Gender-Gap im Ruhestand

15.07.2026

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Die finanzielle Absicherung von Frauen im Ruhestand wird häufig bereits in jungen Jahren geprägt. Das zeigen die Ergebnisse der HDI Rentner-Studie 2026 zum Themenschwerpunkt „Frauen und Altersvorsorge“. Demnach sorgen Frauen generationsübergreifend seltener als Männer oder gar nicht privat für das Alter vor: Dies gilt sowohl für junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren als auch für die heutigen Rentnerinnen zwischen 63 und 70 Jahren. Gleichzeitig blicken junge Frauen deutlich skeptischer auf ihre Versorgung im Alter und berichten häufiger von finanziellen Sorgen.

Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG und verantwortlich für das Ressort Leben & Bancassurance, ordnet ein: „Die aktuellen Empfehlungen der Rentenkommission zeigen, dass die Altersvorsorge künftig noch stärker auf mehreren Säulen stehen muss. Umso wichtiger ist es, insbesondere Frauen frühzeitig für die private Altersvorsorge zu sensibilisieren. Wer seine finanzielle Sicherheit im Alter stärken will, muss die Voraussetzung für den Vermögensaufbau bereits in jungen Jahren schaffen.“

Bereits bei den 18- bis 35-Jährigen verlassen sich 41 Prozent der Frauen ausschließlich auf die gesetzliche Rente, bei den Männern sind es 28 Prozent. Gleichzeitig sorgen nur 28 Prozent der jungen Frauen zusätzlich freiwillig privat vor, gegenüber 38 Prozent der jungen Männer.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich auch in der heutigen Rentnergeneration: 61 Prozent der Rentnerinnen haben ausschließlich gesetzlich für das Alter vorgesorgt (junge Männer: 52 %). Nur 32 Prozent sind zusätzlich privat abgesichert (junge Männer: 38 %).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unterschiede im Vorsorgeverhalten bereits bei jungen Erwachsenen sichtbar sind und sich auch in der heutigen Rentnergeneration finden.

Nur sieben Prozent der jungen Frauen glauben, ihren Lebensstandard im Alter ohne Einschränkungen halten zu können – bei den jungen Männern sind es 19 Prozent. Dagegen rechnen 26 Prozent der jungen Frauen damit, ihren Lebensstandard im Ruhestand nicht halten zu können (junge Männer: 16 %); weitere 22 Prozent zeigen sich bei dieser Frage unsicher oder wollen keine Angaben machen (junge Männer: 11 %).

Die Ergebnisse verdeutlichen: Junge Frauen setzen sich früh mit ihrer finanziellen Zukunft auseinander – gleichzeitig bewerten sie ihre Absicherung im Alter deutlich skeptischer als Männer.

Für 58 Prozent der jungen Frauen zählen steigende Lebenshaltungskosten zu den größten finanziellen Sorgen (junge Männer: 43 %). 40 Prozent sehen in steigenden Wohnkosten eine Belastung (junge Männer: 32 %). Lediglich vier Prozent der jungen Frauen geben an, derzeit keine finanziellen Sorgen zu haben; bei den jungen Männern sind es hingegen zehn Prozent.

Auch ihre wirtschaftlichen Perspektiven bewerten junge Frauen deutlich kritischer: Nur 16 Prozent halten die wirtschaftliche Lage der jungen Generation für sehr gut bis gut, 43 Prozent hingegen für eher schlecht bis schlecht. Die Situation der heutigen Rentnergeneration wird dagegen deutlich positiver eingeschätzt (29 % gut, 33 % schlecht).

Die Unsicherheit über die Zukunft der gesetzlichen Rente spiegelt sich auch im Blick junger Frauen auf die Politik wider: Nur 22 Prozent der befragten jungen Frauen sehen die Interessen ihrer Generation ausreichend berücksichtigt, während 66 Prozent diese Einschätzung ausdrücklich verneinen. Gleichzeitig erwarten viele, künftig stärker privat vorsorgen zu müssen und haben den Eindruck, dass ihrer Generation zu viel zugemutet wird.

Darüber hinaus zeigen sich deutliche Unterschiede im Vorsorgeverhalten: Junge Frauen setzen häufiger auf Sparkonten oder Bargeld (42 % gegenüber 33 % der jungen Männer) und investieren seltener in Wertpapiere (38 % gegenüber 48 %) oder Kryptowährungen (9 % gegenüber 21 %).

Holm Diez betont: „Junge Frauen sind sich über die Herausforderungen ihrer Altersvorsorge sehr bewusst. Gleichzeitig fühlen sich viele mit ihren Sorgen und Erwartungen nicht ausreichend gehört. Im Zuge der Reform der Altersvorsorge muss der Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, die Vermögensaufbau und private Vorsorge erleichtern – frühzeitig, verständlich und auch in finanziell herausfordernden Lebensphasen. Unsere Aufgabe als Versicherer ist es, Frauen Vorsorgelösungen anzubieten, die zu ihrem Leben passen: flexibel, verständlich und auf eine auskömmliche Altersrente ausgerichtet. Lebensentwürfe und Erwerbsbiografien sind vielfältig. Es braucht daher individuelle Produktlösungen, die sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen. Kompetente Beraterinnen und Berater unterstützen Frauen bei der Wahl der passenden Vorsorgelösungen.“

Angesichts der Vorschläge der Reform des Rentensystems, die unter anderem längere Lebensarbeitszeiten vorsehen, zeigen sich bei der Bereitschaft länger zu arbeiten deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während sich 47 Prozent der jungen Männer vorstellen können, länger zu arbeiten, gilt das nur für 30 Prozent der jungen Frauen. Jede zweite junge Frau (50 %) lehnt dies ab, weitere 19 Prozent sind unentschlossen oder wollen keine Angaben machen (junge Männer: 10 %).

Holm Diez meint: „Dass junge Frauen längeres Arbeiten deutlich zurückhaltender bewerten als junge Männer, ist für mich nicht überraschend. Frauen tragen in der Regel die Hauptlast der Care-Arbeit – in jungen Jahren kümmern sie sich um den Nachwuchs und später pflegen sie Angehörige. Wer längeres Arbeiten fordert, darf dabei die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern nicht außer Acht lassen.“ (mho)

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