Aktive ETFs – der neue Stern am Anlagehimmel?
14.05.2026

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Börsengehandelte Indexfonds eilen seit Jahren von Rekord zu Rekord und gelten völlig zu Recht als das Maß der Dinge beim privaten Vermögensaufbau. Einst starteten diese Anlageinstrumente als simple und kostengünstige Bausteine, die stur einen breiten Markt abbildeten. Mit der stetig wachsenden Beliebtheit hat sich in den vergangenen Jahren jedoch auch die Produktlandschaft massiv weiterentwickelt. Heute reicht das Spektrum weit über die klassischen Basisinvestments hinaus und bietet Anlegern eine enorme Vielfalt.
Das Angebot reicht mittlerweile von hochspezifischen Themen-ETFs über wissenschaftlich fundierte Faktor-Strategien bis hin zu Laufzeit-ETFs für den punktgenauen Einsatz im Anleihebereich. Inmitten dieser enormen Produktexpansion wächst abseits der rein passiven Konzepte aktuell ein weiteres Segment besonders rasant heran, dass spürbar immer mehr Anleger anzieht. Die Rede ist von aktiven ETFs.
Die Hybrid-Natur der neuen Fonds
Um das Potenzial dieser Produkte greifbar zu machen, lohnt ein genauer Blick unter die Oberfläche, denn aktive ETFs verwischen die jahrzehntelang klare Grenze zwischen passiven Indexfonds und klassischen aktiv gemanagten Investmentfonds. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um aktiv verwaltete Portfolios, die in der Hülle eines modernen ETFs stecken.
Eine Analogie aus der Automobilwelt verdeutlicht diese Struktur hervorragend, wobei der Motor das aktive Management darstellt. Statt starr einem vorgegebenen Index wie dem DAX oder dem MSCI World zu folgen, entscheidet hier ein professionelles Fondsmanagement ganz gezielt über den Kauf oder Verkauf einzelner Wertpapiere, um den breiten Markt durch geschickte Titelauswahl zu schlagen oder Schwankungen in Krisenzeiten aktiv zu verringern. Die Karosserie bildet derweil der ETF-Mantel, weshalb diese Produkte fortlaufend an der Börse gehandelt werden und eine extrem hohe Transparenz bieten.
Der größte Vorteil der passiven ETFs waren die geringen Kosten. Da für das aktive Steuern des Portfolios erfahrene Experten bezahlt werden müssen, fallen die jährlichen Verwaltungsgebühren bei aktiven ETFs naturgemäß etwas höher aus. Während klassische Basis-ETFs oft schon für 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr zu haben sind, liegen aktive ETFs beispielhaft meist in einem Bereich von 0,4 bis 0,6 Prozent. Damit bewegen sie sich jedoch spürbar unterhalb der teuren Kostenstruktur herkömmlicher aktiver Fonds, die nicht selten mit 1,5 bis 2,0 Prozent jährlich zu Buche schlagen. Das macht die junge Anlageklasse finanziell zu einem äußerst attraktiven Mittelweg für Anleger.
Die Treiber hinter dem aktuellen Trend
Ein wesentlicher Grund für den aktuellen Boom liegt im regulatorischen Rückenwind, der bereits 2019 in den USA durch gezielte Erleichterungen der dortigen Börsenaufsicht eine regelrechte Welle auslöste. Inzwischen zieht auch Europa deutlich nach, indem wichtige Fonds-Domizile wie Irland und Luxemburg steuerliche Hürden abbauen und Transparenzpflichten lockern, was den Anbietern den hiesigen Markteintritt massiv erleichtert. Ein noch stärkerer Treiber ist jedoch das zunehmend komplexe Marktumfeld, in dem extrem wenige amerikanische Technologie-Giganten die weltweiten Indizes derart dominieren, dass sich Käufer eines klassisch marktkapitalisierungsgewichteten Welt-ETFs unweigerlich immense Klumpenrisiken ins Depot holen.
Gerade in einem von geopolitischen Krisen und hartnäckiger Inflation geprägten Umfeld suchen Investoren daher händeringend nach Wegen, diese Risiken wieder aktiv zu steuern, ohne auf die unbestreitbaren Vorteile der flexiblen ETF-Struktur verzichten zu müssen. Flankiert wird dieses Bedürfnis nach Risikokontrolle von der klassischen Suche nach Überrendite. Sehr viele Anleger verfolgen das ehrgeizige Ziel, den breiten Markt langfristig zu schlagen. Mit einem einzelnen rein passiven ETF ist dies definitionsgemäß schlicht unmöglich. Aktive ETFs bedienen genau diese Sehnsucht und eröffnen ambitionierten Investoren neue Chancen. Befeuert wird diese gesamte Entwicklung zusätzlich durch eine veränderte Anlegerdemografie, da eine wachsende Zahl von Investoren digitale Plattformen für ihre Sparpläne nutzt und nach innovativen, kosteneffizienten Lösungen verlangt.
Die Vor- und Nachteile im Realitätscheck
Wie bei jedem Finanzprodukt gibt es auch bei aktiven ETFs Licht und Schatten, wobei sie auf der Habenseite ganz klar die Chance auf eine echte Outperformance verbuchen.
In volatilen Marktphasen kann das Management flexibel reagieren, Cash-Quoten aufbauen oder besagte Klumpenrisiken gezielt umschiffen, während ein solcher Handlungsspielraum einem starren passiven ETF strukturell verwehrt bleibt. Zudem punkten die neuen Vehikel mit einem deutlichen Kostenvorteil gegenüber klassischen Fonds, da neben dem Wegfall des Ausgabeaufschlags auch die jährliche Verwaltungsgebühr meist deutlich moderater ausfällt. Dennoch dürfen die Nachteile nicht verschwiegen werden, denn im Vergleich zu simplen passiven Index-ETFs bleibt eine höhere Kostenhürde in der Verwaltung bestehen, zu der sich das unvermeidbare Manager-Risiko gesellt.
Liegen die Experten nämlich mit ihrer Einschätzung falsch, schneidet der ETF nach Abzug der Kosten schlechter ab als der breite Markt. Erschwerend kommt die oft fehlende Historie hinzu, da viele dieser Produkte erst in jüngster Zeit aufgelegt wurden und somit ein verlässlicher Track-Record fehlt, um das Können des Managements über verschiedene raue Marktzyklen hinweg fundiert zu bewerten. Ebenso sollten Investoren bei spezielleren Nischen-ETFs achtsam sein, da hier die Spreads an der Börse höher ausfallen können, was die Rendite bei häufigem Handel merklich schmälert.
Der sichere Hafen in stürmischen Zeiten
Letztlich erfordert die Debatte zwischen aktiv und passiv ein intelligentes Zusammenspiel. Aktive ETFs entfalten ihren Mehrwert vor allem als präzises Werkzeug in weniger transparenten Nischenmärkten oder bei komplexen Spezialthemen. Wenn es hingegen um hochgradig effiziente und breite Märkte geht, bleiben sehr günstige passive ETFs weiterhin die erste Wahl. Genau hier setzt die Philosophie seriöser, bankenunabhängiger Vermögensverwalter an: Obwohl sie die Vorteile aktiver Konzepte in ausgewählten Segmenten schätzen, nutzen sie für das Fundament ihrer Portfolios ganz bewusst äußerst kosteneffiziente passive ETFs.
Nach dem bewährten Core-Satellite-Prinzip bilden diese die verlässliche Basis, auch „Core“ genannt. Über diesen Kern wird die globale Aktienquote gesteuert, während eine permanente Risikoüberwachung im Hintergrund stattfindet. Aktive Komponenten ergänzen dieses Fundament gezielt dort, wo sie einen echten strategischen Mehrwert bieten. Dieses professionelle Vorgehen schützt Anleger effektiv davor, in Panik unüberlegt zu handeln und der teuren Versuchung des falschen Timings zu erliegen.
Eine derartige fachliche Begleitung gepaart mit einer rationalen Strategie ist der verlässlichste Weg, um ein Vermögen dauerhaft und strukturiert durch alle wirtschaftlichen Phasen zu navigieren.

Marktkommentar von Markus Richert, CFP und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

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