Nachgefragt bei Harald Rosenberger, Nürnberger Versicherung

22.05.2026

Harald Rosenberger, CEO der Nürnberger Versicherung. Foto: © Nürnberger Versicherung

Exklusiv

Seit wenigen Tagen ist die Nürnberger Versicherung Teil der Vienna Insurance Group (VIG). finanzwelt hat bei Harald Rosenberger, CEO der Nürnberger Versicherung nachgefragt, welche zentrale Strategie dahinter steht, welche Veränderungen die neue Konstellation für Vertriebspartner, Makler und Kunden bringt und wie er die Balance zwischen unternehmerischer Eigenständigkeit und Konzernintegration sieht.

Herr Rosenberger, die Nürnberger Versicherung ist nun Teil der Vienna Insurance Group. Was waren die entscheidenden Gründe für diesen Schritt?

Harald Rosenberger: Die Nürnberger richtet sich konsequent auf ihre Transformation zum Präventionsversicherer und auf ertragreiches Wachstum aus. Die VIG als Ankeraktionär ist dafür der richtige Partner, weil sie uns noch mehr Stabilität und Sicherheit gibt sowie ihr Know-how und ihre Unterstützung bei unserer Transformation einbringt.

Welche Veränderungen und Vorteile bringt die neue Konstellation für Vertriebspartner, Makler und Kunden?

Rosenberger: Als Teil der VIG werden wir ein noch stärkerer Partner für unsere Kunden und Vertriebspartner. Dank des Zugangs zu den Services, Tools, Produkten und Präventionslösungen der führenden Versicherungsgruppe in Zentral- und Osteuropa mit 50 Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen werden wir ihnen künftig mehr Angebote machen können.

Trotz der Übernahme soll die Nürnberger als eigenständige Marke erhalten bleiben. Wo sehen Sie die Balance zwischen unternehmerischer Eigenständigkeit und Konzernintegration?

Rosenberger: Der Vorstand führt die Nürnberger auch weiterhin eigenverantwortlich als eigenständige Einheit innerhalb der VIG. Das heißt, alle Entscheidungen, die den deutschen Markt betreffen, werden auch weiterhin in Nürnberg getroffen. Die Gruppe ist als föderalistisches System strukturiert und definiert sich nicht als Konzern. Sie hat dafür eine schöne Analogie: Im Prinzip agieren wir wie eine Schiffsflotte, wo die Kapitäne für ihre jeweiligen Schiffe die Verantwortung und Letztentscheidung tragen. Die Holding hat die Funktion einer Admiralität, die dafür sorgt, dass es nicht nur eine Ansammlung von Schiffen ist und jedes seinen eigenen Kurs fährt, sondern dass es eine gemeinsame Richtung gibt. Somit bildet die Holding einen strategischen Rahmen für die gesamte Gruppe mit Schwerpunkten. Aber die operative Strategie verfolgt jedes Schiff, somit jede Gesellschaft für sich.

Ein zentrales Ziel ist die Transformation der Nürnberger zum Präventionsversicherer. Welche Strategie steht dahinter? Inwiefern wird sich diese Entwicklung unter dem Dach der VIG beschleunigen?

Rosenberger: Versicherungen müssen auch angesichts der steigenden Kosten der Folgen des Klimawandels und des Gesundheitswesens bezahlbar bleiben. Unsere Antwort darauf ist, dass wir den Aspekt der Prävention stärker in unsere Produkte und Lösungen einbeziehen. Der beste Schaden auch für Kunden ist der, der gar nicht erst eintritt. Wir unterstützen unsere Kunden dabei vorzusorgen und wenn es doch zu einem Schaden oder einer Krankheit kommt, sichern wir die finanziellen Folgen ab. Die VIG verfolgt mit ihren Assistance-Lösungen einen ganz ähnlichen Ansatz. Dabei können wir in der Gruppe viel voneinander lernen. Wir müssen also nicht jedes Rad neu erfinden.

Welche Botschaft möchten Sie freien Versicherungsmaklern mit Blick auf die Zukunft der Nürnberger und die Zusammenarbeit unter dem Dach der VIG mitgeben?

Rosenberger: Für unsere Vertriebspartner ändert sich nichts. Alle Verträge und Vereinbarungen bestehen uneingeschränkt fort. Ich bin jedoch überzeugt, dass sie perspektivisch von einer stärkeren Nürnberger mit mehr Möglichkeiten sehr profitieren werden.

Die VIG hat Unterstützung bei der Modernisierung der IT- und Fachsysteme zugesagt. Welche konkreten Verbesserungen dürfen Makler bei Prozessen und digitalen Schnittstellen vor welchem Zeithorizont erwarten?

Rosenberger: Mit der Genehmigung können wir genau solche Fragen nun mit der VIG im Detail angehen. Es ist jedoch noch zu früh für konkrete Ankündigungen. (mho)

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