Wer sein altes Darlehen neu verhandelt, kann viel Geld sparen

28.07.2015

Mittlerweile sollte sich bei jedem herumgesprochen haben, dass es für Häuslebauer aktuell sehr günstig ist, ein Haus zu bauen, sind die Zinsen für Baufinanzierungen doch seit mehreren Jahren im Keller.

Doch auch wer seine Immobilienfinanzierung vor ein paar Jahren abgeschlossen hat, wird vielleicht den Tipp bekommen haben, die Zinsen auf längere Zeit festzuschreiben, da diese sehr tief seien.

Nun sind die Zinsen noch weiter in den Keller gefallen und bei dem einen oder anderen nähert sich die Anschlussfinanzierung. Aber auch Kreditnehmer, die noch ein paar Jahre zu gehen haben, sollten über eine Neuverhandlung ihres laufenden Kredites nachdenken. Läuft die aktuelle Zinsbindung ab, kann man sich ohnehin ohne großen Aufwand einen neuen Kredit zu aktuell sehr günstigen Konditionen beschaffen oder gar den Kredit komplett ablösen, sollten die finanziellen Mittel dafür vorhanden sein.

Anders sieht es aus, wenn die Restlaufzeit noch eine paar Jahre beträgt. Eine Verhandlung über einen neuen Kredit zu niedrigeren Zinsen mit der Hausbank ist zwar möglich, doch verpflichtet ist die Bank dazu sicher nicht, schließlich entgehen ihr dadurch Zinsgewinne. Bei einer langjährigen Geschäftsbeziehung im größeren Umfang kann die Bank dann aus Kulanz auf das Ersuchen eingehen, andernfalls stehen die Chancen eher schlecht.

Geht die Baufinanzierung nur noch etwa zwei oder drei Jahre, könnte ein Forward-Darlehen eine gute Option sein. Bei dieser Art des Darlehens ist der Abschluss des Vertrages zwar heute, aber bis zur Auszahlung können mehrere Jahre vergehen. Damit kann man sich auch auf längere Zeit bereits die zum Vertragsabschluss niedrigen Zinsen sichern und mit einer höheren Planungssicherheit in die Zukunft gehen. Ansonsten verhält sich diese Darlehensart wie jedes andere Annuitätendarlehen. Beachten müssen die Kreditnehmer nur, dass sich die Banken diese Absicherung mit einem Zinsaufschlag finanzieren lassen. Dieser Aufschlag sollte aber nicht höher als ein Prozentpunkt sein.

Eine Neuverhandlung oder eine günstige Anschlussfinanzierung kann sich in den meisten Fällen richtig lohnen und auch bei vergleichsweise geringen Zinsänderungen auf die gesamte Darlehenssumme gesehen durchaus enorme Ersparnisse bedeuten. Besonders schon länger laufende Darlehen können von den seit Jahren gesunkenen Zinsen am meisten profitieren. Ein besonderer Grund zur Eile ist allerdings nicht gegeben. Das derzeitige Zinsniveau dürfte durchaus noch bis Mitte 2016 (so lange geht das Staatsanleihenkaufprogramm der EZB) so bleiben, so dass ein Anstieg der Zinsen für Baufinanzierungen nicht zu erwarten ist.

EZB-Chef will weiterhin, dass die Banken das Geld nicht bei der EZB parken, sondern in Umlauf bringen um die Wirtschaft in Europa weiter voranzutreiben und deshalb ist eine Leitzinserhöhung nicht in Sicht. Es kann für Baufinanzierer dennoch nicht schaden sich nach attraktiven Angeboten umzusehen.

Autor: Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der FiNUM.Private Finance AG