Neues Altersvorsorgedepot weckt Interesse, braucht jedoch Aufklärung

30.07.2026

Prof. Dr. Christian Klein, Leiter des Fachgebiets Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel. Foto: © Universität Kassel

Ab 2027 löst das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Bürger können ihr Erspartes künftig frei in Fonds und ETFs (börsengehandelte Indexfonds) anlegen. Doch wie kommt das Modell an? Eine Befragung von 1.726 Anlegerinnen und Anlegern unter Leitung des Kasseler Wirtschaftsprofessors Prof. Dr. Christian Klein zeigt: Das Interesse ist zwar groß, aber es gibt noch erheblichen Handlungsbedarf, damit die Menschen die Reform auch verstehen.

Aus den Antworten geht hervor: Drei von vier Befragten können sich vorstellen, das neue Depot zu nutzen. Allerdings bevorzugt die Mehrheit ausgerechnet die Variante mit Beitragsgarantie. Damit schrumpften jedoch die Renditechancen – die Menschen würden faktisch wieder Verträge nach altem Riester-Muster abschließen, was die Reform eigentlich verhindern wolle, gibt Klein zu bedenken. Zudem wünschten sich rund zwei Drittel eine nachhaltige Geldanlage. Ob das geplante Standarddepot solche Kriterien abdecken werde, sei bisher völlig offen. Dass fast ein Drittel der Befragten noch nie von der Reform gehört habe, unterstreiche den akuten Aufklärungsbedarf.

Für den weiteren Reformprozess leiten die Forschenden im Policy Brief vier Empfehlungen ab:

·         Aufklärung und finanzielle Bildung von Anfang an zum Teil der Reform machen.

·         Die Renditekosten von Garantien sichtbar machen, etwa durch verpflichtende Beispielrechnungen vor dem Abschluss.

·         Nachhaltigkeit im Standarddepot verankern – mit Ausstiegsoption für alle, die das nicht wollen.

·         Eine höhere staatliche Förderung nachhaltiger Produkte prüfen.

Bis zum Start Anfang 2027 bleibe dafür allerdings wenig Zeit, so Klein, Leiter des Fachgebiets Nachhaltige  Finanzwirtschaft an der Universität Kassel. (mho)