Geopolitik erstmals unter den größten Haftpflichtrisiken für Manager
07.07.2026

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Wirtschaftliche Schäden, die aus geopolitischen Turbulenzen resultieren, gehören erstmals zu den Top 7 der globalen Risiken für Vorstände und Führungskräfte. Das zeigt die jährliche Studie zur Managerhaftpflichtversicherung, die das Beratungsunternehmen Willis, ein Geschäftsbreich von WTW, in Zusammenarbeit mit der internationalen Anwaltskanzlei Reed Smith LLP durchgeführt hat. 59 Prozent der weltweit befragten Vorstände, Aufsichtsräte und Risikomanager stufen das geopolitische Risiko als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein, womit Geopolitik von Platz 15 im Vorjahr auf Platz 7 in der aktuellen Wahrnehmung vorrückt.
„Die etablierten Risiken – etwa Arbeitsschutz, Datenverlust oder Cyber – bleiben zwar dominant“, sagt Philipp Rouget, Head of FINEX Deutschland und Österreich bei Willis. „Aber sie verlieren in der Bewertung durchgängig an Gewicht. Zugleich steigen mit Geopolitik und KI zwei neue Risiken für Manager auf.“
Bei der Künstlichen Intelligenz ist der Anteil der Befragten, die sie als sehr oder äußerst wichtiges Risiko einstufen (Abb. 2), deutlich – von Platz 21 auf 14 – gestiegen. In Deutschland ranken KI-Risiken sogar zum ersten Mal unter den Top 7.
Zu den größten Unsicherheiten im Zusammenhang mit KI zählen durch KI verursachte Fehler und Fehlinformationen, durch KI ermöglichter Betrug und Social Engineering sowie strategisches Versagen bei der Einführung von KI. Zugleich schätzen Unternehmen ihre eigene Kompetenz hier am geringsten ein: Nur 55 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Vorstandsmitglieder über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um die KI-Implementierung wirksam zu überwachen.
„Die Risiken aus Cyberbedrohungen, Datenverlust und KI sind eng miteinander verflochten“, erklärt Rouget. „Sie zählen derzeit branchen- und länderübergreifend zu den größten Sorgen – demnach steigt die Risikowahrnehmung genau dort, wo Vorstände sich am wenigsten gewappnet fühlen.“
Weitere Kernergebnisse aus dem Willis D&O Survey:
· Gesundheit und Sicherheit stellen nach wie vor ein Hauptrisiko dar, insbesondere in den Bereichen Industrie, Transport und Energie (für 82 bis 89 Prozent der Befragten in diesen Sektoren).
· Besonders bemerkenswert: Rund 50 Prozent der Studienteilnehmer stimmen nicht voll zu, dass Umfang und Qualität ihrer D&O-Deckung angemessen sind bzw. die Versicherungssumme ausreichend ist.
· Eine erhöhte Risikoexposition durch Dritte oder aufgrund von Engpässen in der Lieferkette wird von 39 Prozent der Befragten als größte Herausforderung für die operative Widerstandsfähigkeit genannt. Insbesondere für Unternehmen in den Sektoren Gesundheitswesen, Industrie, Energie und Versorgungswirtschaft sowie Transport und Einzelhandel gehören Probleme in der Lieferkette zu den Top-7-Risiken.
· Der Klimawandel ist in den meisten Regionen aus den oberen Plätzen der Risikoliste gefallen – damit setzt sich der Trend der letztjährigen Studie fort, in der der Klimawandel in der Risikowahrnehmung bereits rückläufig war.
· Auch die Themen Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion sind auf der globalen Risikoagenda abgefallen: Nur noch 52 Prozent (Vorjahr 59) der Befragten geben an, dass sie diese Themen für sehr wichtig oder äußerst wichtig halten.
Trotz niedriger Preise und reichlich Kapazität im weichen Markt halten nur 30 Prozent der Befragten ihre D&O-Police sowohl im Umfang als auch in der Höhe für ausreichend. „Für Unternehmen ergibt sich hieraus ein klarer Handlungsimpuls“, so Rouget. „Gerade in einem dynamischen Risikoumfeld sollten Unternehmen den D&O-Schutz nicht nur jährlich überprüfen, sondern als wesentlichen Schutzmechanismus für Unternehmen, Organmitglieder und ihre Bilanz betrachten.“ Deswegen sollten Unternehmen die aktuelle Marktlage nutzen, um Deckungsumfang und Limits mit ihren Maklern und Versicherern zu überprüfen.
Rouget weiter: „Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage bestätigen, was wir oft von unseren Kunden hören: Unternehmenslenker sehen sich mit einem zunehmend komplexen und vielschichtigen Risikoumfeld konfrontiert. Dabei verändert sich die Reihenfolge der Risiken weniger als ihr Charakter: Geopolitik und KI sind Felder, die sich rasch wandeln – gerade bei diesen ist ein angemessener Risikoschutz entscheidend, damit Unternehmen fundierte strategische Entscheidungen treffen und ihr Wachstum aufrechterhalten können.“ (mho)
Philipp Rouget, Head of FINEX Deutschland und Österreich bei Willis. Foto: © Willis 
Mittelstand zwischen Routine und neuen Risiken





