„Investieren wie die Bank, nicht bei der Bank“
03.08.2026

Andreas Ogger, Investor und Referent für Finanzbildung. Foto: © Andreas Ogger
Direktinvestments in exotische Sachwerte wie eine Destillerie oder eine Baumschule bergen ein hohes Klumpenrisiko, im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust. Was setzen Sie dem entgegen?
Ogger: In einem seiner Aktionärsbriefe hat Warren Buffett sinngemäß gesagt: „Streuung hat nur der nötig, der nicht weiß, was er tut. Konzentration dagegen zwingt ihn, ein Geschäft gut zu verstehen.“ Ja, Verlustrisiken gibt es immer, aber viele kann man durch gute Planung und zuverlässige Mitarbeiter minimieren. Immobilien, Plantagen und Infrastrukturprojekte kann man außerdem versichern. Das größte Risiko ist immer der Investor, der nicht weiß, was er tut – etwa wenn er Klumpenrisiken eingeht, weil ihn die Gier überkommt.
Als ehemaliger Musiker und Osteopath sind Sie Quereinsteiger in der Finanzbranche. Wie kam es zu dem Wechsel? Welchen Vorteil hat es aus Anlegersicht, wie Sie eine unkonventionelle Sicht auf die klassische Finanzbranche zu haben?
Ogger: In Finanzdingen war ich so unwissend, dass ich viele Jahre schrecklich viel Geld verloren habe. Ich hatte keinen Plan, aber immer ein Ohr für die falschen Tipps. Heute weiß ich: Zu wissen, wie es nicht geht, ist auch Wissen. Vielleicht war eine gewisse Naivität hilfreich, um die naheliegende Frage zu stellen: „Was macht die ganz großen Anleger so erfolgreich?“ Und siehe da: Ein Investor mit gesundem Menschenverstand kann auch weit kommen, nicht nur durch Fachwissen.
Sie möchten Privatanleger wachrütteln und sagen, wer ein sechsstelliges Vermögen hat, sollte sich nicht mit Indexfonds (ETFs) zufriedengeben. Allerdings sind ETFs aber extrem kostengünstig und schlagen langfristig die meisten aktiven Manager. Warum sollte man dieses bewährte Anlageinstrument für ein sehr viel komplexeres und risikoreicheres Direktinvestment verlassen?
Ogger: Ich bin nicht anti-ETF. ETFs als Schwerpunkt wären mir nur zu einseitig. Was mich meine institutionellen Mentoren gelehrt haben, ist Kontrastreichtum, heißt: Währungen, Länder, Anlageklassen, Komplexitätsgrade vom einfachen Baum bis zum Olympiazentrum, Laufzeiten, Renditen, Ausschüttungsarten, steuerliche Behandlung, Verfügbarkeit, Zyklen und vieles mehr – das alles sollte sich vielfältig und gegensätzlich in jedem Portfolio wiederfinden. Das schafft Resilienz und Flexibilität, wie es die Drei-Säulen-Strategie auf einfache Weise ermöglicht. Da kann auch ein ETF dabei sein für den, der sich dafür begeistert. Diese Frage ist übrigens ein weiteres Auswahlkriterium: „Verstehe ich die Investition nicht nur, sondern kann ich mich auch mit ihr identifizieren?“ Wer sich diese Frage stellt, bewertet Geldanlagen wie ETFs, Bitcoin oder Riester-Policen vielleicht anders.
Heute ermöglichen Sie es als Gründer der Wohlstandsbildner anderen Investoren, direkt in reale Assets zu investieren. Was genau verbirgt sich hinter den Wohlstandsbildnern, welche Philosophie steckt dahinter?
Ogger: Die Wohlstandsbildner als Plattform für finanzielle Bildung habe ich 2011 gegründet. Unabhängig davon ist eine Investorengemeinschaft entstanden mit bis heute knapp 1000 Mitgliedern – wovon übrigens 52 % Investorinnen sind – und 380 Mio. Euro angelegtem Kapital. Wenn viele gleichsinnig investieren, können sie auftreten wie ein Großer und weltweit Wertschöpfungsketten nutzen, die für einen allein weder verfügbar noch erschwinglich wären.
Sie sagen, Privatanleger sollten „wie eine Bank investieren, nicht bei der Bank“. Was wollen Sie konkret damit sagen?
Ogger: Geldanleger sind in meinem Sprachgebrauch Anleger, die einer Bank Geld und Verantwortung überlassen. Die macht mit den Strategien der Großen tolle Renditen und speist die Anleger mit ein paar Zinsen ab. Ein Investor dagegen behält die Kontrolle und macht es wie die Bank, indem er direkt investiert. Das macht mehr Spaß und ist oft auch lukrativer.
Welche Ziele haben Sie sich bis Jahresende gesteckt?
Ogger: Für die kommenden Finanzseminare will ich neue Tools programmieren, weitere Lehrvideos und Podcasts aufnehmen, das Wohlstandsbildner-Altersvorsorgedepot für 2027 vorbereiten; der Besuch einer neuen Agrikultur-Investition in Europa steht auch noch an. Vor allem will ich lernen, mich als Bürger weniger über die Probleme in unserem Land aufzuregen – für Investoren sind es schließlich tolle Zeiten. (mho)

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