Alles digitales Gold, was glänzt

19.03.2026

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Der World Gold Council (WGC) hat eine wegweisende Initiative angekündigt, mit der eine neue Marktinfrastruktur geschaffen werden soll, um die nächste Entwicklungsphase von digitalem Gold einzuläuten.

Der WGC hat gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) ein Whitepaper mit dem Titel „Digital Gold: The Case for a Shared Infrastructure" verfasst, das das Konzept „Gold as a Service“ untersucht – eine neue Plattform zur Unterstützung der Ausgabe und der Verwaltung skalierbarer, interoperabler Produkte auf Goldbasis.

Die Plattform verbindet die physische Verwahrung von Gold mit den digitalen Systemen, die zur Ausgabe und Verwaltung goldgedeckter Produkte eingesetzt werden. Durch die Standardisierung wesentlicher Marktprozesse wie Koordination der Verwahrstellen, Abstimmung, Compliance und Rücknahme soll das Modell die operative Komplexität reduzieren, den Zugang verbessern und eine größere Einheitlichkeit bei digitalen Goldprodukten gewährleisten.

Strukturelle Hürden für digitales Gold im Fokus

Im Whitepaper wird herausgestellt, dass Gold bereits eine bedeutende Digitalisierung durchlaufen hat: Handel, Abwicklung und Buchführung erfolgen heute größtenteils elektronisch, und eine wachsende Palette digitaler Goldprodukte, darunter Token, ist verfügbar. Dennoch bleibt digitales Gold aufgrund struktureller Engpässe im Umfang begrenzt. Die Ausgabe und die Verwaltung digitaler Goldprodukte sind nach wie vor komplex; mangelnde Standardisierung und eingeschränkte Fungibilität erschweren die Integration in moderne Finanzsysteme.

Als Antwort auf diese Herausforderungen ist „Gold as a Service“ konzipiert worden. Unter Berücksichtigung des physischen Charakters von Gold zielt es darauf ab, die Integration von Gold in ein zunehmend digitales Finanzökosystem zu modernisieren und dabei die grundlegenden Eigenschaften des Edelmetalls zu bewahren, die seine Bedeutung über Jahrtausende hinweg gesichert haben.

Wesentliche Merkmale der Plattform im Überblick

Reibungslose Produktausgabe und -verwaltung: Standardisierte Infrastruktur und Betriebsmodelle vereinfachen die Erstellung, Ausgabe und laufende Verwaltung digitaler Goldprodukte und reduzieren die operative Komplexität.

Einfacher Handel: Durch die Vereinheitlichung von Prozessen soll „Gold as a Service“ die Fungibilität von digitalem Gold erhöhen, sodass es über das gesamte Ökosystem hinweg als einheitlicher Vermögenswert mit konsistentem Wert und gleichen Rechtsansprüchen fungieren kann.

Eingebettetes Vertrauen und Sicherheit: Kontinuierliche Abstimmung, Prüfung und Qualitätssicherung würden in die gemeinsame Infrastruktur integriert und stärkten so das Vertrauen in digitales Gold durch einen lückenlosen Nachweis der physischen Deckung sowie klar definierte Eigentümerschafts- und Rücknahmerahmen.

Interoperabilität: Die gemeinsame Infrastruktur ermöglicht es digitalen Goldprodukten, sich einfacher in bestehende Finanzmarktinfrastrukturen und aufkommende digitale Zahlungsschienen zu integrieren, was die Mobilität über Plattformen, Handelsplätze und Anwendungsfälle hinweg verbessert.

Erweiterter Nutzen: Mit verbesserter Fungibilität und Liquidität könnte digitales Gold seine traditionelle Rolle als Diversifikations- und Wertaufbewahrungsmittel erweitern. Gold könnte zu einsetzbarem Kapital werden und neue Anwendungsfälle erschließen, etwa die Verwendung als Sicherheit für Kreditaufnahmen.

David Tait, Chief Executive Officer des World Gold Council, erklärt: „Der Finanzsektor befindet sich in einem rasanten und tiefgreifenden digitalen Wandel. Gold muss sich ebenfalls weiterentwickeln, um seine Rolle im globalen Finanzsystem zu behaupten. ‚Gold as a Service‘ ist der jüngste Schritt im Programm des World Gold Council zur Innovation bei digitalem Gold und soll Vertrauen, Transparenz und Markteffizienz stärken. Eine gemeinsame Infrastruktur kann dazu beitragen, Gold zugänglicher und handelbarer zu machen und vollständig in moderne Finanzsysteme zu integrieren, damit es morgen ebenso relevant bleibt, wie es das seit Jahrtausenden ist.“

Matthias Tauber, Managing Director und Senior Partner bei BCG, ergänzt: „Die Frage lautet nicht mehr, ob Gold digital sein wird, sondern wie es an modernen Finanzsystemen teilhaben kann, ohne seine physische Integrität zu gefährden. Gemeinsam mit dem World Gold Council haben wir untersucht, was es braucht, um eine verlässliche Infrastruktur für digitales Gold im breiten Markt aufzubauen.“ (fw)