„Private Equity spielt seine Stärken vor allem langfristig aus“

08.07.2026

Nico Auel, Vorstand bei Munich Private Equity. Foto: © Stefanie Aumiller

Exklusiv

Trotz eines herausfordernden Marktumfelds bleibt Private Equity eine gefragte Anlageklasse. Im Interview erklärt Nico Auel, Vorstand bei Munich Private Equity, warum sich insbesondere Beteiligungen im deutschen Mittelstand als robust erweisen, wie sich die Nachfrage privater Anleger entwickelt und weshalb Munich Private Equity optimistisch auf das zweite Halbjahr 2026 blickt.

Herr Auel, welche Trends kennzeichneten den deutschen Private Equity Markt im bisherigen Jahresverlauf 2026– generell und speziell in Ihrem Unternehmen?

Nico Auel: Nachdem der deutsche Private-Equity-Markt im zweiten Halbjahr 2025 eine spürbar steigende Transaktionsdynamik verzeichnete, verlangsamte sich die Aktivität im Gesamtmarkt im Frühjahr 2026 wieder etwas. Vor allem ein herausforderndes makroökonomisches Umfeld sowie teils noch divergierende Preisvorstellungen zwischen Käufern und Verkäufern bremsten die Deal- und Exit-Aktivitäten zuletzt aus. In der Folge fehlen vielen Investoren die notwendigen Rückflüsse für Folgeinvestitionen, sodass sich das Fundraising bei einigen Private-Equity-Fonds weiterhin anspruchsvoll gestaltet.

Vergleichsweise robust zeigt sich hingegen das Mittelstandssegment. Unternehmen in diesem Bereich agieren agil und sind weniger stark von geopolitischen Ereignissen oder globalen Lieferketten abhängig. Gerade in unsicheren Zeiten überzeugt der Mittelstand durch Stabilität, regionale Verankerung und zusätzliche Wertsteigerungspotenziale auf operativer Ebene.

Aufgrund unseres klaren Fokus auf den Lower Mid-Market konnten wir von dieser Entwicklung profitieren und auch im Jahr 2026 attraktive Rückflüsse aus Verkäufen realisieren. Entsprechend haben wir Ende Juni mit sechs Dachfonds Auszahlungen an unsere Anleger vorgenommen. Für das zweite Halbjahr sind bereits weitere Ausschüttungen geplant.

Wie schlägt sich Private Equity im Vergleich zu anderen Asset-Klassen? Was spricht heute aus Anlegersicht vor allem für ein PE-Investment?

Auel: Für ein gut aufgestelltes Gesamtportfolio ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Assetklassen entscheidend. Während liquide Anlagen wie Aktien oder Anleihen kurzfristig auf Marktbewegungen reagieren, kann Private Equity seine Stärken insbesondere über einen längeren Anlagehorizont ausspielen. Private Equity weist im Vergleich eine vergleichsweise geringe Korrelation zu öffentlichen Märkten auf. Zudem entsteht Wertsteigerung weniger durch kurzfristige Marktbewegungen, sondern durch unternehmerische Entwicklung. Gerade in einem Umfeld erhöhter Unsicherheit kann Private Equity so neben der Rendite einen stabilisierenden Beitrag im Portfolio leisten.

Wie entwickelt sich die Nachfrage im Privatkundensegment? Woraus resultiert das besonders?

Auel: Wir haben in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Aufmerksamkeit für Private Equity im Privatkundensegment gesehen – zuletzt insbesondere auch durch den Markteintritt neuer Produktanbieter sowie die Aufnahme einzelner Private-Equity-ELTIFs bei Neobrokern. Aufmerksamkeit ist allerdings nicht gleichbedeutend mit der plötzlichen Erschließung der breiten Masse. Die Anlageklasse bleibt erklärungsbedürftig und erfordert nach unserer Sicht zwingend Beratung, realistische Kommunikation und passende Produkte, um langfristig das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. Diesen Ansatz verfolgen wir seit vielen Jahren und verzeichnen daher auch bei der Nachfrage nach unseren Produkten eine stetig positive Entwicklung.

Wie ist Ihr Ausblick für das Gesamtjahr 2026 – für den deutschen Markt und für Ihr Unternehmen?

Auel: Wir rechnen für die kommenden Monate wieder mit einer anziehenden Marktaktivität. Das liegt zum einen am branchenweit hohen Investitionsdruck und zum anderen am steigenden Verkaufsdruck bei älteren Fondsjahrgängen (Vintages). Begünstigt werden dürfte diese Erholung dadurch, dass sich die Preisvorstellungen auf Käufer- und Verkäuferseite schrittweise wieder annähern. Mit unserem Fokus auf den Lower Mid-Market sind wir sehr gut positioniert. In den größeren Segmenten besteht weiterhin erheblicher Investitionsdruck durch hohe Liquiditätsbestände („Dry Powder“). Diese Investoren greifen häufig auf Targets aus kleineren Segmenten zurück, so dass im Lower Mid-Market auch unabhängig von globalen Entwicklungen mit einer stabilen Deal-Aktivität zu rechnen ist. (mho)

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