Erste und letzte Zinserhöhung im Jahr 2026

09.06.2026

Niall Scanlon - Foto: Copyright Mediolanum

Entsprechend den Markterwartungen wird die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung diese Woche wohl die Zinsen um 25 Basispunkte anheben. Dieser Zinsschritt ist bereits vollständig eingepreist. Der Fokus wird daher auf den aktualisierten Prognosen der Währungshüter sowie auf den Aussagen von Präsidentin Christine Lagarde zum weiteren Vorgehen liegen.

Höhere Inflation, schwächeres Wachstum Die jüngsten Äußerungen der EZB haben die Märkte eindeutig auf eine Zinserhöhung im Juni vorbereitet. Die Entscheidung selbst dürfte daher nur begrenzte Auswirkungen haben. Die aktualisierten makroökonomischen Projektionen werden im Vergleich zu den im März veröffentlichten Prognosen voraussichtlich eine höhere Inflation und ein schwächeres Wachstum ausweisen.

Vor diesem Hintergrund werden Lagardes Aussagen für die Märkte von entscheidender Bedeutung sein. Da für 2026 fast drei Zinserhöhungen eingepreist sind, spiegelt sich in den aktuellen Kursen bereits eine hawkische Haltung zur Inflation wider. Die größere Frage ist, ob die EZB größere Besorgnis hinsichtlich der Wachstumsaussichten signalisiert oder weiterhin an ihrem datenabhängigen Ansatz festhält, bei dem die Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung getroffen werden. Sollte sich der Fokus auf die Wachstumsrisiken verlagern, würde dies europäische Anleihen stützen.

Zinserhöhung als prophylaktische Maßnahme Diese Sitzung dürfte wichtige Einblicke in die Reaktionsfunktion der EZB liefern. Zwar rechtfertigen die höheren Inflationsprognosen die Zinserhöhung dieser Woche. Wichtiger ist jedoch, ob die EZB diese als Teil eines anhaltenden Straffungszyklus oder als eine prophylaktische Maßnahme darstellt. Unser Basisszenario ist, dass Lagarde an einem datenabhängigen Ansatz festhält und es vermeiden wird, die aktuellen Marktpreisungen für mehrere weitere Zinserhöhungen zu bestätigen.

Wir erwarten eine ausgewogene Kommunikation von Lagarde, in der die Währungshüter weiter an ihrem 2,0-Prozent-Ziel festhalten – aber trotzdem die steigenden Abwärtsrisiken für das Wachstum anerkennen. Da sich die Marktpreisungen bereits am oberen Ende der jüngsten Bandbreiten bewegen, dürfte eine solche ausgewogene Haltung ebenfalls europäische Anleihen stützen.

Kurzes Ende der Zinskurve neu bewertet Die Märkte haben das kurze Ende der Zinskurve aufgrund der Inflationsrisiken bereits deutlich neu bewertet. Da bereits rund drei Zinserhöhungen eingepreist sind, ist die Hürde für einen weiteren Ausverkauf der kurzfristigen Zinsen hoch.

Wir gehen davon aus, dass die Zinserhöhung in dieser Woche die einzige in diesem Jahr sein wird, wenngleich dies weiterhin von der Entwicklung der Lage im Nahen Osten abhängt.

Kommentar zur anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank von Niall Scanlon, Fixed Income Portfolio Manager bei Mediolanum International Funds