Wachstum und Value müssen sich nicht ausschließen

23.07.2025

Alexander Dominicus, Vorstand der Value-Holdings Capital Partners AG / Foto: © Value-Holdings

Value-Investing? Alexander Dominicus ist Vorstand der Value-Holdings Capital Partners AG und als Fondsmanager für das Publikumsfondsgeschäft bei Value-Holdings zuständig. Wir sprachen mit ihm.

finanzwelt: Herr Dominicus, seit mehr als einem Jahr sind Sie bei Value-Holdings an Bord. Wie blicken Sie auf diese Zeit?

Alexander Dominicus: Nachdem ich zuvor bereits über zehn Jahren als Fondsmanager für deutsche und europäische Aktien tätig war, brauchte ich inhaltlich keine Warmmachphase. Wir haben weiter diszipliniert am Portfolio gearbeitet, das heißt Gewinne mitgenommen, wo Kursziele erreicht wurden und neue Ideen mit frischem Potenzial eingebracht, um auch in Zukunft den Performanceerwartungen gerecht zu werden. Außerdem haben wir mehr über unseren Ansatz gesprochen und konnten damit auch das verwaltete Volumen ausbauen. Den Weg werden wir konsequent fortsetzen. Wir haben ein Anlagekonzept, das sich langfristig bewährt hat und mit den relativ niedrigen Bewertungen von Value-Aktien und Nebenwerten weiterhin Potenzial bietet.

finanzwelt: Keine Schlagzeile ohne KI, das Thema des Jetzt und der Zukunft. Die Gretchenfrage lautet, wieviel Euphorie ist bereits in den Kursen eingepreist. Wie ist Ihre Sicht?

Dominicus: Als Value-Investoren müssen wir nicht jeden Trend mitgehen. Wir bleiben diszipliniert bei unserem Ansatz und kaufen unterbewertete Titel mit etabliertem Geschäftsmodell und gutem Management. Dennoch macht KI vor keiner Branche halt. Unsere Aufgabe ist es, den Einfluss der Technologie auf die einzelnen Geschäftsmodelle richtig einzuordnen. Das bedeutet auch, in den Managementgesprächen kritisch zu hinterfragen, ob und wie neue Technologien tatsächlich genutzt werden. Denn für viele Unternehmen bietet KI durchaus Potenziale, vorausgesetzt, man begegnet der Technologie offen und versteht es, sie für sich zu nutzen.

finanzwelt: Nun sind Sie Value-Investor. Hat sich Value-Investing im Laufe der Zeit geändert?

Dominicus: Value-Investing funktioniert, solange Angst und Gier den Kapitalmarkt beeinflussen. Außerdem sind Volatilität und Unsicherheit nicht der Feind, sondern der Freund des Value-Investors. Dass sich Geschäftsmodelle und Technologien ändern, ist nichts Neues. Es wird dabei strukturelle Verlierer geben und diese Investments muss man umgehen. Entscheidend für den Erfolg ist es am Ende, Value-Traps zu vermeiden. Das geht nur mit einem tiefen Verständnis für die Unternehmen, harter Arbeit und Disziplin. Auch daran hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert.

finanzwelt: Gibt es so etwas wie „Modern Value-Investing“?

Dominicus: Nicht jeder versteht unter Value-Investing dasselbe. Neben der Aktienauswahl gibt es für mich gewisse Werte oder Charakteristika beim Value-Investing. Oftmals schwimmt man gegen den Strom, agiert antizyklisch, hinterfragt kritisch und bildet sich eine fundierte Meinung, die nicht mit dem Marktkonsens übereinstimmen muss. Value-Investing bedeutet für mich dabei nicht, schwache Unternehmen zu kaufen, die nicht wachsen. Wachstum und Value müssen sich nicht ausschließen. Wir legen zum Beispiel großen Wert auf die Qualität des Managements und wollen in die richtigen Menschen investieren. Auch diesen Aspekt teilt nicht jeder Value-Investor, von daher ist es spannend sich mit jedem Ansatz auseinanderzusetzen und die Nuancen zu verstehen.

finanzwelt: KI und Value-Investing. Inwiefern ist das eben kein Antagonismus?

Dominicus: Value-Investing war schon immer arbeitsintensiv und erfordert ein hohes Maß an eigenem Research. Dabei kann KI mittlerweile gut unterstützen. Insbesondere für kleinere Boutiquen bietet es Chancen, denn einer der Nachteile besteht darin, dass ihnen in der Regel weniger personelle Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Lücke kann KI ein Stück weit verringern. Auf der anderen Seite bleiben die eigentlichen Stärken der Boutiquen weiterhin gegeben, etwa die Erfahrung, eine klare Verantwortung und die Interessengleichheit der handelnden Personen.

finanzwelt: Value-Holdings lenkt auch die Geschicke eines Deutschlandfonds. Wie kommen wir nach Ihrer Meinung aus der Strukturkrise?

Dominicus: Für uns zählen in der Unternehmensauswahl die Stärken und die Anpassungsfähigkeit der einzelnen Unternehmen mehr als das allgemeine Umfeld in Deutschland. Wir beobachten, dass viele unserer Investments Wachstumschancen in anderen Märkten wahrnehmen und damit die Abhängigkeit von Deutschland reduzieren. Natürlich würde es helfen, wenn Deutschland wieder etwas Wachstum zeigt, aber wir möchten unsere Investmentthesen nicht ausschließlich davon abhängig machen. Die spannende Konstellation ist zurzeit, dass viele Marktteilnehmer Deutschland abgeschrieben haben und daher die Bewertungen für deutsche Nebenwerte weiterhin günstig sind, auch wenn die Unternehmen unter Umständen global aufgestellt sind und mit einer Stagnation im Heimatmarkt umgehen können.

finanzwelt: Kleinere Häuser laufen oftmals unter dem Radar. Welche Anlegergruppen hat Value-Holdings im Blick?

Dominicus: Die Anlageergebnisse der letzten Dekaden haben gezeigt, dass sich unsere Value-Investing-Konzepte für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet haben. Während viele Märkte, insbesondere die großkapitalisierten Aktien aus den USA, mittlerweile hoch bewertet sind, handeln deutschen Hidden Champions im Vergleich dazu auf historisch günstigen Bewertungsniveaus. Das eröffnet Chancen für Anleger, die eine Diversifikation suchen und sich nicht blind darauf verlassen möchten, dass sich die Entwicklungen des MSCI World und der großen Tech-Aktien auf ewig fortschreiben lassen.

finanzwelt: Zum Abschluss einige Takte zur Altersvorsorge. Auf Vorschlag der Rentenkommission soll die Kapitalrente kommen. Ihre Einschätzung hierzu?

Dominicus: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland zu fördern, ist der richtige Schritt und war längst überfällig. Sie erleichtert den Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zum Kapitalmarkt. Ich hoffe, dass es auch einen Beitrag zur Aktienkultur in Deutschland leisten kann. Langfristig waren Aktien schon immer der beste Baustein zum Aufbau von Vermögen, und ich hoffe, dass mehr Menschen damit Zugang bekommen und die Potenziale für sich nutzen. (ah)