Portfoliomanagement: Tiefwasserwellen rollen auf Anleger zu

02.06.2026

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Das Researchinstitut der Fondsgesellschaft Franklin Templeton hat fünf Deep Water Waves identifiziert, die Anleger in den kommenden Jahren beschäftigen und die Performance im Depot beeinflussen dürften.

Tiefwasserwellen entstehen in Tiefen von rund 200 Metern. Zu Beginn sind sie träge und ausgedehnt, werden dann aber immer schneller und vor allem größer, weil sie sich mit anderen Wellen vereinigen. Je nach Ausformung des Meeresbodens werden Kraft, Strömung und Geschwindigkeit von Tiefwasserwellen entweder abgeschwächt oder intensiviert. Oberflächlich betrachtet sind sie kaum zu sehen – und ihr Wirkungspotenzial kann daher leicht falsch eingeschätzt werden.

In dieser Hinsicht sind sie langfristigen Faktoren, mit denen sich Investoren konfrontiert sehen, sehr ähnlich. Diese mächtigen Wellen können einen fundamentalen Wandel der wirtschaftlichen und politischen Grundlagen für die Asset-Preise bewirken. Intensiviert werden diese Kräfte durch sozioökonomischen Druck, den Klimawandel und die Geopolitik.

Die demografische Welle

Das weltweite Wachstum wird sich im Verlauf der nächsten Generation auf einen Wert unterhalb des langfristigen Trends abschwächen. Die Bevölkerungen jener Länder, die während der letzten zwanzig Jahre für das weltweite Wirtschaftswachstum gesorgt haben, werden immer älter. Vor dem Hintergrund einer anhaltenden oder gar

wachsenden Ablehnung von Immigration in vielen Ländern werden nationale Grenzen immer schwieriger zu überwinden sein, was zu erheblichen negativen Auswirkungen für einkommensschwächere Länder führen wird, die auf Rücküberweisungen aus dem Ausland angewiesen sind.

Die Technologiewelle

In den kommenden zehn Jahren werden dringende und umfangreiche Investitionen in Innovationen in allen Wirtschaftsbereichen boomen. Dies zeichnet sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich ab, wobei ein Großteil der Investitionen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus geopolitischen Gründen getätigt wird.

Die Schuldenwelle

Das Spannungsverhältnis zwischen Inflation und Deflation wird weiterhin bestehen, aber das zugrundeliegende Kalkül hat sich geändert. Eine langfristige Kontrolle über die Inflation zählt mehr als Wirtschaftswachstum, aber die Entschlossenheit wird je nach Land oder Region unterschiedlich stark sein. Die Corona-Pandemie hat die sozioökonomische Ungleichheit in vielen Ländern noch verschärft. Eine progressive Besteuerung mit Umverteilungscharakter wird weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnen, es wird zu unorthodoxen wirtschaftlichen Experimenten kommen und Big Government wird zurückkehren.

Die geopolitische Welle

Vor dem Hintergrund der Konfrontation zwischen den USA und China wird die geopolitische Situation im Verlauf des nächsten Jahrzehnts ihren Einfluss auf Anlageergebnisse noch steigern, wobei ein asymmetrischer Cyberkrieg das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Die wirtschaftliche Polarisierung zwischen Staaten, aber auch innerhalb der Gesellschaft wird voraussichtlich zunehmen.

Die Klimawandel-Welle

Der Klimawandel wird in vielen Regionen zunehmend Grenzkonflikte verschärfen, die Agrarproduktion bedrohen und soziale Spannungen verstärken. Dieser Prozess vergrößert auch manch bestehende Kluft innerhalb der Länder – zum Beispiel Stadt versus Land.

Unser Rat

Viele der hier genannten externen Einflüsse sind im Grunde genommen bereits bekannt. Doch ist die Auflistung vollständig? Wohl kaum. Zudem reden wir von sehr langen Zeiträumen. Da mag sich das ein oder andere Ereignis mal akut zuspitzen, vielleicht sich auch mehrere Entwicklungen überlappen. Umso wichtiger ist es ein breit diversifiziertes Depot mit resilienten Werten aufzubauen. Einzelwetten sind okay, solange das große Ganze stabil aufgestellt ist.

Marktkommentar von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG.