"Deutsche Immobilien bleiben Stabilitätsanker"

07.05.2020

Gabriele Volz, Geschäftsführerin von Wealthcap / Foto: © Wealthcap

Bislang hat sich die Coronakrise kaum auf dem Immobilienmarkt niedergeschlagen. Doch bleibt das so? Und welche Bedeutung wird dem Faktor Nachhaltigkeit bei Immobilien beigemessen? Gründe genug, um bei Gabriele Volz, Geschäftsführerin von Wealthcap, nachzuhören.

finanzwelt: Welche Auswirkungen der Corona-Pandemie erwarten Sie für die Immobilienbranche?

Volz: Die Corona-Krise ist eine globale Herausforderung, die in Deutschland auf robuste Immobilienmärkte trifft. Das heißt wir nehmen die Krise und ihre Auswirkungen ernst, erwarten aber eine grundsätzliche Resilienz von Immobilien. Wir spüren anlegerseitig weiterhin Nachfrage. Kaum eine Assetklasse ist von der derzeitigen Situation unberührt, doch es befindet sich viel Kapital in Umlauf, die Zinsen verharren auf sehr niedrigem Niveau. In diesem Umfeld sehen viele Investoren gerade deutsche Immobilien als Stabilitätsanker, womöglich in wenigen Monaten auch noch verstärkter aus dem Ausland.

finanzwelt: Wie wird sich der Markt für Büroimmobilien in naher Zukunft entwickeln?

Volz: Der Markt für Büroimmobilien reagiert durchaus auf konjunkturelle Schwankungen, wenn auch weniger stark als liquidere Assetklassen wie etwa Aktien. Daher wird der zu erwartende wirtschaftliche Rückgang Spuren hinterlassen. Die Nutzungsart Wohnen hat sich auch in vorangegangen Krisen sehr robust gezeigt, hier spüren wir auch hohe Nachfrage der Investoren nach unserer breit gemischten Lösung. Die Flächenreserve in den großen deutschen Büromärkten ist in den vergangenen Jahren nahezu vollständig abgeschmolzen, sodass ein etwaiger moderater Anstieg der Leerstandsquote eher einer Normalisierung der Verhältnisse gleichkäme. Miet- und Kaufverträge werden derzeit aufgrund der konjunkturellen Unsicherheit und praktischer Hindernisse in Zeiten von Kontaktbeschränkungen oft aufgeschoben. Daher ist im Zuge der wirtschaftlichen Erholung hier mit Aufholeffekten zu rechnen.

finanzwelt: Bleiben Sie für Fondsstrategien, die auf Core-Büroobjekte setzen, weiterhin zuversichtlich gestimmt?

Volz: Core-Büroobjekte zeichnen sich durch strukturell nachgefragte Mikrolagen, langfristige Verträge mit bonitätsstarken Mietern und eine hohe Nachverwendungsfähigkeit aus. Daher haben gerade langfristig ausgerichtete Core-Büro-Produkte in der aktuellen Situation eine solide Ausgangsbasis. Kurzfristige konjunkturelle Korrekturen lassen sich deutlich besser abwarten als bei spekulativen Projekten oder Objekten, die keine höchsten Standards bei Lagequalität und Gebäudesubstanz erfüllen.

finanzwelt: Im vergangenen Jahr haben Sie den Vertrieb des ersten, speziell an Nachhaltigkeitskriterien orientierten Fonds „Wealthcap Immobilien Deutschland 44“, gestartet. Welche Resonanz spürten Sie auf dieses Angebot?

Volz: Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung die Corona-Krise das Thema Nachhaltigkeit und ESG etwas in den Hintergrund hat rücken lassen, spiegeln uns Investoren und Geschäftspartner, dass derartige Fonds absolut notwendig und nachgefragt sind. Wir gehen davon aus, dass die Bedeutung nach den aktuellen Einschränkungen sogar noch zunehmen wird.

finanzwelt: Mit welchen weiteren aktuellen Lösungen warten Sie insbesondere für institutionelle Investoren auf?

Volz: Neben dem Kirchen- und Stiftungs-Fonds haben wir derzeit mehrere weitere Produkte im Vertrieb, davon eines speziell für Private Banking-Kunden. Institutionelle Investoren können generell wählen zwischen Individualmandaten, Direktinvestments mittels klassischer Spezial-AIF in Büro- oder Wohnimmobilien sowie alternativen Investments über Zielfonds mit Private Equity und Immobilien über unser Wealthcap Spezial Portfolio 1. (ah)