Neustart für die private Altersvorsorge
13.08.2026

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Bestandsschutz bestehender Riester-Verträge
Für die rund 15 Millionen Menschen mit einem bestehenden Riester-Vertrag besteht Bestandsschutz und die Verträge laufen unverändert weiter. Allerdings besteht ab Anfang 2027 die Möglichkeit, freiwillig in das neue System zu wechseln. Eine Übertragung des angesparten Kapitals in ein neues Produkt soll ohne Verlust der staatlichen Zulagen möglich sein. Die Wechselkosten sind gesetzlich auf 150 Euro für den abgebenden und 150 Euro für den aufnehmenden Anbieter begrenzt. Deswegen stellt sich für viele die Frage, ob sie den bisherigen Vertrag behalten oder ins neue System gehen sollen. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt jedoch stark vom Einzelfall ab. Laut GDV fährt mit dem bestehenden Vertrag häufig besser, wer einen hohen Garantiezins hat, schon lange spart oder mehrere Kinder hat. Bei Geringverdienern mit Kindern kann ein Riester-Abschluss unter Umständen sogar noch im Jahr 2026 sinnvoll sein, da sie sich hohe Zulagenquoten sichern können und durch die späteren Wechselmöglichkeiten dennoch flexibel bleiben.
Produktanbieter arbeiten mit Hochdruck an neuer Förder-Welt
Inzwischen nutzen zahlreiche Finanzunternehmen den engen Zeitkorridor vom Beschluss der Reform im Frühjahr bis zum Inkrafttreten am 01. Januar 2027 und arbeiten mit Hochdruck daran, sich für die neue Förderwelt zu rüsten. Im Mittelpunkt stehen IT-Umstellungen, Produktentwicklung und Vertriebsschulungen. Als Produktanbieter für die neue private Altersvorsorge kommt eine deutlich breitere Palette an Finanzunternehmen infrage als bei der alten RiesterRente. Neben Versicherern drängen vor allem Fonds-Anbieter, Investmentgesellschaften, Banken und Neo-Broker auf den Markt. Im Kern des neuen Förder-Systems geht es um drei Produktkategorien mit unterschiedlichen Absicherungsstufen, zwischen denen die Anleger wählen können. Erstens das Altersvorsorgedepot ohne Garantie, bei dem die volle Investition in renditestarke ETFs, Investmentfonds und Anleihen ohne Beitragsgarantie möglich ist. Zweitens das Garantieprodukt mit 80 % Absicherung. Hier gibt es eine Beitragsgarantie von 80 % zum Laufzeitende, der Rest wird chancenreich am Aktienmarkt angelegt. Und schließlich drittens das Garantieprodukt mit 100 % Absicherung. Analog zur alten Riester-Rente wird hier der vollständige Erhalt der eingezahlten Beiträge garantiert.
Die Alte Leipziger gehört zu den ersten Anbietern, die sich aktiv zur neuen Förderwelt bekannt haben und zum 01. Januar 2027 neue geförderte Altersvorsorgeprodukte anbieten werden. Geplant ist neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standardprodukt ein Produktangebot mit modernen, fondsbasierten Lösungen und umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten. Zur Unterstützung stellt die Alte Leipziger ihren Vertriebspartnern bereits einen Förderrechner zur Verfügung, mit dem sich individuell ermitteln lässt, ob ein Wechsel in die neue Förderwelt sinnvoll ist. Ziel ist es, Vermittler frühzeitig in die Lage zu versetzen, ihre Kunden fundiert zu beraten und Orientierung in einem sich wandelnden Markt zu geben.
Und auch die Maklerpools rüsten sich und bereiten die Vermittler bereits heute auf die neue Beratungswelt vor. So hat Jung, DMS & Cie. etwa eine umfangreiche Landingpage aufgebaut, auf der Makler umfassende Informationen zur Reform finden. Zudem stellt das Unternehmen seinen angeschlossenen Maklern auch einen Fördervergleichsrechner zur Verfügung. Aus Sicht des Maklerpools beginnt gute Beratung nicht mit einem Produkt, sondern mit einer objektiven Analyse der individuellen Fördermöglichkeiten. „Wir möchten verhindern, dass rund um das Altersvorsorgedepot eine reine Wechseldiskussion entsteht. Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie schnell kommt der Kunde in die neue Welt, sondern welche Lösung bietet ihm langfristig den größten Nutzen? Genau dafür geben wir unseren Maklern jetzt das passende Werkzeug an die Hand“, sagt Kristina Obermeier, Director Broker Sales der Jung, DMS & Cie. AG.
Umfragen: Vorherrschende Unsicherheit in der Bevölkerung
Allerdings treffen die Vorbereitungen der Branche auf eine große Unsicherheit in der Bevölkerung, wie eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von Finanztip zeigt. Demnach kennen bisher lediglich 36 % der Bevölkerung das Altersvorsorgedepot, 57 % haben bislang noch nichts davon gehört. Weitere 7 % sind sich unsicher. Und von denjenigen, die das Altersvorsorgedepot kennen, können sich nur 31 % eine Nutzung vorstellen, so die Studie. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle YouGov Umfrage im Auftrag der Postbank. Während 46 % der Erwerbstätigen angeben, dass der Abschluss eines Altersvorsorgedepots für sie nicht infrage kommt, kann sich nur etwas mehr als jeder dritte Erwerbstätige (38 %) vorstellen, ein Altersvorsorgedepot zu nutzen.
Erfolgsfaktor Beratung
Die Umfragen machen mehr als deutlich, dass der entscheidende Erfolgsfaktor der neuen Förderwelt in einer qualitativ hochwertigen Beratung liegt, die natürlich auch eine angemessene Vergütung verdient. „Altersvorsorgeentscheidungen wirken über Jahrzehnte. Sie betreffen Förderlogiken, Kapitalmarktrisiken, Garantien, Auszahlungsfragen und bestehende Verträge. Das ist kein einfacher Online-Klick. Wer möchte, dass die neue private Altersvorsorge tatsächlich genutzt wird, muss Beratung als Erfolgsfaktor begreifen – nicht als Kostenproblem“, erklärt Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW. Insofern sind die Vermittler und Makler jetzt gefordert, sich bis Januar 2027 mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen und Schulungsangebote von Versicherern, Maklerpools, Verbänden und weiteren zu nutzen. Da die konkreten Produkte erst in den kommenden Monaten finalisiert werden, sind Vermittler auf die Expertise dieser Partner angewiesen. Auch sollten Berater ihre Bestände strukturieren und Kunden schon mal aktiv auf die neuen Fördermöglichkeiten hinweisen.
Fazit
Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge endet die Ära der Riester-Rente und es beginnt eine deutlich kapitalmarktorientiertere Förderwelt. Ob der Neustart gelingt, wird maßgeblich von verständlichen Produkten und einer qualifizierten Beratung abhängen. Für Makler und Finanzberater eröffnet sich dadurch ein erhebliches Geschäftspotenzial. Zugleich steigen die Anforderungen an Know-how und individuelle Kundenbetreuung. Wer sich als Berater rechtzeitig darauf vorbereitet, ist für den Start am 01.01.2027 gut gerüstet. (mho)

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