Private Equity bleibt auf Wachstumskurs
13.08.2026

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Trotz Konjunkturflaute und geopolitischer Risiken zeigt sich der deutsche Private-Equity-Markt widerstandsfähig. Vor allem Buy-outs sorgen für Wachstum, während Venture Capital schwächelt. Welche Trends den Beteiligungsmarkt derzeit prägen und wie Experten die weitere Entwicklung einschätzen, zeigt dieser Markteinblick.
Obwohl die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr von schwacher Konjunktur, geopolitischen Spannungen und einer deutlichen Investitionszurückhaltung geprägt war, konnte der Markt für Beteiligungskapital gegen den Trend weiter wachsen. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) investierten Private Equity- und Venture Capital-Investoren 2025 insgesamt 15,69 Mrd. Euro in deutsche Start-ups und in den Mittelstand – 4 % mehr gegenüber dem Vorjahr und der höchste Investitionsstand seit 2021. „Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass private Investoren das Rückgrat für deutsche Mittelständler sowie Gründer sind. Beteiligungskapital steht für Wachstum, Innovation und Transformation – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, erklärt BVKVorstandssprecherin Ulrike Hinrichs.
Vor allem Buy-outs treiben den Beteiligungsmarkt
Laut BVK wurde das Investitionsniveau besonders von einem kräftigen Plus im Buy-out-Segment getrieben, das vor allem aus großen Transaktionen internationaler Investoren resultiert. So kletterten die Buy-out-Investitionen von 9,1 Mrd. Euro im Vorjahr auf 10,66 Mrd. Euro im Jahr 2025. Zu den größten abgeschlossenen bzw. angekündigten Transaktionen des Jahres gehörten unter anderem STADA, BASF Coatings, Apleona und Kelvion. Dagegen blieben die Investitionen bei Wachstumsfinanzierungen und Minderheitsbeteiligungen weitgehend stabil bei rund 2,8 Mrd. Euro.
Im Frühjahr 2026 kühlten sich die Aktivitäten im Gesamtmarkt jedoch wieder etwas ab, wie Munich Private Equity beobachtet, ein auf ausgewählte Private-Equity-Fonds im unteren und mittleren Marktsegment spezialisierter DachfondsAnbieter. Vor allem ein herausforderndes makroökonomisches Umfeld sowie teils noch divergierende Preisvorstellungen zwischen Käufern und Verkäufern bremsten die Deal- und Exit-Aktivitäten zuletzt aus. In der Folge fehlten vielen Investoren die notwendigen Rückflüsse für Folgeinvestitionen, so dass sich das Fundraising bei einigen Private-Equity-Fonds weiterhin anspruchsvoll gestaltet.
„Vergleichsweise robust zeigt sich hingegen das Mittelstandssegment“, betont Nico Auel, Vorstand bei Munich Private Equity. Unternehmen in diesem Bereich agierten agil und sind weniger stark von geopolitischen Ereignissen oder globalen Lieferketten abhängig. Gerade in unsicheren Zeiten überzeuge der Mittelstand durch Stabilität, regionale Verankerung und zusätzliche Wertsteigerungspotenziale auf operativer Ebene.
Aufgrund eines klaren Fokus auf den Lower Mid-Market konnte Munich Private Equity von dieser Entwicklung profitieren und auch im Jahr 2026 attraktive Rückflüsse aus Verkäufen realisieren. „Entsprechend haben wir Ende Juni mit sechs Dachfonds Auszahlungen an unsere Anleger vorgenommen. Für das 2. Halbjahr sind bereits weitere Ausschüttungen geplant“, sagt Auel.
Einbruch bei Venture Capital Investitionen
Während sich die Buy-outs im deutschen Markt positiv entwickelten, blieb im Venture Capital-Segment die erwartete Erholung aus. Laut BVK investierten die Beteiligungsgesellschaften mit rund 2,23 Mrd. Euro rund ein Drittel weniger in Start-ups als im Vorjahr. Damit bewegten sich die Investitionen wieder etwa auf dem Niveau von 2023. Dennoch zeigt sich die deutsche Start-up-Landschaft laut BVK weiterhin leistungsfähig, wie mehrere Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich zeigen und das Innovationspotenzial des Standorts deutlich machen.
„Wir leben von unseren eigenen Impulsen“, sagt Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der HMW Kapitalanlagen, der direkt in vielversprechende Firmen investiert. Er unterstreicht, wie sich HMW durch die Entwicklung seiner Portfoliounternehmen von dem negativen Markttrend abkoppelt: IQM geht als erstes europäisches Quantenunternehmen mit einer Milliardenbewertung an die Nasdaq, NavVis schließt eine Runde über 75 Mio. Dollar ab, und Häuser wie NcodiN kommen mit ihrer Technologie voran. „Diese Meilensteine geben dem Platzierungsfinale des MIG Fonds 18 Schub – Ziel sind 100 Mio. Euro. Zugleich gewinnt RockPhant im Bewusstsein der Finanzanlagenvermittler spürbar an Boden“, so Dr. Hallweger.
Gestiegene Sichtbarkeit bei Privatkunden
Doch wie entwickelt sich die Nachfrage im Privatkundensegment? „Wir haben in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Aufmerksamkeit für Private Equity im Privatkundensegment gesehen – zuletzt insbesondere auch durch den Markteintritt neuer Produktanbieter sowie die Aufnahme einzelner Private-Equity-ELTIFs bei Neobrokern“, gibt sich Munich Private Equity Vorstand Nico Auel optimistisch. Allerdings sei Aufmerksamkeit nicht gleichbedeutend mit der plötzlichen Erschließung der breiten Masse, schränkt er ein. „Die Anlageklasse bleibt erklärungsbedürftig und erfordert nach unserer Sicht zwingend Beratung, realistische Kommunikation und passende Produkte, um langfristig das Vertrauen der Anleger zu gewinnen“, sagt Auel.
„Die Nachfrage entsteht bei uns aus konkreten Fortschritten im Portfolio“, betont HMW-Vorstand Dr. Matthias Hallweger: „Von IQM über AMSilk bis zu NcodiN und NavVis liefern die Entwicklungssprünge die Argumente, die die Platzierung des MIG Fonds 18 zum Jahresende befeuern. Anleger sehen, wohin ihr Kapital fließt und was daraus wächst. Bei RockPhant trifft der Start eines neuen Konstrukts auf einen Privatkundenmarkt, der private Beteiligungen zunehmend für sich entdeckt“, erklärt Dr. Hallweger.
Ausblick
Die Zukunft dürfte auch bei Private Equity stark von den geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen abhängen. „Wir rechnen für die kommenden Monate wieder mit einer anziehenden Marktaktivität. Das liegt zum einen am branchenweit hohen Investitionsdruck und zum anderen am steigenden Verkaufsdruck bei älteren Fondsjahrgängen (Vintages). Begünstigt werden dürfte diese Erholung dadurch, dass sich die Preisvorstellungen auf Käufer- und Verkäuferseite schrittweise wieder annähern“, prognostiziert Nico Auel. Dagegen zeigt sich Dr. Matthias Hallweger für den Markt verhalten optimistisch. „Mit anziehender Konjunktur dürften Exits und Börsengänge wieder Fahrt aufnehmen. Für uns ist IQM die tragende Säule mit gewaltigem Potenzial für sehr viele MIG-Fondsanleger. Dazu kommen das Platzierungsfinale des MIG Fonds 18 und der großflächige Start von RockPhant. Das wird mehr als ein heißer Sommer – ein sehr heißes 2. Halbjahr 2026 für HMW Kapitalanlagen, mit noch heißeren Themen für 2027“, so Dr. Hallweger. (mho)

Wo Vertrauen zum Standortvorteil wird







