Wasser – kostbares Gut und relevanter Wirtschaftsfaktor

01.09.2026

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Nur ein kleiner Teil, nämlich ca. 2,50 bis 3,50 Prozent der weltweiten Wasservorräte, ist trinkbares Süßwasser. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein erheblicher Teil davon in Form von Gletschern oder Polkappen im Eis gebunden ist. Im Prinzip sind daher nur 0,50 Prozent des weltweiten Wasserbestandes direkt und ohne Aufbereitung trinkbar.

Gleichzeitig ist die Weltbevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten stark angewachsen. Zusammen mit dem hohen Verbrauch führt dies zu immer höheren Anforderungen an die Abwasseraufbereitung. Verstärkt wird diese Entwicklung durch Dürreperioden, die mittlerweile auch in Europa auftreten, sowie durch einen zusätzlich erhöhten Wasserbedarf, der beispielsweise durch Rechenzentren entstehen kann. Die Nachfrage nach sauberem Trinkwasser dürfte deshalb weiter ansteigen. Gleichzeitig bleibt dessen gerechte Verteilung eine Herausforderung.

Bereits heute haben ca. vier Milliarden Menschen, also die Hälfte der Weltbevölkerung, einen Monat im Jahr nicht ausreichend Wasser zur Verfügung, was laut UNESCO bereits die Kriterien der Wasserknappheit erfüllt. 2,20 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, und über 3,50 Milliarden Menschen verfügen nicht über einfache sanitäre Anlagen.

Hoher Verbrauch trifft auf veraltete Infrastrukturen

70 Prozent des weltweiten Verbrauchs gehen auf die Landwirtschaft zurück. Für die Produktion einer Tonne Getreide wird die tausendfache Menge Wasser benötigt. An zweiter Stelle folgt der industrielle Wasserverbrauch. In entwickelten Ländern wie Deutschland sind private Haushalte zwar relativ sparsam im Wasserverbrauch. Hier macht dieses Segment aber nur ein Prozent der gesamten Nutzung aus.

Nicht nur in Entwicklungsländern ist Wassermangel ein akutes Problem. Auch in modernen, grundsätzlich gut entwickelten Volkswirtschaften ist die Infrastruktur teilweise extrem veraltet. Das Londoner Leitungssystem stammt teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert. Der zuständige Wasserversorger Thames Water meldet, dass jährlich 25 Prozent des Trinkwassers durch beschädigte Wasserleitungen versickern. In Frankreich liegen die Wasserverluste bei rund 20 Prozent. Das entspricht einer Milliarde Kubikmeter Wasser.

In Deutschland sind die Verluste mit sechs Prozent deutlich geringer. Dennoch müssen die Leitungssysteme auch hier regelmäßig saniert und gewartet werden. Der Optimierung der Infrastruktur und der Aufbereitung von Trink- und Brauchwasser kommt daher eine immer höhere Bedeutung zu.

Stabiles Investment

Es klingt also nachvollziehbar, dass dieses Segment auch langfristig von hoher Bedeutung bleiben wird. Firmen, die in diesem Bereich tätig sind, bieten zumindest eine belastbare Wahrscheinlichkeit für stabile Erträge und Kurssteigerungen. Meist wird als Referenzwert für „Wasseraktien“ der Standard & Poor’s Global Water Index herangezogen, der in den letzten zehn Jahren um ca. 115 Prozent gestiegen ist.

Eine Zukunftsindustrie ist das gesamte Segment zur Steigerung der Wassereffizienz. Weitere Perspektiven liegen im Bereich der Wasseraufbereitung. Das Auftragsvolumen von Unternehmen, die sich auf den Bau von Kläranlagen oder Meerwasserentsalzungsanlagen spezialisiert haben, hat sich deutlich erhöht.

Auch der Gesundheitssektor mit speziell entwickelten Wassertests kann hier eine Investitionsmöglichkeit bieten. Einerseits kann man in die Infrastrukturentwicklung von Industrieländern wie Großbritannien, den USA und Frankreich investieren. Andere Optionen bestehen im kompletten Aufbau einer funktionsfähigen Versorgung in Schwellenländern.

Nicht ohne Risiken

Da es sich bei den investierbaren Unternehmen grundsätzlich um ein Aktieninvestment handelt, sollten sich Anleger über die wesentlichen Risiken einer Aktienanlage im Klaren sein. Oft handelt es sich um klein- oder mittelkapitalisierte Firmen. Deshalb ist eine breite Streuung zur Risikominimierung sinnvoll. Ein weiterer Aspekt bei

Wasserinvestments ist, dass die Mehrheit aller staatlichen Versorger die Kosten nicht durch den Wasserpreis deckt, sondern Quersubventionen einsetzt. Das macht die Preisgestaltung intransparent. Insbesondere bei Investitionen in Einzeltitel in Schwellenländern kommen Währungsrisiken, mangelnde Liquidität an den jeweiligen Börsen und politische Risiken hinzu.

Sinnvolle Produkte für Privatanleger

Es gibt an der Börse vor allem zwei Arten von Wasserunternehmen: zum einen Wasserversorger, die Trinkwasser oder industriell nutzbares Wasser liefern, Städte und Dörfer damit versorgen oder Abwasser sammeln, filtern und klären. Zum anderen gibt es Wassertechnikspezialisten. Das sind Firmen, die Rohre, Pumpen, Sanitärtechnik, Bewässerungsanlagen oder auch Instrumente zur Wasseranalyse herstellen.

Natürlich ist ein direktes Investment in einzelne Aktiengesellschaften möglich, wie beispielsweise in den amerikanischen Hersteller von Wasseraufbereitungsanlagen und analytischen Geräten Xylem, das britische Unternehmen Pennon Group für Wasser- und Abwasserservice sowie Grundwasserschutz oder den italienischen Energieversorger und Abfallbewirtschafter A2A S.P.A., der auch im Bereich Wasserkraftwerke tätig ist.

Für eine gut strukturierte Mischung benötigt man allerdings international tätige Unternehmen, die unter Umständen nicht liquide an deutschen Börsen handelbar sind. In diesem Segment sind daher aktiv gemanagte Fonds sinnvoll. Wer mit seinem Investment zusätzlich ökologische, ethische und soziale Aspekte verbindet und damit erreichen will, dass die investierten Gelder auch wirklich in umweltschonende, verbrauchsoptimierte Projekte, Restaurierungsmaßnahmen oder den Infrastrukturausbau fließen, muss noch etwas selektieren.

Das Fachmagazin „Eco-Reporter“ identifiziert die folgenden sieben aktiven Fonds, die diese Kriterien erfüllen: BNP Paribas Aqua Classic, Robeco Sustainable Water Equities, KBC Eco Fund Water, Robeco Sustainable Water Fund, Tareno Global Water Solutions Fund, Pictet Water, Swisscanto Equit Fund Sustainable Water und AMCFM Fonds Global Water. Auf der Seite www.justetf.com findet man außerdem sieben „Wasser-ETFs“.

Finanziell sind die meisten Wasserfonds auf lange Sicht gut gelaufen. Sie entwickeln sich zudem stabiler als andere Themenfonds, weil sie auf vergleichsweise risikoarme Aktien setzen. Die Wasserbranche ist insgesamt sehr robust aufgestellt, denn insbesondere Versorger und Technologieunternehmen werden immer gebraucht, auch in Krisenzeiten. Schließlich ist Wasser zusammen mit Luft wohl die wichtigste natürliche Ressource, die es gibt.

Marktkommentar von Andreas Görler, Senior Wealth Manager, Wellinvest – Pruschke & Kalm GmbH.