„Investieren wie die Bank, nicht bei der Bank“
03.08.2026

Andreas Ogger, Investor und Referent für Finanzbildung. Foto: © Andreas Ogger
Direktinvestments in Baumschulen, Destillerien oder Infrastrukturprojekte gelten vielen Privatanlegern als ungewöhnlich. Andreas Ogger sieht darin dagegen eine sinnvolle Ergänzung klassischer Portfolios.
Im Interview erklärt der Investor und Referent für Finanzbildung, warum er sich an den Anlagestrategien institutioneller Investoren orientiert, weshalb reale Vermögenswerte für ihn langfristig attraktiver sein können als reine Wertpapieranlagen und welche Rolle finanzielle Bildung für den nachhaltigen Vermögensaufbau spielt.
Herr Ogger, eine Destillerie oder eine Baumschule im Portfolio klingt für den normalen Privatanleger eher nach Abenteuerurlaub als nach Altersvorsorge. Wie genau verdient ein Anleger mit einem Fass Whisky oder einem Hektar Setzlingen eigentlich Geld, und wie sieht hier das Rendite-Risiko-Profil aus?
Andreas Ogger: Mit Alkohol-Prozenten habe ich noch nie Rendite-Prozente erwirtschaftet, da kenne ich mich nicht aus; ebenso wenig mit Anlagen, auf denen „Altersvorsorge“ steht. Mein Vorbild sind institutionelle, professionelle Investoren, auch Instis genannt, die Milliarden sichern und vermehren; Instis investieren auffällig oft in Wertschöpfungsketten, die gesellschaftlich unverzichtbar sind und längst auch Privatanlegern offenstehen. Apropos Setzlinge: Agrikultur ist eine wesentliche Anlageklasse in deren Strategie, denn Essen und Trinken kommt noch vor Wohnen. Es ist ganz einfach: Man kauft einen Baum, lässt ihn bis zur Erntereife wachsen, und dann können 25 Jahre lang Gewinne fließen aus Ernteerträgen und dem Verkauf kostbarer Öle, die per Destillerie aus Bäumen gewonnen werden. Für mich ist das solide, hochprofitable Wertschöpfung. Ein Abenteuer wird es nur mit den Airlines, wenn ich die Bäume besuche.
Exotische Sachwerte gelten oft als Liebhaberei für Millionäre. Sie sagen, das geht auch mit deutlich weniger Kapital. Ab welcher Investitionssumme macht ein Einstieg in solche realen Assets Sinn und wie sieht es mit der Fungibilität aus, wenn man doch mal Liquidität braucht?
Ogger: Wenn ich mir so anschaue, was Privatanlegern alles an Wetten und Trends verkauft wird, finde ich das exotischer als Infrastruktur, gewerbliche Value-Immobilien und Agrikultur. Diese drei Säulen in der Strategie spekulieren nicht, sondern bauen Werte auf, die jeder braucht, versteht und anfassen kann. Der Einstieg mit wenigen 1000 Euro ist für viele machbar. Und wem Liquidität wichtig ist, kann die Säulen individuell gewichten.
Warum sollte man überhaupt in exotische Sachwerte investieren, für welche Anleger ist diese Asset Klasse geeignet und wer sollte eher die Finger davon lassen?
Ogger: Meine These ist: Was für vorsichtige, penible Instis wie Pensionsfonds oder Uni-Stiftungen seit Jahrhunderten funktioniert, ist auch für Einsteiger und kleinere Vermögen interessant. Ich lasse meine Finger eher von dem, was ständig beworben wird, weil das oft den Bezug zur Realität verloren hat – die Börse inklusive. Die Strategie der Institutionellen kann jeder umsetzen, wenn er sich etwas mit ihr beschäftigt. Ein Mindestmaß an finanzieller Bildung wäre aber schon eine gute Voraussetzung, und die machte bisher jedem Freude. Nur wer sich gar nicht dafür interessiert, was sein Geld macht, ist bei Banken und Massenprodukten vielleicht besser aufgehoben.

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