Reformagenda für die betriebliche Altersversorgung
10.06.2026

Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge Foto: © / Credits Christian Kruppa
Ohne eine grundlegende Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) wird die Rentenreform ihre Ziele verfehlen. Zu dieser Einschätzung kommen das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) und die Zurich Gruppe Deutschland (Zurich) in einem gemeinsamen Positionspapier, das kurz vor Vorlage der Reformvorschläge der Alterssicherungskommission veröffentlicht wird.
Der Handlungsdruck auf das deutsche Alterssicherungssystem wächst seit Jahren. Ursache ist vor allem der demografische Wandel: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentenempfänger, während gleichzeitig die Rentenbezugsdauer deutlich steigt. Lag sie 1960 im Schnitt bei rund zehn Jahren, beträgt sie heute etwa 20 Jahre. Das umlagefinanzierte System gerät mehr und mehr unter Druck. Bereits heute stoßen zentrale Stellschrauben an Grenzen. Höhere Beitragssätze, steigende Bundeszuschüsse, ein späterer Renteneintritt oder geringere Leistungen verschieben die Belastungen jeweils an andere Stellen im System. Mit rund 130 Milliarden Euro hat der Bund 2025 bereits ca. ¼ seines Haushalts zur gesetzlichen Rentenversicherung beigesteuert. „Eine langfristige und generationengerechte Lösung wird nur möglich sein, wenn die Altersversorgung in ihrer gesamten Struktur neu gedacht wird“, sagt Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. „Die Fokussierung auf einzelne Stellschrauben greift zu kurz – entscheidend ist, wie alle drei Säulen künftig zusammenwirken.“
Betriebliche Altersversorgung als zentrale Antwort auf Versorgungslücken
Es ist weithin bekannt, dass die gesetzliche Rente das Sicherungsniveau im Alter nicht allein gewährleisten kann. Systembelastend kommt hinzu, dass auch bei Invaliditäts- und Hinterbliebenenleistungen der gesetzliche Schutz in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Vor diesem Hintergrund sprechen sich Zurich und DIA dafür aus, die betriebliche Altersversorgung deutlich stärker in die Reformüberlegungen einzubeziehen. Sie kann nicht nur zusätzliche Alterseinkommen aufbauen, sondern grundsätzlich auch Risiken wie Invalidität und Hinterbliebenenschutz absichern.
„Wenn die gesetzliche Rente an ihre Grenzen stößt, braucht Deutschland eine stärkere zweite Säule“, sagt Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland. „Die betriebliche Altersversorgung ist der naheliegendste Hebel, um Versorgungslücken wirksam zu schließen – nicht nur bei der Altersrente, sondern auch bei der Absicherung biometrischer Risiken.“

Neun-Punkte-Plan zur Stärkung der zweiten Säule
Die betriebliche Altersversorgung verfügt in Deutschland bereits über eine breite Basis. Etwa jeder zweite Arbeitnehmer hat eine Betriebsrentenzusage, zugleich ist das Vertrauen in die bAV hoch. Dennoch bleibt ihre Verbreitung gerade in kleinen und mittleren Unternehmen deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Warum? Zentrale Hemmnisse sind administrative Komplexität, Haftungsfragen auf Arbeitgeberseite, fehlende Anreize und unzureichende Kenntnisse.
Der generellen Komplexität der bAV begegnend haben die Autoren des Positionspapiers „Stärkung der bAV - Reformansätze für die Alterssicherung in Deutschland" alle Aspekte untersucht und konkrete Reformansätze in einem Neun-Punkte-Plan gebündelt. Entlang zentraler Handlungsfelder – von Anreizsystemen und Autoenrolment über die Einbindung von Geringverdienern bis hin zu Vereinfachung, Haftung, Portabilität und Gruppenlösungen - werden konkrete Hebel identifiziert und beschrieben, um Verbreitung, Wirksamkeit und Akzeptanz der bAV zu erhöhen.

Degenia knackt Umsatzmarke von 21 Millionen Euroo





