1.000 Autos im Allianz Test

07.02.2013

© Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Im europäischen Forschungsprojekt euroFOT wurde der Sicherheitsgewinn von elektronischen Systemen zur Unterstützung der Fahrer erstmals im realen Straßenverkehr nachgewiesen. Das Allianz Zentrum für Technik unterstützte die Wirksamkeitsanalyse. Die Allianz nutzt die Ergebnisse auch für ihre weltweiten strategischen Partnerschaften mit der Automobil-Industrie.

(fw/db) Die Allianz SE meldet, dass die Ergebnisse des vierjährigen Forschungsprojektes des europäischen Feldtests "European Field Operational Test - euroFOT" jetzt vorliegen.

Acht Fahrerassistenzsysteme, die seit 2008 auf dem Markt sind, wurden umfassend getestet. Von den insgesamt 28 Partnern aus Automobilindustrie, Forschungsinstituten und Universitäten war das Allianz Zentrum für Technik mit der Wirksamkeitsanalyse betraut.

Für den Test waren 1.000 speziell ausgerüstete Pkw und Lkw über zwölf Monate lang mit wechselnden Fahrern auf den Straßen Europas unterwegs. Dabei wurden bei jedem Abbiegen, Beschleunigen, Bremsen oder Spurwechsel die Bewegungsmesswerte verfolgt und aufgezeichnet. In vielen Fahrzeugen wurden zudem Fahrer und Fahrsituation gefilmt.

Das Forschungsprojekt untersuchte die Fahrerassistenzsystem-Technologien hinsichtlich deren Chancen zur Erhöhung der Verkehrsicherheit und -effizienz, der Akzeptanz beim Fahrer, der Verbesserung des Fahrverhaltens, der Möglichkeit, Kraftstoff einzusparen und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt.

"Bislang haben wir uns bei der Bewertung von Systemen auf Prognosen und zahlreiche Annahmen stützen müssen. Mit dem groß angelegten Feldversuch liegen nun erstmals reale wissenschaftlich erhobene Daten zu Akzeptanz, Nutzung und Wirkung vor, die deutlich den Sicherheitsgewinn von bereits verfügbaren Systemen zeigen", so Dr. Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung im Allianz Zentrum für Technik (AZT).

Die zusammengefassten Ergebnisse sprechen für sich. So könnten beispielsweise allein durch die adaptive Geschwindigkeitsregelung in Kombination mit dem Auffahrwarnsystem 42 Prozent aller Auffahrunfälle auf der Autobahn vermieden werden.

Der Praxistest war auf acht individuelle [Fahrerassistenzfunktionen](http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrerassistenzsystem "Link zu Wikipedia "Fahrerassistenzsystem"") [](http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrerassistenzsystem "Link zu Wikipedia "Fahrerassistenzsystem"")ausgerichtet. Neben einer Reihe von Erkenntnissen zum Einfluss auf Verkehrseffizienz und Kraftstoffverbrauch sind die folgenden Forschungsergebnisse zur Verkehrssicherheit von Bedeutung:

1 + 2. [Adaptive Geschwindigkeitsregelung](http://de.wikipedia.org/wiki/Abstandsregeltempomat "Link zu Wikipedia "Abstandsregeltempomat"") (ACC) und Auffahrwarnsystem (FCW)

  • Die Zahl scharfer Bremsmanöver nimmt stark ab (Autobahn: -67 Prozent, Landstraße: -45 Prozent, innerhalb von Ortschaften: -32 Prozent )
  • Die Zahl der kritischen Abstände zum vorausfahrenden Fahrzeug nimmt stark ab (Autobahn: -73 Prozent, Landstraße: -81 Prozent, innerhalb von Ortschaften: -63 Prozent)
  • Die Zahl der Beinahe-Unfälle nimmt stark ab (Autobahn: -32 Prozent, Landstraße: -45 Prozent, innerhalb von Ortschaften: -2 Prozent)
  • Hoher Nutzungsgrad von ACC auf der Autobahn (in 52 Prozent der Zeit eingeschaltet)
  • 31 Prozent der Autofahrer nutzen ACC auf der Landstraße
  • Das Vermeidungspotenzial von Auffahrunfällen auf der Autobahn liegt bei 42 Prozent (Landstraße bis zu 14 Prozent )
  • Die teilnehmenden Fahrer betonten in der Befragung, dass ACC und FCW äußerst geschätzte und benutzte Funktionen sind, die sowohl Komfort als auch Sicherheit erhöhen.

3. [Spurhalteassistent](http://de.wikipedia.org/wiki/Spurhalteassistent "Link zu Wikipedia "Spurhalteassistent"") (Lane Departure Warning - LDW)

  • Verbesserte Spurhaltung sowie Reduktion des mittleren Einschlagwinkels
  • Verbessertes Blinkerbetätigungsverhalten

4. [Navigationssysteme](http://de.wikipedia.org/wiki/Navigationssystem "Link zu Wikipedia "Navigationssystem"")

  • Hohe Akzeptanz, insbesondere auf langen Reisen und unbekannten Strecken
  • Das Fahrerverhalten ist deutlich besser, insbesondere Spurwechselverhalten, Abstandsverhalten zu vorausfahrenden Fahrzeugen; Abnahme abrupter Bremsmanöver

5. [Totwinkel-Assistent](http://de.wikipedia.org/wiki/Spurwechselassistent "Link zu Wikipedia "Totewinkel-Assistent"") (BLIS)

  • 80 Prozent der Fahrer waren der Meinung, dass BLIS die Sicherheit erhöht (besonders nützlich im dichten städtischen Verkehr keine zusätzliche Belastung)
  • Wichtige Ergänzung zur Sichtkontrolle (Schulterblick)

6 + 7. [Geschwindigkeitsregelsystem](http://de.wikipedia.org/wiki/Abstandsregeltempomat "Link zu Wikipedia "Geschwindigkeitsregelsystem"") (Speed Limiter - SL + Cruise Control - CC)

  • Reduktion von Fahrten mit überhöhter Geschwindigkeit
  • Anzahl der abrupten Bremsmanöver nimmt ab
  • Anzahl kritischer Abstände nimmt ab

8. [Vorausschauende Geschwindigkeitswarnung (CSW)](http://de.wikipedia.org/wiki/Bremsassistent "Link zu Wikipedia "CSW"")

  • 75 Prozent der Fahrer waren der Meinung, dass CSW die Sicherheit erhöht (besonders nützlich auf Landstraßen).
  • CSW unterstützt defensives Fahrverhalten.

Allianz nutzt Ergebnisse für internationale Versicherungsprodukte

Das Engagement im Projekt euroFOT sei ein wichtiger Baustein der Allianz Global Automotive Strategie. Als Entwicklungspartner der Automobilindustrie unterstütze die Allianz ihre Partner in der Forschung und Entwicklung, vom Produktionsprozess bis hin zum Bereich Service nach dem Verkauf, beim Vertrieb und bei der Schadenabwicklung.

"Die im realen Straßenverkehr erhobenen Daten sind von besonderer Bedeutung für die Allianz", so Karsten Crede, Vorstand Allianz Global Automotive. "Damit sind wir jetzt noch besser in der Lage, den Einfluss von Fahrerassistenzsystemen auf Versicherungsschäden abzuschätzen und im internationalen Markt mit unseren Partnern der Automobilindustrie Versicherungsprodukte zu entwickeln, die das Unfallreduktionspotenzial berücksichtigen."

Fazit nach dem euroFOT-Feldtest

Die Unfallforscher im AZT sind aufgrund der realen Messwerte und Erfahrungen im Feld zuversichtlich, dass mit Fahrerassistenzsystemen der aktuellen und nächsten Generation ein noch höherer Sicherheitsgewinn erzielt werden kann. Voraussetzung ist eine schnelle Markteinführung, die die Allianz durch Aufklärungsarbeit, Sensibilisierung der Autofahrer sowie entsprechende Versicherungsprodukte weiter nachhaltig unterstützen wird.

Allianz SE

Allianz Zentrum für Technik

"European Field Operational Test - euroFOT"