Zaghafte Zeichen einer Erholung

11.04.2024

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Die Folgen der Covid-Pandemie und des Brexits haben der britischen Wirtschaft und dem Immobilienmarkt arg zugesetzt. Wie auch auf dem europäischen Festland gesellte sich eine stark steigende Inflation hinzu. Langsam scheint der Boden gefunden zu sein. Erste Hoffnungsschimmer gibt es im Zusammenhang mit einer erwarteten Zinssenkung. Insbesondere der britische Logistikmarkt ist dabei einen Blick wert.

Die Ausgangslage auf der Insel ist gegenwärtig trüb – so wie das sprichwörtlich englische Wetter. Demnach ist die britische Wirtschaft angesichts hoher Zinsen und Inflation zum Jahresende 2023 in eine Rezession geschlittert. Das BIP schrumpfte im Jahresendquartal um 0,3 % zum Vorquartal. Die Inflation ist im Vergleich zu Kerneuropa mit aktuell 4 % immer noch zu hoch. Die in der Vergangenheit hochgeschraubten Zinsen haben Investitionen teurer gemacht, etwa in Bauten und Maschinen. Was macht das alles mit dem Immobilienmarkt?

Hoffnung auf Zinssenkung

Im Ländervergleich Deutschland versus Großbritannien fällt zunächst einmal auf, dass auf der Insel die Eigentumsquote mit circa 65 % deutlich höher ist als hierzulande. Das ist auf politische Entscheidungen in den 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends zurückzuführen. Doch die Probleme infolge der galoppierenden Inflation und drastischer Zinsanhebungen sind identisch. Der britische Immobilienmarkt hat aktuell arg zu kämpfen. Laut einer aktuellen Studie der Deutsche Hypo – NORD/LB Real Estate Finance ist das Transaktionsvolumen 2023 trotz eines starken Abschlussquartals um circa ein Drittel auf 43,3 Mrd. Pfund zurückgegangen. Dabei mussten alle Assetklassen im vergangenen Jahr einen Rückgang des Transaktionsvolumens verkraften. Wohnimmobilien waren mit einem Investitionsvolumen von 10,8 Mrd. Pfund die beliebteste Assetklasse. Auf Platz zwei und drei folgten Büro- und Logistikimmobilien mit 9,5 Mrd. bzw. 9,2 Mrd. Pfund. „Die erwartete Leitzinssenkung dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2024 zu einer spürbaren Belebung auf den Vermietungs- und Investmentmärkten führen“, betonen die Autoren. Hinzu kommt, dass Großbritannien einer Befragung von CBRE unter europäischen Immobilieninvestoren zufolge auch im laufenden Jahr seinen Platz als führender Standort für Immobilieninvestments behaupten kann. Unter den europäischen Städten bleibt London die unangefochtene Nummer eins. Stabile Rahmenbedingungen, steuerliche Anreize und Transparenz sind weitere Argumente für Investments auf der Insel. Die Logistikbranche, man denke nur an das E-Commerce, zählt zu den Gewinnern. Die DEUTSCHE FINANCE GROUP schreibt hierzu in einem Blogbeitrag vom Februar 2024: „Die Logistikindustrie hat sich als einer der stabilsten Sektoren im Vereinigten Königreich erwiesen, getrieben durch die starke Entwicklung des E-Commerce und die damit verbundene Notwendigkeit für effiziente Lieferketten. Diese Tendenz hat sich auch in den vergangenen Monaten fortgesetzt, wobei die Nachfrage nach Logistikflächen weiterhin hoch bleibt. Unternehmen sind mehr denn je auf flexible und zugängliche Lager- und Verteilungslösungen angewiesen, um den Anforderungen des Online-Handels gerecht zu werden. Die anhaltend hohe Nachfrage in Kombination mit einem begrenzten Angebot führt zu einem stetigen Anstieg der Mieten für Logistikimmobilien.“ Das lässt hoffen. Die Insel sollte man nie abschreiben und der Blick über die eigenen Landesgrenzen lohnt generell. (ah)