ein Referenzgebäude, das den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht.

Insgesamt sind mehr als 80 % der Gebäude in Deutschland als nicht nachhaltig anzusehen. Um das Ziel von null Emissionen im Immobiliensektor bis 2050 zu erfüllen, muss einiges getan werden. Auch gewisse Zertifikate können Aussagen über den Grad der Nachhaltigkeit einer Immobilie belegen. Für nachhaltige Immobilien sind das vor allem die Zertifikate BREEAM, LEED und DGNB, zu nennen. Aber nicht nur beim Neubau, sondern auch beim Wiederverkauf ist nachhaltiges Bauen ein immer relevanteres Thema. Häuser der Energieeffizienzklassen G oder H haben es hier schlecht; ihre Attraktivität sinkt unter diesem Gesichtspunkt.

Wie steht es um das Thema der Nachhaltigkeit bei den Immobilien?

Trotz regulatorischer Vorgaben und dem Druck von Finanzinstituten bleibt die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in der Immobilienwirtschaft eine komplexe Herausforderung. Der Marktbericht von bulwiengesa und der Berliner Sparkasse zeigt: ESG ist zwar angekommen, aber die Praxis hinkt den Zielen noch hinterher. Die größte Herausforderung liegt im Bestand, so der Bericht: Nur 0,7 % der deutschen Gebäude wurden 2024 energetisch saniert – erforderlich wären jedoch jährlich 2 %, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen. Dabei ist die Sanierung bestehender Gebäude nicht nur kostengünstiger als der Neubau, sondern verursacht auch bis zu zwei Drittel weniger graue Emissionen. Nachhaltigkeit ist nicht mehr wegzudenken – sie ist zum entscheidenden Wirtschaftsfaktor avanciert. Investoren knüpfen Kreditvergaben zunehmend an Nachhaltigkeitsprofile, und nicht nachhaltige Immobilien laufen Gefahr, zu „Stranded Assets“ zu werden. (ah)