Allianz Trade Studie: Zahlungsmoral in Deutschland verschlechtert sich

16.07.2026

Foto: Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz © Allianz Trade

Der Kreditversicherer Allianz Trade hat seine jährliche Studie zur Zahlungsmoral vorgelegt. Die Studie konzentriert sich darauf, wie lange Unternehmen benötigen, um ausgegebene Mittel im operativen Geschäft in eingezogene Mittel aus Verkäufen umzuwandeln. Dazu analysiert Allianz Trade den sogenannten „Cash Collection Cycle“ (CCC)[1] sowie die „Days of Sales Outstanding“ (DSO)[2].Weltweit benötigen Unternehmen 67 Tage[3], um ausgegebene Mittel in eingezogene Mittel umzuwandeln. Damit stieg der globale CCC im Jahr 2025 erneut an (+0,5 Tage) und scheint sich auf einem strukturell hohen Niveau eingependelt zu haben. Der eigentliche Treiber sind die Lagerbestände, da Unternehmen von der „Just-in-Time“-Effizienz hin zu einer „Just-in-Case“-Resilienz übergehen.

Auch in Deutschland hat sich der CCC um knapp zwei Tage verschlechtert und lag 2025 auf einem vergleichsweise hohem Niveau bei 79 Tagen (+1,8 Tage). Das sind etwa 16 Tage länger als der regionale Durchschnitt in Westeuropa (63 Tage). Die Bereiche Computer/Telekommunikation, Elektronik, Papier und Pharmazeutika verzeichneten den längsten CCC.

„In Deutschland dauert es vergleichswiese lang, bis Unternehmen ihre Ausgaben wieder hereinholen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das liegt unter anderem daran, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert hat und immer mehr Lageraufbau stattfindet.“

Die verschlechterte Zahlungsmoral zeigt sich in längeren Zahlungsfristen: Die DSO stiegen in Deutschland 2025 um +2,8 Tage auf 55 Tage. Der zunehmende Lageraufbau zeigt sich in den längeren „Days Inventory Outstanding“ (DIO)[4], die um 0,9 Tage auf 58 Tage angestiegen sind. Dies wird nur teilweise durch verlängerte Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten ausgeglichen. Die „Days Payable Outstanding“ (DPO) haben sich zwar um +1,9 Tage auf 35 Tage verlängert, befinden sich in Deutschland aber weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

„Deutsche Unternehmen erhalten ihr Geld immer später, Lieferanten werden im Schnitt aber nach 35 Tagen bezahlt – das sind 14 Tage eher als im regionalen Durchschnitt in Westeuropa“, sagt Bogaerts. „Die Unternehmen haben dadurch allerdings nur sehr begrenzten Spielraum, Zahlungsabflüsse durch eine Verlängerung der Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten abzufedern. Der Kreislauf ist deshalb stark anfällig für eine weitere Verschlechterung von Zahlungsverhalten (DSO) und Lagerhaltung (DIO). Wir gehen davon aus, dass der CCC im Jahr 2026 weiter um 4 Tage auf 83 Tage steigt.“

Der globale CCC stieg im Jahr 2025 moderat um einen halben Tag an. Er liegt nun bei 67 Tagen Umsatz, etwa +3 Tage über seinem 10-Jahres-Durchschnitt und nahe seinem Höchststand von 2023 (68 Tage). Dieser Trend zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung und wird in erster Linie durch die Bemühungen der Unternehmen getrieben, ihre Widerstandsfähigkeit durch größere Lagerbestände zu stärken.

„Die Lagerhaltung, gemessen anhand der Days Inventory Outstanding, erklärt mittlerweile fast 80 % des CCC-Niveaus“, sagt Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. „Dies spiegelt einen grundlegenden Wandel im Verhalten der Unternehmen wider: Sie bewegen sich weg von der ‚Just-in-Time‘-Effizienz hin zur ‚Just-in-Case‘-Resilienz. Durch den Aufbau größerer Lagerbestände binden Unternehmen mehr Kapital in Waren, die voraussichtlich nicht schnell in Bargeld umgewandelt werden können. Im Gegenzug haben sie dadurch mehr Sicherheit und Flexibilität in der Lieferkette angesichts geopolitischer Unsicherheiten, Lieferkettenunterbrechungen und einer Fragmentierung des Handels. Mit anderen Worten: Lieferketten werden nicht mehr nur unter Kostenaspekten optimiert. Sie sind zunehmend auf Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und Handlungsspielraum ausgelegt.“

Laut Allianz Trade erreichte die globale DIO im Jahr 2025 53 Tage – ein Wert, der im Vergleich zu 2024 recht stabil ist, aber deutlich über dem Durchschnitt vor der Pandemie (48 Tage) liegt. Vor diesem Hintergrund übt die DSO keinen zusätzlichen Druck auf den Cashflow der Unternehmen aus: Die weltweiten Zahlungsfristen stiegen im vergangenen Jahr leicht auf 56,5 Tage (+0,3 Tage) an, bleiben seit 2022 auf diesem Niveau stabil und liegen immer noch 3 Tage unter dem Niveau vor der Pandemie. (mho)

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