Überschussbeteiligung 2023: Mögliche Trendwende

26.01.2023

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Die Situation der Versicherer in Bilanzkennzahlen

Ein Indikator, der Aufschluss über die finanziellen Puffer eines Unternehmens gibt, sind die Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB). Insgesamt ist die RfB-Quote im Marktschnitt in den letzten Jahren stetig gesunken. Auch unter den erhöhenden Gesellschaften gibt es einige mit unterdurchschnittlicher RfB-Quote.

Ein Blick in die Bewertungsreserven zeigt, dass sie 2021 noch genügend vorhanden waren. Allerdings führt der Zinsanstieg 2022 vor allem in den festverzinslichen Anlagen zu stillen Lasten. Unter dem Strich werden die Bewertungsreserven deutlich zurückgehen. Dieser Rückgang ist zunächst nicht besorgniserregend, da auch die Aufwände für die Zinszusatzreserve zurückgehen werden oder es sogar bei einzelnen Versicherern bereits Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve geben wird. Eine Realisation von Bewertungsreserven zur Finanzierung der Zinszusatzreserve wird in geringerem Maße notwendig sein.

Die Nettoverzinsung wird im Bilanzjahr 2022 im Schnitt geringer sein als im Vorjahr, da die Erträge aus der Realisation von Bewertungsreserven zur Finanzierung der Zinszusatzreserve geringer ausfallen. Dies ist im Hinblick auf die Überschussbeteiligung jedoch kein schlechtes Zeichen. Die gestiegenen Zinsen wirken sich positiv auf die zukünftig laufenden Kapitalerträge aus und ermöglichen langfristig auch wieder höhere Überschussbeteiligungen.

Fazit

Wie früh die Versicherer mit der Deklaration wieder nach oben gehen, hängt von vielen individuellen Faktoren ab, zum Beispiel von aktuellen Bilanzdaten wie der RfB, den Bewertungsreserven des Bilanzjahres 2022, der Struktur des Bestandes hinsichtlich Garantieverpflichtungen und somit von dem positiven Effekt durch die Entlastung bei der Zinszusatzreserve, der Struktur der Kapitalanlagen und natürlich von der Geschäftspolitik. Ob der Versicherer also die zuletzt niedrigen Puffer in der RfB durch Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve und aus höheren Erträgen zunächst auffüllt oder direkt die Kunden daran beteiligt, um die Attraktivität der Altersvorsorgeprodukte zu steigern, ist auch eine strategische Entscheidung und von außen nur teilweise bewertbar. „Die Deklaration ist eine äußerst individuelle Entscheidung. Wir sehen, dass der Markt insgesamt stabil ist, und schätzen das Signal der Branche die Versicherten kurzfristig an dem Aufwärtstrend partizipieren zu lassen, als sehr positiv ein“, zieht Saal das Fazit und ergänzt: „Ob es sich hierbei schon um eine Trendwende handelt, zeigt sich in den nächsten Jahren. Die Zeichen stehen aber gut.“ (ml)